Horizont Newsletter

Gleiches Gut, gutes Geld

© Sabine Klimpt / Manstein Verlag

Das Aufbrechen von Walled Gardens erlaubt nun digitale Nutzungsvergleiche auf Augenhöhe. Das könnte auch Österreichs Digitalspendings gut tun. Leitartikel von Jürgen Hofer, Chefredakteur

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 10/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Bewegung erfährt das medienpolitische Parkett derzeit nicht nur durch die bevorstehende Abstimmung im Europaparlament zum Thema Urheberrecht. Nach jahrelangem Hin und Her veröffentlicht YouTube erstmalig Nutzungsdaten, die für Deutschland – gemeinsam mit den TV-Sendern in der AGF erhoben – erste direkte Vergleiche erlauben. Das ist zwar noch nicht die angestrebte übergreifende Bewegtbildreichweite, zeigt aber deutlich Macht- und Marktverhältnisse: 232 täglichen TV-Minuten stehen 33 Streaming-Minuten bei YouTube gegenüber. Das wirkt auf den ersten Blick wenig furchteinflößend, heruntergebrochen auf Sendergruppen agiert der US-Gigant damit aber durchaus schon auf Augenhöhe. Tendenz: steigend.

Die erstmals veröffentlichten Werte sind als Durchbruch zu bezeichnen, zumindest einige der großen Konkurrenten aus ihren Walled Gardens zu holen – und mit in gemeinsam erarbeiteten Standards (für alle nachvollziehbar) vergleichbar zu machen. Genau hier offenbart sich die medienpolitische Auswirkung auf Österreichs Digitalmarkt: Viel mehr als das gebetsmühlenartige Betonen eigener Stärken wirkt wohl das Vorlegen objektivierbarer Zahlen und Marktverhältnisse auf die Verteilung von Werbegeldern.

Denn derzeit hantieren Österreichs Vertreter mit in innerösterreichischer Einigkeit erhobenen Werten, die US-Konkurrenz jedoch mit weitaus weniger transparenten Eigenangaben. Hört man in den österreichischen Werbemarkt hinein, so stöhnen derzeit nicht wenige über stagnierende bis sogar zurückgehende Digitalwerbegelder, wenn man denn Google und Facebook heraus rechnet. Umso bedeutsamer wäre für die Wahl des Einsatz von digitalen Werbeeuros eine gemeinsame, marktübergreifende Erhebung. Diese wurde in Deutschland auf Druck vieler Marktteilnehmer errungen. Insofern braucht es auch hierzulande den Konsens als starkes Signal, um nicht in der Unbedeutsamkeit keiner Lösung oder einer Einzellösung eines kleinen Markts untergehen zu drohen.

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online