Horizont Newsletter

Ende des "Netflix-Märchens": Screenforce über die Bedeutung des Fernsehens

V.l.: Screenforce-GF Martin Krapf, AGTT-Obmann Walter Zinggl, P7S1P4-CCO Michael Stix, ORF-Enterprise-CEO Oliver Böhm und Goldbach-Austria-Managing Director Josef Almer.
© leisure / Christian Jobst

Screenforce hob bei einer Pressekonferenz die Relevanz des Fernsehens hervor und präsentierte Daten, die das "Streaming-Märchen" widerlegen sollen. Zusätzlich startet die Gattungsinitiative eine Kampagne, die Fernsehen ins rechte Licht rücken soll.

"Es herrscht eine enorme Diskrepanz zwischen dem Streaming-Hype in den Medien und dem tatsächlichen Nutzungsverhalten der Menschen", begrüßt Walter Zinggl (IP Österreich), Obmann der Arbeitsgemeinschaft Teletest (AGTT), zur heutigen Pressekonferenz von Screenforce Österreich im APA-Pressezentrum. Die Gattungsinitiative der österreichischen TV-Vermarkter ATV, IP Österreich, ORF, ORF-Enterprise, Goldbach Austria, ProSiebenSat.1 PULS 4 und Servus TV nimmt aktuelle Entwicklungen am internationalen Streaming-Markt zum Anlass, um auf die ungebrochene Stärke des Mediums Fernsehen hinzuweisen.

Mit The Walt Disney Company mischt seit einigen Tagen ein neuer Player am Streaming-Markt mit. Laut CNBC konnte das US-Medienunternehmen vergangene Woche bereits über zehn Millionen Abonnenten zählen und attackiert bestehende Anbieter wie Netflix, Amazon Video oder Apple+ mit einem Kampfpreis (HORIZONT berichtete). "Die zunehmende Fragmentierung der Streamingangebote führt zur berechtigten Frage nach der Leistbarkeit bei gleichbleibenden Haushaltseinkommen", hebt Zinggl hervor. So beendete The Walt Disney Company beispielsweise ihre Zusammenarbeit mit Netflix. Wer nun also beide Inhalte sehen möchte, muss mehr zahlen.

Studien widerlegen das "Streaming-Märchen"
Zudem wurde eine aktuelle Bewegtbildstudie von GfK im Auftrag von AGTT und RTR Austria präsentiert, die einen TV-Nutzungsanstieg besagt: Fernsehen erzielt darin eine Wochenreichweite von 99 bis 100 Prozent in allen Altersgruppen und beweist damit eine noch nie dagewesene Stärke. Insgesamt konsumieren die Österreicher demnach täglich 219 Minuten Bewegtbildinhalte. 85 Prozent davon entfallen in der Gesamtbevölkerung (P14+) auf klassisches Fernsehen (linear und nichtlinear sowie Sender-Mediatheken). Die verbleibenden 13 Prozent (23 Minuten) verteilen sich auf Kanäle wie YouTube, Netflix, Facebook, Amazon Video, Instagram, WahtsApp und Burning Series.

Ein nur leicht anderes Bild zeigt sich in der jungen Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen: Laut der Studie entfallen hier 46 Prozent auf lineares Fernsehen und 61 Prozent auf klassische Fernsehangebote. Der Anteil sonstiger Video-Anbieter liegt bei 36 Prozent.

"Es ist fahrlässig zu sagen, die jungen Menschen würden nicht mehr fernsehen. Dem widerspricht auch das TV-Engagement zahlreicher Medienhäuser oder der Start unseres neuen Nachrichtensenders Puls 24 von ProSiebenSat.1 Puls 4. Alle neuen Angebote adressieren überwiegend jüngeres Publikum", betont Michael Stix, Chief Commercial Officer von ProSiebenSat.1 Puls 4.

Screenforce startet Awarness-Kampagne
Um die Bedeutung und Relevanz des Fernsehens zu verdeutlichen, startet die Gattungsinitiative Screenforce aktuell eine Kampagne in allen teilnehmenden österreichischen Fernsehsendern und deren Digitalangeboten. Der von Wirz Werbeagentur konzipierte Spot "Fernsehen. Alles was ich will!" mit dem gleichnamigen Titelsong von Vincent Bueno, soll emotional zeigen, wie stark Fernsehen die Menschen in allen Lebenslagen verbindet und Teil des sozialen Lebens ist. Er stellt die Nutzung in unterschiedlichen Situationen und auf allen Devices in den Vordergrund, um Bewusstsein für die Medienmarke zu schaffen.

"Auch die Nutzung einer Mediathek in der App am Smartphone ist fernsehen. Der Spot zeigt nicht nur die Vielfalt des Fernsehens, sondern auch die Präsenz vertrauter Medienmarken in allen Lebenslagen", fasst Zinggl zusammen.

Ebenfalls um die zentrale Rolle des Fernsehens geht es am kommenden Donnerstag, wenn bereits zum 23. Mal der World Television Day gefeiert wird. Aus diesem Anlass wird ebenfalls ein emotionaler Spot in den teilnehmenden Sendern ausgestrahlt. Der Weltfernsehtag wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Er ist dem Welttag der Pressefreiheit gleichgestellt und befasst sich alljährlich mit der Rolle des Fernsehens für gesellschaftsrelevante Themen wie Frieden, Sicherheit, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen sowie Kulturaustausch.

Mehr Transparenz für die Werbewirtschaft
Auch die neue Global TV-Charta, die von der egta (Association of Television and Radio Sales Houses) und Global TV Group für die verantwortungsvolle sowie transparente Messung von Werbung im Fernsehen und Bewegtbild-Ökosystem geschaffen wurde, stand auf der Tagesordnung. Dieser weltweit gültige Messstandard im Video- und Bewegtbildsegment soll eine solide Basis für Entscheidungsträger in der werbetreibenden Wirtschaft schaffen. Durch diesen Standard soll erstmals eine globale Vergleichbarkeit der Daten geboten und eine Brücke zur zunehmend digitalen und plattformübergreifenden Multi-Screen-Werbelandschaft geschlagen werden. Alle Mitglieder von Screenforce Österreich unterwerfen sich dieser Global TV-Charta. Insgesamt haben bereits über 155 Medienhäuser aus 42 Ländern weltweit die Charta unterschrieben.

"Fernsehen genießt das Vertrauen der Seherinnen und Seher. Mit der Global TV-Charta geben wir der werbetreibenden Wirtschaft das, was die U.S.-Digitalgiganten nicht geben können und wollen: uneingeschränkte Transparenz und Vergleichbarkeit. Wir haben nichts zu verstecken! In der Partnerschaft mit unseren Werbekunden setzen wir auf Vertrauen", kommentiert Zinggl.

Um die essenzielle Rolle des Fernsehens in der Medienlandschaft stärker hervorzuheben, hat sich Screenforce in den letzten Monaten einem Reformprozess unterzogen und neben dem "Screenforce Day", der sich mit aktuellen Trends und Themen der Marktforschung beschäftigt, auch eine "Screenforce Academy" eingerichtet, um das Wissen rund um das Medium und seine Möglichkeiten im digitalen Umfeld in der Branche zu erhöhen. Zusätzlich zur aktuellen Kampagne mit dem Spot "Fernsehen. Alles was ich will" sollen die Marketingaktivitäten spürbar ausgebaut werden, um sowohl innerhalb der Kommunikationslandschaft als auch beim Publikum die Wahrnehmung des Fernsehens zu erhöhen. Neu formierte Arbeitsgruppen erarbeiten unterschiedliche Initiativen für das Gattungsmarketing. Zudem soll der Austausch mit anderen Branchen- und Kommunikationsverbänden ausgebaut werden, um vom gegenseitigen Know-how-Austausch zu profitieren.

Das könnte Sie auch interessieren