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Drucker kündigen Streik an

KV-Verhandlungen vorerst gescheitert: Kampfansage seitens der Gewerkschaft während der Drucker-Verband eine "Neuformulierung des Angebotes" fordert.

Schon bald könnten die heimischen Tageszeitungen vorübergehend nicht erscheinen - die österreichischen Drucker drohen mit Streik, meldet die APA. Die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) und dem Verband Druck & Medientechnik über den von den Arbeitgebern aufgekündigten Kollektivvertrag sind gescheitert. Jetzt wollen die Arbeitnehmervertreter "betriebliche Streik- und gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen" beantragen, teilten sie am Montag in einer Aussendung mit. Vor allem die Tageszeitungsbranche wäre davon betroffen.



Franz C. Bauer, Präsident der Journalistengewerkschaft, geht davon aus, dass der Streik nach Ostern stattfinden könnte, sollte man sich nicht noch in letzter Minute einigen können. "Niemand streikt mutwillig und gerne, vor allem nicht in Zeiten wie diesen", sagt Bauer. Die Gewerkschaft sieht sich allerdings zu Maßnahmen gezwungen, nachdem die Arbeitgebervertreter einen Kompromissvorschlag abgelehnt hatten. Ab sofort sollen daher in einer ersten Maßnahme die vorübergehend unterbrochenen Protest-Betriebsversammlungen wieder aufgenommen werden. Franz Bittner, der Vorsitzende-Stellvertreter der GPA-djp, betonte gegenüber der APA, er wolle gegebenenfalls den Streik "so demokratisch wie möglich führen". Das heißt, die Gewerkschaftsmitglieder sollen zuvor auf ihre Bereitschaft hin befragt werden.



Der Verband Druck & Medientechnik hatte den Drucker-Kollektivvertrag im Dezember einseitig gekündigt und ein neuerliches Angebot der Gewerkschaft Ende März dieses Jahres als "völlig unzureichend" abgelehnt. Laut Gewerkschaft fordert der Verband eine lineare Einkommenskürzung von zehn bis 13 Prozent. Die Arbeitnehmervertreter seien in ihrem Kompromiss-Modell unter anderem bereit gewesen, Zulagenkürzungen bei gleichzeitiger Anhebung der Gehälter um 3,4 Prozent in Kauf zu nehmen. "Die Verhandlungskurie der Arbeitgeber verweigert eine mäßig Lohn- und Gehaltserhöhung für ihre Beschäftigten 2009 und fordert zugleich bei den Druckern über 27 Prozent Einkommenskürzung", schildert die Gewerkschaft die Situation.



"Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit gefährdet den Druckstandort Österreich", meint hingegen der Verband Druck & Medientechnik, der die Ursachen dafür zu einem wesentlichen Teil im extrem teuren Kollektivvertrag sieht, in einer Aussendung. Verbandspräsident Michael Hochenegg dazu: "Unsere Branche ist Exportschlusslicht in Europa. Was wir brauchen, ist Chancengleichheit bei unseren Kosten. Daher müssen wir uns bei den Personalkosten zumindest an Deutschland, den größten und wichtigsten Marktteilnehmer, annähern. Derzeit liegen wir – je nach Produktionsbereich – um 15 bis 30 Prozent über dem deutschen Personalkostenniveau." Strukturänderungen seien daher ebenso wichtig wie kurzfristige Maßnahmen für die Krisenbewältigung in der Branche. In die Grundgehälter der Mitarbeiter soll nach Verbandsangaben nicht eingegriffen werden, die notwendigen Kosteneinsparungen sollen vor allem durch Reduktion der in Österreich "besonders hohen und nicht mehr zeitgemäßen Zulagen und Zuschläge des grafischen Kollektivvertrags" erfolgen.


Für die Weiterführung konstruktiver Gespräche erwartet sich der Verband "eine Neuformulierung des Angebotes durch die Gewerkschaft". Hochenegg: "Es ist nicht zielführend, weitere Detailgespräche zu führen, solange kein Grundkonsens über die gemeinsame Zielsetzung erreicht wurde. Wir geben daher der Gewerkschaft Zeit bis Mitte Mai, Ihre Position zu überdenken. Schließlich geht es darum, die Betriebe und damit auch die Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern."



Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) mahnte die Drucker in einer ersten Stellungnahme zur Verantwortung gegenüber anderen Angestellten der Zeitungsbranche. "Es geht in einer solch schwierigen wirtschaftlichen Situation für Zeitungen ja nicht nur um die Drucker selbst", meint VÖZ-Pressesprecher Hannes Schopf. Auch Journalisten und kaufmännische Zeitungsangestellte und deren Arbeitsplätze wären von diesen Maßnahmen betroffen.

(Quelle: APA/HORIZONT)

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