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Ja, aber bitte ehrlich

© Sabine Klimpt / Manstein Verlag

Über die Nachhaltigkeitsbestrebungen von Marken – und unter welchen Bedingungen das auch glaubhaft zum Besseren führt. Leitartikel von Jürgen Hofer, Chefredakteur

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 43/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Greta Thunbergs Vision des Kampfs um den Fortbestand des Planeten hat vollends in der von Konsum geprägten Markenwelt aufgeschlagen. Der Milliardenkonzern Procter & Gamble etwa stellt einen Teil  seiner Verpackungen aus 100 Prozent recyclebaren Materialien her, lässt Plastik von den Stränden dafür einsammeln –  Kampf dem Plastikmüll als oberste Marketingprämisse. Die Frage „Ist mehr denn wirklich besser?“ prägt ein seit jeher absatzorientiertes Business auch mehr denn je, die Debatte über Klimawandel und Umweltschutz lässt auch große Brands nicht locker. Konsum steht unter der Beobachtung der gesellschaftlichen Verantwortung.

Marken kommen damit jener Aufgabe nach, die sie als die Gesellschaft prägende Kräfte auch vorleben müssen. Ihre Botschaften prägen ganze Generationen, ihre Begeisterung mobilisiert. Das fiktive Duell „Brand empfiehlt“ versus „Politiker schreibt vor“ würden wohl viele Marken haushoch gewinnen. Damit können vor allem große Unternehmen zu Vorreitern einer nachhaltigen und sinnvollen Konsumwelt werden. Aber nur, wenn sie es denn ehrlich meinen: Saubere, umweltgerechte Produktionstechniken sind immer noch vielenorts weit entfernt von halbwegs brauchbaren Standards, Mitarbeiter werden in ihrem Engagement ausgebeutet, unmenschliche Arbeitsbedingungen als Notwendigkeit abgespeist, Ressourcen in Bausch und Bogen vergeudet, Gleichberechtigung als übler Zeitgeist abgetan. Sich dann das Mascherl der Nachhaltigkeit und des Weltverbesserers umzuhängen, wird schlichtweg nicht funktionieren. Veränderung bedarf fundamentalen, auch strukturellen Wandel. Nur wer den Glauben an eine bessere Welt als Marke auch in all seinen Bestandteilen vorexerziert, wird wirklich Gutes tun. Alles andere wären billige, plumpe Marketingschmähs. Und davon gibt es genug, sie werden dieser Welt nicht weiterhelfen.