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Erste Bank-Vorstand Thomas Schaufler im Interview: 'Ganze Payment-Infrastruktur auf Mobile ausgerichtet'

Über die seiner Bank entstehenden Kosten für das Anbieten von Apple Pay will Erste-Vorstand Thomas Schaufler nicht sprechen.
© Erste Bank

Thomas Schaufler, Vorstand der Erste Bank Österreich, über Apple Pay, die Mobile-Strategie der Bank und Datensicherheit für die Kunden.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 18/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

HORIZONT: In den letzten Monaten hat man das Gefühl, dass sich die Erste Bank besonders im Payment-Bereich engagiert. Erst vor einem Monat haben Sie die neue Debit-Karte präsentiert. Jetzt kommen Sie mit Apple Pay. Was ist der Grund für ihr großes Engagement in diesem Bereich?
THOMAS SCHAUFLER:
Wir haben schon vor Jahren begonnen, unsere Infrastruktur im Payment auf den Kunden auszurichten, um das Bezahlen noch einfacher zu machen. Und hier spielt das mobile Zahlen eine wichtige Rolle, weshalb wir auch schon sehr früh begonnen haben, unsere Strategie auch Richtung „Mobile“ zu entwickeln, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Damit können wir mobile Zahlungen überall dort ermöglichen, wo der Kunde sie nutzen möchte und wo sie sicher sind. Wir schauen uns weltweit den Markt genau an, checken, wo die Bedürfnisse unserer Kunden liegen, und darauf setzen wir auf. Wir bieten nichts an, nur weil es cool ist, sondern es muss den Menschen wirklich etwas bringen. Apple Pay ist momentan die höchste Evolutionsstufe des Bezahlens. Es macht einfach Spaß, weil bezahlen plötzlich so einfach und bequem ist wie nie zuvor.

Apple Pay wurde vor fünf Jahren von Apple eingeführt. Bis es nach Österreich gekommen ist, ist nun doch einige Zeit vergangen. Warum hat das so lange gedauert?
Also das müssen Sie Apple fragen. Aber Apple hat in einem beeindruckenden Tempo viele Märkte weltweit ausgerollt und wir freuen uns, dass wir die erste österreichische Bank sind, die das ihren Kunden anbieten kann.

N26 bietet den Kunden in Österreich ebenfalls Apple Pay an.
Aber N26 ist keine österreichische Bank, sondern hat ihren Hauptsitz in Deutschland, darüber hinaus bieten wir dem Kunden alle Zahlungsverkehrskarten an. (lächelt)

Was zahlt die Erste Bank an Apple, um diesen Service nutzen zu können?
Darüber sprechen wir nicht. Wichtig ist doch, dass Apple Pay für die Kunden kostenlos ist.

Warum haben Sie sich nicht wie andere Banken in Europa auf ein eigenes Modell entwickelt?
Wir haben diese Option natürlich auch geprüft. Aber eigene Entwicklungen haben aus unserer Sicht wenig Sinn. Da braucht es internationale Lösungen mit offenen Standards ohne Einschränkungen. Und bei Apple Pay gibt’s eine sehr große Nachfrage – mehr als 40 Prozent unserer George-Nutzer haben ein iPhone und da war es naheliegend, die Apple-Lösung anzubieten.

Umgekehrt heißt das aber, dass 60 Prozent ihrer Nutzer ein Android-Handy haben. Für diese gibt es keine Lösung?
Die digitalisierte Kreditkarte für Android-Smartphones bieten wir seit eineinhalb Jahren an. Die Bankomatkarte folgt bald – also bieten wir für alle, die mit dem Smartphone bezahlen möchten, auch eine Lösung an.

Wird kontaktloses Bezahlen wirklich von den Kunden genutzt?
Das kommt bei unseren Kunden wirklich sehr gut an, und das zeigen vor allem auch die Zahlen. Im Schnitt macht ein Kunde bei uns 71 Zahlungen an der Bankomatkassa pro Jahr, davon sind bereits 50 kontaktlos. Das zeigt, dass die Menschen das Thema annehmen. Gerade im Zahlungsverkehr ist das nicht selbstverständlich, denn das Kundenverhalten ändert sich hier aus unserer Erfahrung heraus nur sehr langsam.

Bekommt Apple durch die Kooperation nun auch einen Einblick auf die Daten ihrer Kunden?
Nein, hier unterliegen wir als österreichische Bank einer sehr strengen Regulation. Die Daten unserer Kunden bleiben selbstverständlich in unserer Hand. Das muss auch so sein und Apple hat garantiert keinen Einblick in die Kontobewegungen unserer Kunden.

Glauben Sie, dass Bargeld in Österreich durch die vielen neuen elektronischen Bezahlmethoden bald Geschichte sein wird?
Der 500-Euro-Schein wurde zwar vor wenigen Tagen endgültig abgeschafft – also wird derzeit nicht mehr produziert; die Scheine, die im Umlauf sind, behalten natürlich ihre Gültigkeit –, aber ich gehe davon aus, dass Bargeld in Österreich auch weiterhin eine große Rolle spielen wird. Die Österreicher wollen Bargeld, weil es noch immer eine sehr effektive, anonyme und einfache Art des Bezahlens ist. Wir als Erste Bank bieten unseren Kunden weiterhin viele verschiedene Möglichkeiten an, mit denen sie bezahlen können. Entscheiden muss aber jeder für sich, wie er am Ende bezahlen möchte.

[Stephan Scoppetta]

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