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Druckerstreit entwickelt sich zur Farce

Status Quo im Druckerstreit: Widersprüchliches von allen Seiten. (c) VÖZ

Von der Gewerkschaft wird eine beidseitige Einigung um die Kollektivverträge im grafischen Gewerbe kolportiert - Arbeitgebervertreter Michael Hochenegg dementiert.

In der Nacht auf Montag habe es im Druckerstreit eine Einigung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gegeben, sagte Wolfgang Katzian, Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) heute gegenüber Medienvertretern. Das Ergebnis müsse allerdings noch in den jeweiligen Gremien abgesegnet werden. Die Einigung sieht laut Katzian sowohl ein "Strukturpaket" vor - die Arbeitgeber hätten ja auf Lohnkürzungen gedrängt - als auch eine Lohn- und Gehaltserhöhung von drei Prozent für das grafische Gewerbe im Jahr 2009.

Nach dreizehnstündigem Verhandlungsmarathon hätten sich die Sozialpartner (Teilnehmer GPA-djp: Franz Bittner, Alois Freitag, Christian Schuster; Teilnehmer Verband: Michael Hochenegg, Peter Strausky, Gerald Watzal) Sonntagnacht darauf verständigt, ihren obersten Gremien einen ausverhandelten Vorschlag zur Abstimmung zu bringen. Beide Seiten mussten Abstriche von ihren Forderungen machen, trotzdem konnte ein für beide Seiten akzeptables Verhandlungsergebnis erreicht werden, heißt es in einer Stellungnahme der GPA-djp. Bereits vorige Woche habe man bei den Tageszeitungen und den großen Rollenbetrieben weitgehende Einigungen erzielen können. Für die strittigen Punkte bei den Bogenbetrieben und im Arbeitsrecht der Angestellten sei es schließlich am Sonntag noch zu einem Konsens gekommen. Die Gewerkschaft stimmte nach eigenen Angaben einem befristet wirksamen Krisenpaket bis Ende 2010 zu und einigte sich mit dem Verband der Arbeitgeber um nachhaltige Strukturveränderungen in der Branche.



Michael Hochenegg, Präsident des Verbandes Druck und Medientechnik, dementiert diese "Einigungen" in einer Klarstellung in eigener Sache: „Das in der APA-Aussendung vom Sonntag  kolportierte sogenannte Ergebnis gibt weder meine persönliche Meinung noch die Meinung des Verbandsvorstandes als Entscheidungsgremium wieder. Vielmehr habe ich gestern Abend unter Hinweis auf das ungenügende Angebot der Arbeitnehmerseite unter Protest meine Gespräche mit der Gewerkschaft abgebrochen." Im Hinblick auf die Ereignisse bei der Protestveranstaltung am 8. Mai in Salzburg, "wo der Pöbel unseren Landesgruppenobmann Gerald Watzal sogar körperlich attackieren wollte, habe ich darüber hinaus ausdrücklich erklärt, dass eine solche Vorgangsweise das Klima nur verschlechtert und ein inakzeptables Verhalten darstellt", so Hochenegg wörtlich.


Zu den Verhandlungen am Sonntag meint er: "Von den Kollegen Watzal und Strausky wurden die Gespräche offensichtlich weitergeführt und eine sogenannte 'Einigung' – auch unter Verwendung meines Namens – in einer APA-Aussendung kolportiert. Trotz dieser 'ungewöhnlichen' Vorgangsweise spricht nichts dagegen, das 'Angebot' in Linz unseren Gremien zur Beurteilung vorzulegen". Der Verband habe sich aber vorgenommen, im Sinne einer Versachlichung bis zur Hauptvorstandssitzung und zur Hauptversammlung am 15. Mai in Linz keine weiteren Diskussionen zum Thema Kollektivvertrag mehr über die Öffentlichkeit zu führen.


Der angekündigte Streik ist noch nicht ausgeräumt, betont wiederum Gewerkschafts-Chef Katzian: "Was es jetzt gegeben hat, ist eine Einigung in den Verhandlungsteams und wir werden sehen, ob dieses Ergebnis in den Gremien der Arbeitgeber und Arbeitnehmer angenommen wird. Wenn ja, dann ist es so. Wenn nein, dann laufen die Maßnahmen weiter." Nach den ursprünglichen Plänen sollten die Mitarbeiter heute Montag über Streiks abstimmen. Die für kommenden Mittwoch angekündigte Großdemonstration gegen die stockenden KV-Verhandlungen in anderen Branchen bleiben davon unberührt aufrecht - der GPA-Chef verdächtigte laut APA die Arbeitgeber, Lohnabschlüsse in einzelnen Branchen bewusst zu verzögern, um angesichts der Wirtschaftskrise "insgesamt die Abschlüsse niedrig zu halten".




Dazu bezieht Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Position: Da es nun zwischen der Gewerkschaft und den Zeitungsdruckbetrieben sowohl bei den Tageszeitungen wie darüber hinaus auch bei den Rollendruckereien zu einem ausverhandelten Ergebnis gekommen sei, gäbe es keinen gerechtfertigten Grund, warum Tageszeitungen aufgrund anderer Interessen in Geiselhaft genommen werden sollen, so Grünberger. Die Vertreter der Interessengemeinschaft Druck im VÖZ stehen nach Eigenangaben zum ausverhandelten Ergebnis und seien bereit, dieses umgehend umzusetzen. Sie sehen einer Abstimmung der Ergebnisse beim bevorstehenden Druckertag des Verbandes Druck und Medientechnik in Linz mit Zuversicht entgegen. Außerdem erwarten die Vertreter der IG Druck ein ebenso klares Bekenntnis zum Verhandlungsergebnis durch die Belegschafts- und Gewerkschaftsvertreter.
 


(Quelle: APA/HORIZONT Online)


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