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Konsens statt Konkretes

© Ian Ehm

Bei der Medienenquete herrschte bei manchen Themen bemerkenswerte Einigkeit. Jetzt aber geht es um die Details und definierte Masterpläne. Leitartikel von Marlene Auer, Herausgeberin und Chefredakteurin.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 24/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Werbevermarktung, ORF-Gebühren, Login-Plattform: Die Dauerbrenner- Themen der vergangenen Monate gelangten auf die Podien, vielfach herrschte Konsens. Gemeinsam gegen die Silicon-Valley-Unternehmen, zusammen für einen starken Medienstandort, geeint für ein besseres „Level-playing-field“ – dieser Begriff könnte es übrigens vielleicht zum inoffiziellen Branchenwort des Jahres schaffen; so wie „Schulterschluss“ 2017 geprägt hatte – finden Sie nicht auch?

Zurück zur Enquete: Es hat wohl die Kraft der Politik gebraucht, um wesentliche Steine ins Rollen zu bringen. Allianzen kamen bereits im Vorfeld in Schwung, vor Ort wurde kontrovers aber fair diskutiert. Bis auf wenige Fälle von aufkeimendem Schrebergarten-Denken herrschte Gleichklang. Diese Einigkeit bedeutet aber auch: Es gab kaum Überraschungen. Positionen wurden bestärkt, teils mit kreativen Ausführungen unterfüttert, doch völlig neue Ideen oder Strategien blieben aus. Möglicherweise braucht es sie auch nicht. Trotzdem fehlte es in manchen Debatten an Detailaspekten. Geht es etwa um die gemeinsame Digitalvermarktung und sinkende TKPs – so sollte es im selben Atemzug auch um die Diskussion des Bestands oder Nicht-Bestands freier Inventarflächen gehen, um die getargeten TKPs aus dem Ausland, das Sharing-Modell und um bestimmte Deckelungen. Indes kam von der Verlegerseite Kritik zur Videoaustauschplattform – doch das ist ja ein anderes Paar Schuhe. Die Gefahr ist, dass Allianzen oder Ideen kaputt gehen, bevor sie überhaupt Boden gewinnen können. Ein Login-Bündnis wird wohl zwingend eines der nächsten großen Themen, hier braucht es klare Bekenntnisse und genügend Details in den Ausführungen. Harmonie und Konsens ist die Basis – das wurde bei der Enquete gelebt und erfolgreich praktiziert. Nun geht es darum, bei den Diskussionen am Ball zu bleiben, mit Aspekten anzureichern, und in Masterpläne zu gießen, die für alle Player sinnvoll sind. Vielleicht sprechen wir bei den Österreichischen Medientagen im September dann schon über konkrete Ideen und Pläne zur Umsetzung. Wünschenwert wäre es.

 

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