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Fußball-WM bei oe24.tv: Fellner sieht sich bei WM als ‚kultige‘ TV-Alternative

Medienmanager Wolfgang Fellner will nicht gegen den ORF „abstinken“ und daher bewusst den konventionellen Stil von Sportübertragungen vermeiden.
© David Bohmann

In jeder Hinsicht komplementär zum ORF legt Wolfgang Fellner sein WM-TV-Paket an – und stellt dafür auch auf HD-Sendebetrieb um. Mit der ‚Koexistenz‘ sieht er sich in einer medienpolitischen Vorreiterrolle.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 23/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Kultcharakter“ sollen die WMSendungen auf oe24.tv im linearen TV und im Internet haben, wünscht sich Wolfgang Fellner. Das beginne schon bei der Auswahl von Präsentatoren wie Edi Finger junior, Robert Seeger – in seinem bereits 14. WM-Einsatz – und Volker Piesczek – kombiniert mit Experten wie Toni Polster, Frenkie Schinkels und Hans Krankl, aber auch Promis abseits der Fußballwelt, etwa Armin Assinger. Das sieht Fellner als bewusste Komplementärprogrammierung zum öffentlich-rechtlichen Angebot: Mit einem konventionellen Zugang zur Präsentation der Spiele würde man sonst „gegen den ORF abstinken“, so Fellner gegenüber HORIZONT.

HD statt ‚Grind‘

Zum Anlass der WM stellt oe24.tv zudem – laut Fellner dauerhaft – auf HD-Sendebetrieb um. Gerade bei Fußballspielen sei sonst „die Qualität zu grindig“. Generell holt Fellner, wenig verwunderlich angesichts der nötigen Investitionen, das Maximum aus seinem WM-Paket heraus, von frühmorgens bis in die Nacht: Die Morgenshow werde die WM-Geschehnisse des Vortags zusammenfassen, die Vormittagsleiste ebenso ein Best-of des Vortags liefern, zusätzlich aber auch Hintergrundinformationen, Interviews und Reportagen, umreißt Fellner das Programm. Zwei Reporter seien in Russland vor Ort und für die WM voll akkreditiert.

Im Hinblick auf die Zweitverwertung von WM-Material will Fellner aus der Not eine Tugend machen: Ein Gutteil der Spiele laufe durch die Zeitverschiebung zu Russland ohnehin zu „bürofeindlichen“ Zeiten; zudem hofft Fellner auf „Schanigarten- Besucher“, die sich erst nach dem Heimkommen bei ihm auf den aktuellsten Stand in Sachen WM bringen wollen. Dazu setzt er auf Zusammenfassungen, bei denen eine Halbzeit auf etwa 20 Minuten zusammengekürzt wird: macht in Summe 40 Minuten und noch genug Zeit für Werbeeinschaltungen für ein jeweils einstündiges Segment, das genau in die Pausen zwischen den ORF-Übertragungen programmiert wird. Aufgezeichnet und kommentiert werden die Spiele dabei jeweils live, dann auf ein Best-of zusammengeschnitten und in der Nachtschiene nochmals auf voller Länge ausgestrahlt.

‚Werden zeigen, was wir können‘

Quote machen sollen laut Fellners Hoffnungen vor allem aber jene Spiele, für die er in Österreich die Exklusivrechte zur Live-Übertragung hält: die zeitgleich stattfindenden Spiele der dritten Runde der Gruppenphase, die der ORF nicht live bringt. Vor allem das Duell Brasilien – Serbien verspreche schon in spielerischer Hinsicht Hochkarätiges, außerdem werde die „serbische Community“ live dabei sein wollen, „wenn die um den zweiten Platz spielen“, so Fellners Prognose. „Das werden wir ordentlich inszenieren“, verspricht er, „da werd‘ ma alles zeigen, was wir – hoffentlich – können.“

Intensiv will er für sein WM-Angebot erst die Werbetrommel rühren, „wenn’s an’s Eingemachte geht“, vor allem mit Cross-Channel-Promotion in den eigenen Medien, aber auch einer Türhänger-Aktion in Wien, und sogar mit einem TV-Spot im ORF, mit dem freilich nur das Online-Angebot zur WM beworben werden soll.

Linear noch ‚hinten anstellen‘

Was den Zuspruch zum Online-Angebot angeht, ist sich Fellner seiner Sache sicher, während er in Sachen TV vorsichtig bleibt: Man werde „erst sehen, wie das mit den Quoten ausschaut. Das können wir noch nicht beurteilen, weil wir noch keine Erfahrung haben.“ Auch ihm sei bewusst, dass sich Österreich als Marke im linearen TV im Hinblick auf die Quote noch „hinten anstellen“ müsse.

‚Sensationelle‘ Einbuchungen

Die Werbebuchungen sowohl für lineares TV als auch digital sind laut Fellner jedenfalls „sensationell“ und „weit, weit über den Erwartungen“: „Wir nähern uns einer Million“, so Fellner – laut ihm zusätzlich zu üblichen monatlichen Buchungen im mittleren sechsstelligen Bereich. Deshalb ist er auch überzeugt, dass sich das WM-Wagnis – wiewohl als bewusste Investition in die Stärke der TV-Marke Österreich konzipiert – finanziell „ausgehen wird“. O h n e h i n könne er sich bloße Investitionen in die Marke nicht leisten: „Abschreibposten gibt’s bei uns nicht, wir kalkulieren immer auf Break-even.“ Das werde in Sachen WM-Paket „im Juni sicher der Fall“ sein. Im digitalen Feld sei man „praktisch ausgebucht“, ein Pre-Roll-Rekord für oe24.at schon fix. Linear sei „noch a biss’l a Platz“. Das sei für ihn aber nicht enttäuschend: „Digital ist unsere Stärke“, das wüssten auch die Werbepartner. Trotzdem sieht sich Fellner durch seine Kooperation mit dem ORF in der Vorreiterrolle unter allen heimischen TV-Sendern: Beim Thema der verstärkten Verschränkung zwischen Privaten und ORF – Stichwort Medienenquete – wolle er „die Koexistenz mit dem ORF vorexerzieren“. Über den ORF lässt er kein böses Wort kommen. Dieser habe sich „äußerst fair“ verhalten, etwa auch beim Herborgen von Frontfiguren wie Assinger. Mit dem WM-Projekt will Fellner laut eigenen Worten damit nicht zuletzt auch vorzeigen, „dass man sowas leben kann: dass man sich nicht streitet und beide was davon haben“.

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