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Ereignisreicher Jahresstart

© Ian Ehm

Während Medien nach der Relotius-Affäre um Glaubwürdigkeit rittern, beschäftigt die Branche auch die Prognose zu den Werbeausgaben. Leitartikel von Marlene Auer, Herausgeberin und Chefredakteurin

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 1-3/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Während auf politischer Ebene der Brexit die Welt in Atem hält, kämpft Europas Medienbranche um die Stellung ihrer Kernaufgabe: den Journalismus. Es türmen sich Leitartikel, Kommentare und Postings zum Betrugsfall Claas Relotius, die eine Absicht gemein haben: Beruhigung. Das ist auch dringend nötig, ist doch das Vertrauen in Medienmarken in der Flut digitaler Nachrichten immer wesentlicheres Kriterium für Leserbindung geworden. Dass Relotius als Einzelfall einen ganzen Berufsstand mit in den Verruf reißt, ist keine Überraschung – sind doch die Vorwürfe der Lügenpresse nicht allzu lange her. Es ist Öl im Feuer, und die Flammen schlagen hoch. Doch das könnte für die Branche schließlich heilsam sein: Die Sensibilität wird wachsen, Faktencheck wird wichtiger werden. Es geht nicht nur um die Trennung von Redaktion und Anzeige, es geht auch um die Trennung von Journalismus und Literatur. Alle Texte brauchen gute Stilistik und anregende Aufmachung, doch Redakteure sind keine Schriftsteller. Und keine Künstler. Dass so ein Betrugsfall aber gerade dem Spiegel mit seiner berühmten Dokumentationsabteilung passiert, ist von besonderer Tragweite.

Außergewöhnlich ist auch Facebooks erste Meldung im neuen Jahr. Mit 300 Millionen US-Dollar wolle der Internetriese den Journalismus „unterstützen“, oder in Wahrheit wohl: sich reinwaschen von den Vorwürfen, Verlage abhängig gemacht zu haben und sie in ihren Geschäftsmodellen zu ruinieren. Interessant wird sein, wofür das Geld eingesetzt werden soll, Lokalnachrichten seien im Fokus, heißt es. Ob es einen Zusammenhang mit den regionalen Facebook-Angeboten wie dem noch recht neuen „Marketplace“ gibt? Wir werden sehen.

Die Werbebranche startet das Jahr indes mit einer Wachstumsprognose der globalen Werbeausgaben um 3,8 Prozent, besonders digitale Werbung soll steigen (plus 12 Prozent) – in Österreich sind es in diesem Segment laut DAN Ad Spend Report 5,2 Prozent. In Summe wächst der heimische Werbemarkt verhaltener als angenommen, der Forecast wurde auf plus 1,2 Prozent nach unten korrigiert. Das wird dieses Jahr eine besondere Herausforderung für Medien und Agenturen werden. Bei den Marktanteilen der Gattungen verändere sich laut dem Report hingegen nichts: Zeitungen (26,9 Prozent) bleiben vor Digital (22,8) und TV (21,9).

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