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'Erzähl ihnen vom Duft der weiten Welt'

CCA-Vorstand mit Präsident Andreas Spielvogel, Bernhard Grafl (Tunnel 23), Doris Steiner (Ketchum Publico), Melanie Pfaffstaller (mel p productions), Goran Golik (Golik) sowie ­Patrik Partl (Brokkoli), Roman Steiner (Aandrs), Eva Oberdorfer (We Make Stories), Thomas Ragger (Wild) (v. l.) und Georg Feichtinger (Heimat Wien), nicht im Bild.
© Heidi Pein

Andreas Spielvogel spricht in seinem ersten Interview als neuer CCA-Präsident über den künftigen Fokus auf Mut und Radikalität sowie über fremdgehende Kunden.

Der Artikel ist bereits in der Ausgabe 43/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken.

Die Kreativspitze des Landes hat ihren neuen Vorstand gewählt. Vergangene Woche wurde Andreas ­Spielvogel (DDB Wien) als Präsident des Creativ Club Austria (CCA) bestätigt, Patrik Partl (Brokkoli) übernimmt die Funktion des Vizepräsidenten. Auch das Programm unter dem Motto „Relevanz & Radikalität“ steht schon fest – so soll es um „mehr Relevanz in der Fachpresse und bei unseren Auftraggebern, aber auch bei jungen Kreativen“ gehen, wie der CCA ankündigt. Man wolle zudem ein Vorstand sein, der radikale Maßnahmen setzt, mit einer Digitalisierungsoffensive, zeitgemäßen Networking-Möglichkeiten, relevanten Vorträgen und neuen Angeboten für den Nachwuchs, um „Lust auf CCA zu machen“.


Auch wenn die hiesige Werbeszene beinahe täglich mit kreativen Kampagnen angereichert wird, hatte Österreich in der Vergangenheit nicht immer unbedingt die besten Karten im internationalen Vergleich. Dass so etwas wie eine Cannes-Flaute auch der CCA nicht lösen könne, ist Spielvogel durchaus bewusst, wie er gegenüber HORIZONT festhält. Man müsse es aber ein wenig halten wie Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn du willst, dass deine Männer in See stechen, gib ihnen nicht Holz und Nägel, sondern erzähl ihnen vom Duft der weiten Welt.“ Daher müsse man Lust auf echte Ideen machen, bei den eigenen Mitgliedern und bei den Auftraggebern. Ein Beispiel müssten sich Kreative an jenen nehmen, „die den Mut haben, Dinge neu zu denken, die über den Tellerrand blicken und die Lösungen entwickeln, wie sie zuvor noch nie gedacht wurden“.


'Präsenz nicht auf allen Kanälen'
Dass einigen manchmal der Mut dazu fehlt, glaubt Spielvogel nicht: „Ganz im Gegenteil.“ In Zeiten von Social Media werde es jedoch zunehmend schwieriger, besonders auf Auftraggeberseite. „Hier braucht es mehr Mut denn je, sich mit einer frisch gedachten Kampagne auch einmal gegen den Wind zu stellen.“ Im Rahmen der CCA-Venus biete man genau jenen Kampagnen eine Bühne, die zeigen, dass Courage zu mehr Kreativität und Geschäft führt. „So können wir dazu beitragen, den notwendigen Rückenwind zu erzeugen.“

Herausforderungen, denen sich etwa Agenturen in den kommenden Jahren stellen müssten, gebe es genug, etwa dass „unsere Kunden fremdgehen – Loyalität muss täglich von Neuem verdient werden, selbst von Power Brands“. Es gelte überdies „always on“ statt 360 Grad, man müsse nicht auf allen Kanälen präsent sein, sondern dort, wo der Konsument aufnahmebereit ist. Darüber hinaus steigt laut Spielvogel der Anspruch an Rückgrat, Haltung und „noble purpose“ in Marken: „Marken sind wie Menschen. Sie haben eine Persönlichkeit.“