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Fatale Fußball-Fragmente

© Sabine Klimpt/Manstein Verlag

Wie die Fragmentierung nun auch Inhalte erreicht – und warum das für den Seher unpraktikabel und damit für das Produkt riskant sein könnte. Leitartikel von Jürgen Hofer, stv. Chefredakteur.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 16/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Fragmentierung am Medienmarkt schreitet munter voran. Neben den Aufkommen digitaler Angebote als Ergänzung und Konkurrenz für klassische Verlagshäuser waren es am TV-Markt ausgegliederte Spartensender, die Zielgruppen in den Nischen bedienen sollten; zuletzt galten neue Angebote wie Netflix, Amazon Prime oder DAZN als Treiber der sich zergliedernden Bewegtbildlandschaft.

Einhergehend mit dieser strukturellen Fragmentierung hält nun auch die Zerstückelung von Inhalten voll Einzug. Im Film- und Serienbereich ist das über die Ausstrahlung der Seasons von ein und derselben Serie auf verschiedenen Kanälen zu sehen; weitaus drastischer zeigt sich diese Entwicklung im Bereich der Sportrechte. Die einstigen Dominatoren ORF und im Pay-TV Sky stehen nicht mehr alleine da: Sportrechte finden zu Teilen zwar nach wie vor bei ORF und Sky statt, aber eben auch bei anderen TV-Anstalten, wie Puls 4 oder ServusTV, sowie neu ins Rennen gestiegenen Playern wie oe24.TV, DAZN, Laola1 – und, wenn der Bundesligadeal entsprechend unter Dach und Fach gebracht wird, auch bei A1 TV. Dazu kommt die Verbreitung über vereinseigene Angebote. Alleine die unter dem Dach der österreichischen Bundesliga subsumierten und vergebenen Rechte teilen sich in der nächsten Saison auf wohl zumindest vier verschiedene Sender auf. Eine Entwicklung, die in Deutschland schon mit der aktuellen Saison einsetzte, schlägt nun auch in Österreich auf. Für die Sender heißt das weniger Anteil am Kuchen – aber immerhin Kuchen. Spannender ist die Frage, was es für den Seher bedeutet: Ein Package reicht künftig nicht mehr aus, neben Sky braucht es auch DAZN, um die Champions League umfassend live zu sehen. Das Zweitligaspiel läuft bei Laola1 oder im ORF. Ob und wie der Seher das annimmt, steht offen. Distributoren wie Rechteinhalter müssen danach trachten, mit dieser Zerstückelung nicht den Zuspruch zum Produkt an sich zu gefährden. Denn dann wäre im Bestreben nach höchst ausgereizter Kommerzialisierung des Produkts die Attraktivität für den Seher auf der Strecke geblieben. Die Alternative wäre, Sportangebote auf den jeweiligen Sendermarken zu belassen, jedoch eine gemeinsame technologische Plattform zum Konsum überzustülpen. Das bräuchte aber wieder wenig wahrscheinliche Allianzen.

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