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Digitaler Kapitalismus als Gefahr für die Demokratie

Im gestrigen ORF DialogForum diskutierten Peter Kropsch, Nadja Hahn, Klaus Unterberger, Julias Rehkopf, Florian Scheuba und Christian Fuchs (v.l.n.r).
© Thomas Jantzen

Die große Expertenrunde im ORF DialogForum am Mittwochabend zeigte auf, welchen Herausforderungen sich nicht nur öffentlich-rechtliche Medien, sondern auch die Demokratie als Gesamtes im digitalen Zeitalter stellen muss.

„Das Netz in unserer Hand“ lautete der Titel der gestrigen Diskussionsrunde im ORF DialogForum. Unter der Moderation von Klaus Unterberger von ORF Public Value debattierten Christian Fuchs, Professor für digitale und soziale Medien an der Westminster University London, ORF Redakteurin Nadja Hahn, Peter Kropsch, Geschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur sowie der Kabarettist und Autor Florian Scheuba und Julia Rehkopf, Reporterin beim Y-Kollektiv darüber, inwiefern der Status Quo des digitalen Marktes mit unserer Demokratieauffassung vereinbar sind.

In seiner Eröffnungsrede wies ORF Generaldirektor Alexander Wrabetz auf das veränderte Geschäftsmodell der Medienwelt hin: Früher bezahlten Konsumenten mit Geld, heute mit ihren Daten. Daher sei es – mit Hinblick auf die US-amerikanischen IT-Großkonzerne, die das europäische Mediengeschehen dominierte - wichtiger denn je, ein solidarisches Finanzierungssystem zu entwickeln und abzusichern, um journalistische Ansprüche besser erfüllen zu können.

Dem stimmte auch Christian Fuchs in der anschließenden Diskussion zu: „Der digitale Kapitalismus ist eine Gefahr für unsere Demokratie.“ Durch Chatbots ließe sich die digitale Welt zu leicht manipulieren. Für ähnliches sprach sich auch dpa-Geschäftsführer Peter Kropsch aus: „Früher waren Medien Leuchtturme des Vertrauens.“ Heute solle sich die Gesellschaft daran erinnern, dass Onlineplattformen keine ethischen Ansprüche haben und eine liberale Demokratie, wie wir sie erleben, auch nicht „gottgegeben“ sei. Kropsch sah die Chancen auf eine zukunftsnahe Regulation seitens der Politik als gering an. Für ihn sei daher auch eine gute Ausbildung in Sachen Medienkompetenz für die Nutzer am wichtigsten.

Beitrag zur Meinungsbildung
Julia Rehkopf vom Y-Kollektiv, das zum ARD/ZDF-Netzwerk „Funk“ gehört und die Inhalte ausschließlich auf Drittplattformen publizieren, sieht im digitalen Raum die Möglichkeit einer aktiven Partizipation der Rezipienten. Auch in einer digitalen Demokratie sei es die Aufgabe der Medien, zur Meinungspluralität beizutragen und den Prozess der Meinungsbildung zu begleiten.

ORF Redakteurin Nadja Hahn empfindet den digitalen Raum ebenfalls weniger als bedrohlich, „nur der Kampf um die Aufmerksamkeit wird härter.“ An dieser Stelle zeige sich die Schwierigkeit für die öffentlich-rechtlichen Medien: „Sind wir relevant und sind wir gut auffindbar?“ Eine Änderung des ORF-Gesetzes, um dessen Inhalte länger als sieben Tage in der Online TVthek beizubehalten, sei für Hahn ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

„Soziale Medien immunisieren Lügen, indem sie als Meinungsäußerung getarnt wird“, kritisiert Florian Scheuba. Lügen als Geschäftsmodell – denn „fliegt die Lüge auf, ist die Werbung eh schon verkauft und den Medien ist es wurscht.“ Hier ständen öffentlich-rechtliche wie auch private Sender vor dem Dilemma, gute Recherche in wirtschaftliche Probleme einzurücken.

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