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Englische Nische in Wien

Maggie Childs offeriert - Print wie Online - ein publizistisches Füllhorn für englischsprachige Leser.
© Metropole

Maggie Childs bringt Englischsprachigen in Wien die Donau-Metropole mit dem Magazin Metropole näher. Neue Services und Europa-Expansion sollen folgen.

 

Margaret „Maggie“ Childs ist eine Frau, die bewegt. Mit Verve und Esprit hat sie ein Unternehmen aufgebaut und sich dabei mutig in einer verlegerischen Nische eingerichtet. Seit Oktober 2015 gibt sie das Magazin Metropole – Vienna in English in ihrem Verlag Home Town Media heraus, das sich seither mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren bei einer treuen Leserschaft etabliert hat. Nun bringt das Unternehmen zusätzliche Produkte für diese Zielgruppe auf den Markt.

Doch der Reihe nach: Die gebürtige Amerikanerin kam im Schulalter nach Wien. „Durch Zufall landete ich im Journalismus, als ich 2005 mit 19 Jahren bei Associated Press ein Praktikum begann“, erinnert sich Childs. Schon damals waren ihr Alison ­Smale, Executive Editor bei der internationalen New York Times, und ­Katharine Graham, Herausgeberin der Washington Post, Vorbilder. Mitten im Sommerloch machte damals der Fall Natascha Kampusch Schlagzeilen und katapultierte die junge Schreiberin in die spektakuläre Berichterstattung, die sie nicht mehr losließ. In der Folgezeit arbeitete sie als Freelancerin für die OPEC und den Condé Nast Traveller, für den sie drei Online-Guides über Wien verfasste. Weiters berichtete die studierte Philosophin circa ein Jahr lang wöchentlich über Start-ups in der Presse. Dabei kam ihr selbst eine Geschäftsidee.

„In Wien sprechen 340.000 Menschen besser Englisch als Deutsch beziehungsweise sind Native Speaker. Das brachte mich auf die Idee, diesen Menschen, zu denen ich einmal gehörte, eine Orientierung zu geben und ihnen Wien nahezubringen“, erklärt Childs. Mit zusammengekratzten 35.000 Euro Startkapital legte sie los. „Es war ein Kampf gegen Windmühlen, denn niemand hielt eine Neugründung in Print für eine gute Idee. Wir hatten kein Büro, also fand die Endproduktion der ersten Ausgabe im Oktober 2015 im Wohnzimmer meiner Mutter statt“, verrät die umtriebige Amerikanerin.

Tagesaktuelle Berichterstattung
Seither habe es mehrere Änderungen und Retuschen an der Zeitschrift gegeben. Die gravierendste fand heuer statt, als gleichzeitig das Onlineangebot auf tagesaktuelle Berichterstattung erweitert und die Erscheinungsweise in Print von monatlich auf saisonal umgestellt wurde. Die Ausgaben, die sowohl an 400 Verkaufsstellen in Österreich als auch im Abo erhältlich sind, wurden dadurch dicker. In jeder Ausgabe ist eine Hälfte einem Themenschwerpunkt gewidmet, die andere Hälfte Reisen, Kulinarik, Events und Lifestyle. Die Verlegerin pflegt Partnerschaften mit Unternehmen und kooperiert beispielsweise mit dem City Airport Train (CAT), in dem das Magazin ausliegt. „Viele Magazine sind nur Vehikel für Werbung. Metropole ist viel mehr“, betont Childs ihr Geschäftsmodell pragmatisch.

„Wir holen uns so viel Feedback bei unseren Lesern wie möglich, beispielsweise durch monatliche Events, zu denen wir bis zu 100 Leser einladen. Unser Job ist es zuzuhören“. 44 Prozent ihrer Klientel sind EU-Staatsangehörige, der Rest Drittstaatsangehörige. 15 Prozent der Leserschaft sind Expats, die für maximal zwei Jahre in Wien bleiben. „Das ist ein wertvolles Publikum, weil sie Wien zu schätzen wissen. Es ist auch eine kaufkräftige, heterogene Zielgruppe im Alter zwischen 25 und 45 mit homogenen Bedürfnissen. Sie brauchen Beistand.“

‚Survival Guide‘ als nächster Plan
„Wir wollen der Freund sein, der ihnen die Stadt vorstellt; in einer Sprache, die sie verstehen. Deshalb lautet unser Credo ‚Don’t be a stranger‘“, so Childs über ihren emotionalen Zugang zur Leserschaft. Diese Gedanken hat sie mittlerweile weitergesponnen und entwickelt gerade ein „Survival Tool“, mit dem man online spielerisch durch die österreichische Bürokratie geführt wird. Das Tool wird voraussichtlich Ende 2019 gelauncht und soll dann Unterstützung bei allen Belangen von Meldezettel und Visum bis Mutter-Kind-Pass und Krankenversicherung für Neuankömmlinge bieten. Childs hat bereits mit ihrem Team von zehn Festangestellten und rund 30 Freelancern Survival Guides in Buchform entwickelt, die notwendige Behördenwege erleichtern sollen sowie Rat und Tipps zum österreichischen Gesundheitssystem oder zum Thema Wohnen geben.

Eine Herzensangelegenheit war Childs auch das Projekt „From Empire to Republic“, ein Buch, in dem sie Bewohner ehemaliger Kronländer über diese und ihr heutiges Verhältnis zu Österreich berichten lässt. Das Konzept ihres Magazins Metropole will sie bis 2021 auf die Städte Barcelona, Tel Aviv, Prag und Zürich ausdehnen. Danach sollen weitere Städte folgen.

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