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IAB-Europe-CEO Feehan warnte in Wien vor E-Privacy und Brexit

iab-austria-Vizepräsidentin Alexandra Vetrovsky-Brychta, Townsend Feehan und iab-austria-Präsident André Eckert.
© leisure communications

Bei einem Pressegespräch in Wien erklärte die IAB-Europe-Vorsitzende Townsend Feehan, warum der europäische Digitalstandorts durch den Brexit geschwächt werden könne. Zudem forderte sie, ein Pyrrhussieg bei den E-Privacy-Verhandlungen müsse verhindert werden.

Am Freitag findet in Wien die erste „Network Next“-Konferenz des IAB Europe mit rund 40 Delegierten aus 28 europäischen Ländern statt, bei der unter anderem die Zukunft der programmatischen Werbung, Initiativen zur Qualität und Transparenz von Digitalwerbung und der Umgang mit der drohenden ePrivacy-Verordnung diskutiert wird.Im Vorfeld sprach IAB-Europe-CEO Townsend Feehan am Mittwochabend über die aktuellen Themen der Digitalwirtschaft und betonte dabei, dass Österreich mit dem Dialog der Digitalwirtschaft mit der Politik auf nationaler Ebene ein Vorzeigeland sei.

Als europäische Dachorganisation ermutigt das IAB Europe seine nationalen Tochterorganisationen, den politischen Dialog zur ePrivacy-Verordnung auf nationaler Ebene intensiv zu führen. In Sachen ePrivacy-Verordnung verortet Feehan inzwischen jedoch eine Diskussionsmüdigkeit nach der jahrelangen Diskussion.Immer noch sieht die Digitalwirtschaft dabei in der Gatekeeper-Idee - Stichwort: Whitelisting durch Browser und damit beherrschende Stellung der US-Digitalriesen - der geplanten Verordnung eine Gefahr. "Medien befinden sich in einem rasanten Transformationsprozess zu Digitalunternehmen. Die ePrivacy-Verordnung kann das Problem der Medienkonzentration weiter fördern", warnte Feehan.

Mit Geld oder Daten bezahlen

Durch die E-Privacy-Verordnung werden User letztlich vor der Entscheidung stehen, ob sie für werbefreie Inhalte mit Geld bezahlen oder die Ausspielung gezielter Werbung für den kostenfreien Zugang in Kauf nehmen. Ohne die Kombination beider finanziellen Grundlagen werde die Medienvielfalt in der heutigen Form in Europa nicht mehr zu erhalten sein, wurde gewarnt. Durch das Anbieten einer Bezahl-Alternative werde die Einwilligung zur Ausspielung von datenbasierter Werbung weiterhin eine rechtliche Grundlage haben.

Brexit als Gefahr für Digitalwirtschaft

Die Auswirkungen des Brexits auf die europäische Digitalwirtschaft hält Feehan für de facto noch nicht absehbar. Großbritannien habe zwar die EU-DSGVO umgesetzt, jedoch gebe es kein Abkommen für Datenaustausch nach dem Brexit. Feehan warnt vor Problemen etwa bei der Arbeit mit programmatischer Werbung mit Mediaagenturen, die ihre europäischen Büros in London hätten. Auch würden die US-Digitalriesen die durch den Brexit entstandenen Kommunikationslücke für sich zu nützen wissen.

Die erwartungsgemäß nach dem Brexit nicht so strengen Regulierungen in Großbritannien würden wohl auch Digitalunternehmen aus der EU abziehen, vermutet Feehan. „Die europäische Digitalwirtschaft muss sich engagieren und geschlossen mit einer Stimme für die Interessen des Digitalstandorts eintreten, um die drohenden Gefahren abzuwehren“, ist ihr Resümee dazu.

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