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Keine Antworten, aber viel Fantasie

© Sabine Klimpt/Manstein Verlag

Das vernetzte Leben der Zukunft schafft völlig neue und unbekannte Vorzeichen. Smart Living verlangt der Branche dabei neues Denken und Ansätze ab. Leitartikel von Jürgen Hofer, stv. Chefredakteur.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 26/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Smart City steht im wahrsten Sinne des Wortes vor der Tür: E-Government-Initiativen oder Handy-Signatur ersetzen bereits klassische Amtswege, Mobilitätsassistenten und Carsharing in urbanen Räumen gehören teils schon zum Alltag, flächendeckendes WLAN an öffentlichen Plätzen ist längst Standard. Private Initiativen, aber auch politische Grundsatzpapiere, werden die Entwicklung zum Smart Living und der smarten Stadt in den nächsten Jahren gehörig forcieren, die Bevölkerung steht dem dahinterliegenden Konzept kaum negativ gegenüber, zeigen verschiedenste Studien: Kein Wunder – werden dahinter vor allem Zeitersparnis, vereinfachter Alltag und größere Flexibilität als Vorteile gesehen.

Der Mensch, und damit der Konsument der kommenden Jahre, wird in diesem Kontext ein völlig verändertes Umfeld und damit ein komplett neues Verhalten an den Tag legen. Derlei Szenarien und bestehende Anwendungsfälle beleuchten wir in einem eigenen Dossier in dieser Ausgabe. Die Fantasie künftiger Spielfelder für Medien, Kommunikation und Werbung im Kontext einer komplett vernetzten Stadt geht aber über aktuelle Szenarien weit hinaus – und endet keineswegs bei der Ansprache menschlicher Kontaktpunkte: Was, wenn Maschinen künftig noch stärker untereinander, völlig losgelöst vom Menschen, kommunizieren und interagieren? Welche Rolle spielen dann klassische Trägermedien und bespielende Marketingabteilungen, wenn der intelligente Kühlschrank ohne menschliches Zutun Milch bestellt und automatisiert beliefert wird? Auf Basis welcher Fakten (und vermutlich nicht mehr Emotionen) wird die Kaufentscheidung gefällt? Schaffen es Werbetreibende, Markenwerte oder Produktinformationen in eine komplett technologisierte Welt einzuspeisen? Können Medien als Informationslieferant für Maschinen dienen, wenn dem Menschen Entscheidungen mehr und mehr abgenommen werden? Es wäre kurzsichtig, in dieser Entwicklung ein Bedrohungsszenario zu sehen. Vernetzung und Automatisierung am Individuum Mensch vorbei sind Faktum, sie passieren – und eröffnen neue, wenn auch unerprobte Anwendungsfelder. Diese zu beackern, bedarf Weitsicht, Innovationsgeist und Investitionsmut. Denn die Antworten auf die Fragen von Morgen kennen wir heute noch nicht.

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