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Gekündigte Pädagogin: Auch "Krone" druckte Namen von Magistratsbeamtin

In diesem Artikel hatte kobuk.at vergessen, einen Namen zu schwärzen.
© Screenshot kobuk.at

kobuk.at veröffentlichte versehentlich den Namen einer Magistratsbeamtin und wurde dafür von "Krone"-Mann Richard Schmitt kritisiert. In einem Artikel zum gleichen Fall veröffentlichte aber auch die "Krone" den Namen einer Beamtin. Schmitt: "Nennen sehr häufig die Namen höherer Magistratsbeamter".

Im August veröffentlichte die "Kronen Zeitung" Artikel in denen behauptet wurde, die Stadt Wien habe eine Kindergärtnerin gekündigt, weil sie den Kindern die Bedeutung des Weihnachtsfestes erklärt habe. Als Beweis fügte man Auszüge eines Protokolls aus der Wiener Magistratsabteilung 10 an. Bei der Elefantenrunde zur Wien-Wahl im ORF kam dieses Thema dann noch einmal auf den Tisch. FPÖ-Chef Strache echauffierte sich über den angeblichen Rausschmiss, Bürgermeister Michael Häupl dementierte, dass die Kindergärtnerin gekündigt wurde. Die "ZiB 2" hat dazu im Nachgang zur Sendung einen sehenswerten Faktencheck produziert

Diesem Faktencheck liegt unter anderem das Protokoll zugrunde, aus dem die "Krone" auszugsweise zitierte und das kurz nach der Elefantenrunde fast vollständig durch den Medienwatchblog kobuk.at des Publizistik-Instituts der Universität Wien veröffentlicht wurde. Unter der Überschrift "Das Krone-Weihnachtsmärchen mit der gekündigten Pädagogin" kritisiert Autor Helge Fahrnberger, dass die "Krone" durch das auszugsweise Zitieren bewusst ein falsches Bild darstellt. "Das Protokoll zeichnet das Bild einer Kindergärtnerin, die Kolleginnen zu religiösen und politischen Themen und mit Broschüren der Kaiser-Karl-Gebetsliga zu missionieren versuchte, das praktizierte Konzept gendersensibler Pädagogik oder auch Aktivitäten wie das 'Gespensterfest' nicht mit ihrer Rolle als Christin vereinbaren konnte und sich allgemein unkooperativ verhielt", so Fahrnberger in seinem Text

Bei der Veröffentlichung des Protokolls vergaß kobuk.at allerdings, den Namen einer Magistratsbeamtin zu schwärzen. Der Name war also einige Stunden lang online zu lesen, bis "Krone"-Redakteur Richard Schmitt, der auch als "Berater des Herausgebers" bei dem Boulevardblatt arbeitet, Fahrnberger auf den Fehler via Twitter aufmerksam machte - und dasdurchauskritisch. Dieser schwärzte den Namen daraufhin und entschuldigte sich im Artikel für den Fehler. 

"Nennen häufig Namen höherer Magistratsbeamter"

Nur: Auch die "Kronen Zeitung" veröffentlichte in diesem Fall den Namen einer Magistratsbeamtin. Am 23. August veröffentlichte Schmitt selbst unter der Überschrift "Respekt für die Werte unseres Landes" ein Faksimile, auf dem der Name der Verhandlungsleiterin der Disziplinarverhandlung zu lesen war (Name von der HORIZONT-Redaktion unkenntlich gemacht). Schmitt sieht darin nun aber kein Problem. Auf HORIZONT-Nachfrage erklärt er, es sei weder der Name der betroffenen Kindergartenpädagogin, noch der sogenannten "Belastungszeugin" (wie auf kobuk.at) zu lesen gewesen. "Wir nennen sehr häufig die Namen höherer Magistratsbeamter, wenn wir über deren Aufgabengebiete berichten. Somit war das auch in diesem Fall nicht ungewöhnlich", so Schmitt. Die genannte Verhandlungsleiterin war laut Schmitt zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung die Leiterin der Abteilung Personal der MA 10.

"'Krone' entschuldigt sich aus Prinzip nicht"

Helge Fahrnberger, Autor der Artikels auf kobuk.at, sagt auf HORIZONT-Nachfrage: "Der Nachname einer am Rande beteiligten Person war wenige Stunden an einer Stelle des vierseitigen Dokuments sichtbar, das haben wenn überhaupt zwei Dutzend Leute gesehen. Im Unterschied zur 'Krone' haben wir den Fehler ausgebessert und uns für ihn entschuldigt. Die 'Kronen Zeitung' macht ihre Fehler vor Millionenpublikum und entschuldigt sich schon aus Prinzip nicht."

Update (5. November, 15 Uhr): Gegenüber HORIZONT erklärt die MA 10, dass die von der "Kronen Zeitung" zitierte Person nie in einer leitenden Funktion tätig war. 

 

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