Horizont Newsletter

"Es muss nicht Silicon Valley sein"

Das FMP-Podium mit Moderator Daniel Cronin und den Diskutanten Selma Prodanovic, Gilbert Leeb, Rainer Nowak und Richard Höllmüller.
© Christoph H. Breneis

FMP Talk zur Frage der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich brachte einige Ansätze: gefordert wurden mehr Vorbilder, (Aus-)Bildung und Marktorientierung.

Jammern wir auf hohem Niveau oder brauchen wir viel mehr Mut und neue Ideen?“ war die entscheiden Frage des Forum Media Planung FMP beim Talk No. 22 im Wiener MuseumsQuartier. Mit „Ist Österreich als Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig?“ hat die Vereinigung der Media­planer ein goßes Thema gestellt, naturgemäß konnte auch das fach- und sachkundige Podium die Frage nicht zur Gänze beantworten – zeigte aber ein Spektrum von Zugängen zum Thema auf. 

In ihrer Keynote hielt Selma ­Prodanovic, die mit Brainswork nach eigenen Angaben an die 400 Start-ups und Entrepreneure berät, fest: „Der Wirtschaftsstandort wird immer wieder als Ausrede verwendet“, meinte aber auch: „Waren Sie in Pasching und haben Sie von Runtastic gehört? Es muss nicht Silicon Valley sein – Pasching bei Linz. Es geht überall!“ Und das insbesondere im Fall der „Digital Nomads“, also der ortsunabhänigen Arbeit. 

Gilbert Leeb, der sich selbst „Serial Entrepreneur“ nennt und an einem knappen Dutzend sehr unterschiedlicher Firmen Beteiligungen hält, beurteilte die Steuerquote am Wirtschaftsstandort als „zu hoch“, Regularien seien hierzulande mit „zu viel Bürokratie“ versehen und zum Thema Fördertöpfe meinte er: „Vernünftige Wirtschaft braucht keine Förderungen!“ 

Kritik am aktuellen System äußerte auch Rainer Nowak, Chefredakteur der Tageszeitung Die Presse, der das verbale Zuspiel gerne annahm: „Allein um die groß verkündete Start-up-Initiative kümmern sich sieben Regierungsmitglieder“, es reiche eben nicht als „lebenswerteste Stadt“ Rankings zu dominieren, dabei aber Aus- und Weiterbildung insbesondere zu Wirtschaftsthemen brachliegen zu lassen. Nowak weiter: „Wir sind das Luxusseniorenheim, wenig dynamisch und innovations- und leistungsfeindlich.“ Auch FMP-Gastmoderator Daniel Cronin, engagiert bei AustrianStartups, gab eine Empfehlung in Sachen heimische Wirtschaft ab: „Wer im Fußball was werden will, hat Ronaldo als Vorbild. Mein Problem: Hier in Österreich haben Innovatoren mit unternehmerischen Themen erst in sehr späten Lebensphasen zu tun, einfach mangels Ausbildung. Und: Wir sind viel zu sehr national orientiert – bei Start-ups geht es aber nicht um nationale Grenzen“, verwies er auf die eingangs von Prodanovic gezeichneten „Digital Nomads“.

Richard Höllmülller, langjähriger Geschäftsführer von L’Oréal Österreich, und heute nach eigenen Angaben kein Business Angel, aber einer, der Businesstipps gebe, hatte mit explizitem Blick auf internationale Networks eine Warnung im Talon: „Wer sich nur nach KPI – Key-Performance-Indicators – richtet, die von Headquarters kommen, der verschwindet vom Markt“, richtete er in Richtung heimischen Werbemarkt.

1 Kommentare

  • Hugh J Keenan
    I think the market will have to de-regulate and this will happen anyway as we move into a post corporate world in many mature economies. Money from corporate tax revenues will dry up and comfort zones will disappear. I find as an International Sales Trainer new businesses surviving and doing well could have more to do with social reasons as Peter Drucker may have argued rather than just technology. Networking and co-operation in teams with the same vision and shared values is a critical point particularly when times are tough. It keeps people confident. That`s why Austrian start ups, Impact Hub and similar organisations are so important. I am working with Chinese companies they also have their worries....

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online

Das könnte Sie auch interessieren

Keine Nachrichten verfügbar.