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Konsens, auf fast allen Ebenen

© Sabine Klimpt / Manstein Verlag

Mit dem Bekenntnis zum Marketplace Austria demonstriert die Branche aktuell Stärke. Was es nun für eine positive Umsetzung noch braucht. Leitartikel von Jürgen Hofer, stv. Chefredakteur

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 40/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!


Österreichs Medienbranche und Allianzen? Das sei ein Widerspruch in sich, unkten kritische Branchengeister noch vor gar nicht allzu langer Zeit. Die Realität hat Skeptiker nun eines besseren belehrt. Die gemeinsame Vermarktungsplattform Marketplace Austria manifestiert sich derzeit nicht in Gesprächen und losen Lippenbekenntnissen, sondern in konkreter Umsetzung. Eine Genossenschaft soll das Dach bilden, 13 Medienvertreter wurden bis dato eingeladen, zwei Drittel hätten den Letter of Intent bereits unterschrieben, skizzierten Vertreter bei den Österreichischen Medientagen. Als offene Plattform mit klaren Regeln sollen all jene, die österreichische Inhalte produzieren, teilnehmen können – und direkt an den Erlösen partizipieren. Werbekunden sparen sich dann den Weg samt Werbegeldern zu einer Hand voll Medienhäuser, sondern buchen nationales Inventar über eine zentrale Stelle.

Auch wenn die Pfeiler des Bollwerks gegen das Abfließen von Werbegeldern eingeschlagen sind, bleiben offene Punkte, derer Klärung sich die Köpfe hinter der Plattform derzeit bemühen. Erstens: Ein gemeinsamer Login-Standard wird als essenziell für den Erfolg gesehen. Eine rein österreichische Lösung scheint im Gegensatz zum Andocken an bestehende europäische Anbieter unrealistisch. Ob User, die etwa den Facebook-Login bereits nutzen, dann umschwenken, bleibt offen. Zweitens: Wie so oft ist der ORF im Zentrum der Debatte. Einerseits wurde er von Medienminister Gernot Blümel als Schuhlöffel für solche Initiativen auserkoren, andererseits fürchten Branchenteilnehmer die Lockerung der derzeit bestehenden Targetingregeln. Eine Anpassung des ORF-Gesetzes für die Teilnahme des ORF – und nur dann macht eine Vermarktungsplattform Sinn – ist jedenfalls unabdingbar. Drittens: das Kartellrecht, das durch ausführende Organe zumindest einen strengen Blick auf die Plattform werfen wird und wohl auch Anpassungen bedarf. Dafür ist nun die (Medien-)Politik gefragt. Die Medienbranche hat ihren guten Willen in dieser Sache jedenfalls bereits vorgelebt.

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