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Kampfmaßnahmen der Drucker gestartet

Erste Betriebsversammlungen: Am Gründonnerstagmorgen wurden die heimischen Tageszeitungen um knapp drei Stunden verspätet ausgeliefert – der VÖZ appelliert für eine Fortsetzung der Verhandlungen.

Jetzt geht's los: Die zu Wochenbeginn angekündigten Kampfmaßnahmen und Streikandrohungen seitens der Druckergewerkschaft haben mit einer ersten "Vorwarnung" begonnen. Am Gründonnerstagmorgen verzögerte sich die Auslieferung der Morgenausgaben österreichischer Tageszeitungen aufgrund von ersten Betriebsversammlungen in den Druckereibetrieben um zirka drei Stunden. "Mag sein, dass die Tageszeitung noch nicht um fünf Uhr früh, sondern erst um sieben oder um acht in der Hauszustellung ist", sagte Gewerkschaftsvertreter Franz Bittner in den Morgenstunden gegenüber den ORF-Radios. Rund 13.000 Druckereibeschäftigte gibt es hierzulande, von den gestrigen Betriebsversammlungen seien einige hundert betroffen gewesen.



Grund für die Protestaktionen sind die gescheiterten Verhandlungen um einen neuen Kollektivvertrag im Druckereiwesen mit den Arbeitgebervertretern, also dem Verband Druck & Medientechnik – HORIZONT Online berichtete. Laut Gewerkschaft verlangen die Arbeitgebervertreter Personalkostenkürzungen um zehn Prozent. Wegen der Wirtschaftskrise habe man Kürzungen um bis zu fünf Prozent zugestimmt, mehr werde man dem Verband nicht entgegenkommen, so Bittner. Im Gegenteil wolle man die Protestaktionen in den nächsten Tagen und Wochen ausweiten und zwar nicht nur auf die Tageszeitungen sondern auch "auf die großen Rollendruckereien und Bogendruckereien - also überall dort, wo man von uns zehn Prozent Einkommenskürzungen verlangt".



Die Arbeitgebervertreter sehen das naturgemäß anders: Druckprodukte aus Österreich seien zu teuer, weil die Produktionskosten der Substitutionskonkurrenz und dem ausländischen Mitbewerb - vor allem aus Deutschland - nicht standhalten könnten, argumentiert der Druckerverband. Die grafische Branche gehöre demnach zu den Bestverdienern hierzulande: Das Durchschnittseinkommen betrage jährlich rund 38.342 Euro, in den Zeitungsbetrieben rund 69.818 Euro – "Zeitungsdrucker weit darüber", rechnet der Verband in einer Aussendung vor. Verbandspräsident Michael Hochenegg betont, "die Personalkosten, nicht aber die Einkommen" in der grafischen Branche um zehn Prozent verringern zu wollen.


Der Kompromissvorschlag der Gewerkschaft sei "in Wahrheit ein Forderungspaket" mit Vorschlägen, die zu einer Erhöhung nicht zu einer Senkung der Kosten führen würden. Der Verband sieht die KV-Verhandlungen übrigens nicht als gescheitert an - man habe die Gewerkschaft vielmehr dazu eingeladen, ihren Kompromissvorschlag noch einmal zu überdenken.



Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) appelliert angesichts der Protestmaßnahmen der Druckergewerkschaft, von weiteren Kampfmaßnahmen abzusehen und umgehend die Verhandlungen fortzusetzen. "Die Zeitungen sind von der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krise massiv betroffen und jede Aktion, die ihre wirtschaftlichen Grundlagen darüber hinaus gefährdet, birgt auch die gefährliche Konsequenz in sich, dass damit die Qualität der Produkte, die Leserzufriedenheit sowie Arbeitsplätze im journalistischen und kaufmännischen Bereich der Zeitungen bedroht werden", betonte VÖZ-Verbandsgeschäftsführer Gerald Grünberger in einer Stellungnahme. Dies müsse allen Beteiligten bewusst sein. Einen umfassenden Bericht über den Druckerstreit lesen Sie im aktuellen HORIZONT, der am 10. April erscheint.



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