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Gute Vorzeichen für das neue Jahr

© Ian Ehm

Medien eröffnen sich neue Potenziale, wenn sie genutzt werden. Individuelle Ansprache, neue Formate und richtiges Timing werden wichtiger werden, um neue Zielgruppen zu erschließen.

In der zuweilen hektischen Medienbranche, zwischen Anteils- und Generationsübergaben, Strategiewechseln, Kurskorrekturen und dem steten Experimentieren von neuen Geschäftsmodellen, lohnt es sich andere Branchen zu beobachten und Parallelen zu ziehen. Vom Handelsmarketing etwa ist derzeit besonders viel zu lernen, und in der werbeintensiven Weihnachtszeit gut zu erkennen.


Wie bei Medien geht es Händlern und Marken darum, zu überzeugen, neue Zielgruppen zu erreichen, Communitys aufzubauen und sie nicht nur zu binden, sondern auch für neue Produkte aus dem Portfolio zu begeistern. Beide Branchen sind mit einem neuen digitalen Nutzungsverhalten konfrontiert und gefordert, Lösungen zu neuen Geschäftsmodellen zu entwickeln. Im Handel steigt E-Commerce rasant und scheint dem stationären Geschäft das Wasser abzugraben. Bei den Medien nimmt die digitale Nutzung weiterhin stark zu – von Online-Zugriffen über E-Paper bis Streaming – und bringt die klassischen Medien unter Druck, es fehlen lukrative (Re-)Finanzierungsmodelle.


Nun gibt es im Handel jedoch eine Entwicklung, die es wert ist, auch von Medienmachern beobachtet zu werden: Beklagten Händler noch vor einigen Jahren, Kunden ließen sich nur persönlich beraten, um die Artikel dann online einzukaufen, so ist der Begriff „ROPO“ ein immer geflügelterer. „Research Online, Purchase Offline“: Studien zufolge informieren sich Kunden im Vorfeld immer mehr virtuell, schließen den Kauf aber im Geschäft ab. Natürlich ist die Entwicklung von E-Commerce weitaus intensiver, doch der „ROPO“-Faktor zeigt neue Potenziale für Marken. Das haben selbst digitale Unternehmen erkannt, wenn sie sich in Form stationärer Filialen in Großstädten niederlassen oder plötzlich auf gedruckte Magazine setzen. Was bei Print als neue Bedeutung der Haptik erlebt wird, schlägt sich also auch im Handel nieder. 
Nenner für beide Branchen, Handel wie Medien, ist derselbe: Wer durch Online-Aktivitäten überzeugt, kann neue Zielgruppen als Offline-Konsumenten gewinnen. Wesentlich ist, User in den relevanten Phasen der digitalen Nutzung abzuholen – also zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Nerv zu treffen. Dazu zählt die Analyse der Personas und ihrer Lebenswelten genauso wie das Entwickeln neuer Services für ebendiese. Es geht auch um bestimmte Stilistik in Sprache und Format für verschiedene Zielgruppen, um den Zeitpunkt der Distribution und das Fingerspitzengefühl für die Informationsbedürfnisse.


Um Reichweiten und Engagement zu generieren, braucht es also mehr strategisches und journalistisches Denken als je zuvor. Die Chancen sind groß: Noch nie zuvor konnten so viele Menschen durch digitale Kanäle erreicht werden und noch nie zuvor wurden Medien so stark genutzt. Durch zunehmende Automatisierung von Alltagsprozessen wie dem Autofahren wird die Kommunikationsbranche eine neue Hochphase erleben. Dadurch nämlich steigt die verfügbare Zeit für Medienkonsum.
Auch wenn wir 2019 noch nicht mit selbstfahrenden Autos rechnen können, wird das Jahr ein weiteres im Transformationsprozess sein. Kraft und Image von Marken werden wichtiger werden, um im digitalen Dschungel wahrgenommen zu werden. Klassik-Medien öffnen sich so neue Potenziale. Wer sie zu nutzen weiß, dem steht ein großartiges 2019 bevor.