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Konflikt um "Kronen Zeitung" eskaliert

Heute.at flankierte die wechselseitigen Drohungen mit einem Bericht über "Benkos Raubritter-Angriff auf die 'Kronen Zeitung'".
© Karl Schöndorfer / APA

Der jahrelange Streit zwischen der Familie Dichand und der deutschen Funke-Gruppe, inklusive Investor Rene Benko, als Miteigentümerin der "Kronen Zeitung" hat eine neue Stufe erreicht: Offen wird die Absetzung von Christoph Dichand als Chefredakteur thematisiert, der sich per Aussendung "gegen die Machtübernahme durch Finanzinvestoren" bei der Zeitung ausspricht.

Dichand stelle sich "entschieden gegen kreditschädigende Anschuldigungen und Versuche von Vertretern der deutschen Funke-Gruppe, ihn als Chefredakteur abzusetzen", hieß es in einer Aussendung im Namen seiner Anwältin Huberta Gheneff. Es gehe um nichts Geringeres als einen "Angriff auf die Unabhängigkeit der Krone und ihrer Redaktion - und damit letztlich auch auf die Pressefreiheit". Er werde seine Verantwortung für die Pressefreiheit und seine Belegschaft auch gegenüber "Finanzinvestoren" wahrnehmen, die die Krone unter ihre komplette Kontrolle bringen und ein laufendes Schiedsverfahren negativ beeinflussen wollen".

„An die Adresse jener, welche die Macht über die größte Tageszeitung des Landes erlangen wollen, sei unmissverständlich gesagt: Die Krone ist kein Spekulationsobjekt, sondern eine unabhängige Zeitung. Die Sicherstellung dieser Unabhängigkeit ist ein Vermächtnis und Auftrag meines Vaters. Ich nehme diese Verpflichtung ernst und werde sie gemeinsam mit der Redaktion mit aller Kraft verteidigen. Es hat in den letzten 60 Jahren immer wieder Versuche gegeben, die Unabhängigkeit der Krone und ihrer Redaktion zu zerstören. Diese sind allesamt gescheitert", wird Dichand weiter zitiert, der demnach eine Ausschlussklage gegen Funke wegen zahlreicher Treuwidrigkeiten anstrebt.

"Raubritter-Angriff"

Wie am Freitag zuvor durch einen Bericht in oe24.at publik geworden war, streben die deutschen Hälfte-Eigentümer die Entlassung von Dichand wegen ungerechtfertigter Spesen an, weshalb seit einigen Tagen Forensiker des Unternehmens Deloitte die Buchhaltung des Hauses durchforsteten. In einem nach Erscheinen des Berichts veröffentlichten Artikel auf Eva Dichands heute.at wird das nicht bestritten, mögliche Unkorrektheiten bei Spesen jedoch als "Peanuts" abgetan. In Wahrheit gehe es um "Benkos Raubritter-Angriff auf die 'Kronen Zeitung'", so der Titel des Artikels.

.Gheneff wies die Vorwürfe zudem im "Standard" als "absurd" und "kreditschädigend" zurück. Die fraglichen Rechnungen seien "mehrfach geprüft und als betriebsnotwendig im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Chefredakteurs anerkannt". Der kolportierte Plan einer arbeitsrechtlichen Klage auf Absetzung Dichands als Chefredakteur und Herausgeber sei außerdem juristisch nicht möglich. Sie kündigt ihrerseits an, den "lästigen Gesellschafter" Funke aus der Gesellschaft herausklagen zu wollen - wegen zahlreicher "Treuwidrigkeiten".

Konflikt seit Anfang der 2000er Jahre

Befeuert worden war der Konflikt zwischen den beiden Kronen Zeitung-Gesellschaftern im vorigen November durch den Einstieg des österreichischen Immobilien-Unternehmers Rene Benko (bzw. dessen Signa Holding). Benko hält nun 49 Prozent an der WAZ Ausland Holding - also jener Firma, in der die "Funke"-Gruppe ihre Anteile an Kronen Zeitung und Kurier gebündelt hat - und ist laut Medienberichten an einer Totalübernahme der deutschen Anteile interessiert. Letzte Woche trug Dichand den Konflikt durch eine Kolumne mit dem Pseudonym "Aurelius", das einst sein Vater Hans Dichand nützte, in die Öffentlichkeit und versprach einen Kampf um die Unabhängigkeit der Zeitung. (horizont.at berichtete)

Der Konflikt zwischen den Dichands und ihren deutschen Partnern schwelt bereits seit Anfang der 2000er-Jahre. Die beiden Eigentümerseiten deckten sich in der Folge über Jahre mit Dutzenden Klagen ein. Ein von der "Funke"-Gruppe angestrengtes Schiedsgerichtsverfahren punkto Gewinnverteilung haben die Dichands im Vorjahr gewonnen. Dabei ging es um eine "Rahmenvereinbarung", laut der Familie Dichand ein "Vorabgewinn" aus dem Zeitungsgeschäft zusteht, für den die deutschen Miteigentümer im Zweifelsfall haften müssten. Ein weiteres Schiedsgerichtsverfahren zu diesem Thema wurde mittlerweile eingebracht.

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