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Die Individualisierung der Serienlänge - Size doesn´t matter

© Serghei Velusceac / Adobe Stock

Was die Serienlänge mit dem autonomen Fahren zu tun hat und warum Kurzserien so beliebt sind.

Dieser Artikel erschien zuerst in UPDATE #3/2019, dem Digitalmagazin des HORIZONT. Noch kein Abo? Hier klicken!

Offenbar müssen es nicht immer 80 Minuten einer Folge sein, wie es der Game-of-Thrones-Fan kennt. Und auch nicht 73 Episoden in acht Staffeln. Vielmehr geht es darum, welche Länge ein bestimmter Stoff brauche. In der Praxis bedeutet das zunehmende Experimente mit Kurz-Formaten und Mini-Serien. Mit Kurzserien wie „Morgen hör´ich auf“ mit Bastian Pastewka hat das ZDF vor drei Jahren schon gute Erfahrungen gemacht. Eine Staffel, fünf Folgen, die inzwischen auch bei Netflix und Prime zu finden sind. Oder „Bodyguard“ (sechs Folgen, Netflix) und „When They See Us“ (vier Folgen, Netflix); Formate in die in allen Diensten zulegen. 

Nutzer suchen oft nach kurzen Serien, sowohl was Länge als auch Episodenanzahl betrifft, um etwa eine ganze Serie an einem Binge-Watching-Abend abarbeiten zu können. Im Hintergrund stehen auch künftige Bedürfnisse, die der Nutzer von heute noch gar nicht auf dem Schirm hat. Die Industrie dagegen sehr wohl. Beim autonomen Fahren etwa. Lange monotone Autobahnfahrten könnten in einem 5G-getragenen autonomen Fahren anders gestaltet werden. Die zusätzliche Zeit, die man durch autonomes Fahren gewinnt, entfaltete enormes Marktpotential, vor allem für Medienanwendungen. Zukunftsmusik? Automobilindustrie und Inhalteanbieter arbeiten bereits daran.

Tag mit 25 Stunden

Die gewonnene Zeit, die man künftig im Auto sitzen, aber nicht mehr auf die Straße starren muss, nennt man bei Audi die „25. Stunde“. Was wünschen sich Menschen, mit dieser neu gewonnenen Zeit anfangen zu können? Das erforscht der Ingolstädter Autohersteller zusammen mit dem Frauenhofer Institut. Mehr Entertainment zum Beispiel, spekuliert Nils Wollny, Head of Digital Business Strategy Customer Experience der Audi AG. Das Unternehmen hat schon mal einen neuen Innenraum des Autos der Zukunft vorgestellt, nennt ihn „Long Distance Lounge“. „Virtuelle Techniken werden eine neue Rolle spielen. Was heute als Scheibe funktioniert, könnte in Zukunft ein Screen sein, so Wollny. Die Weiterentwicklung der Autoscheiben zum virtuellen Bildschirm nennt der Autohersteller als Ziel.

Problem: Werden Spielfilme und Serien auf Reisewegen genutzt, so ändern sich auch die Formatlängen. Distanzen würden im extremen Fall nicht mehr in Stunden und Kilometern gerechnet, sondern in Folgen und Staffeln. Formate sollten daher künftig zur individuellen Fahrtzeit passen, heißt es von Audi. Ausprobiert wird das schon heute, etwa bei Reisen in Bahn, Bus und Flugzeug.  Die ÖBB bietet Gästen im Railjet eine Film- und Serienauswahl und die ORF TVthek. Über die ProSiebenSat.1-Plattform Maxdome stellt das Unternehmen den Fahrgästen der Deutschen Bahn kostenfrei Filme zur Verfügung. Nachdem die Deutsche Bahn kostenloses Wlan für alle Passagiere eingeführt hat, rüstet das Unternehmen mit einem Unterhaltungsportal nach. Auch Serien werden hier in Bezug auf Episoden und Episodenlänge einen weiteren Diversifizierungsprozess durchlaufen.  So werden Inhalte, sagt Dr. Michael Müller, Senior Vice President Distribution ProSiebenSat.1 Media SE, in neue Formate für eine mobile Verwendung gepackt. Der Plan: Wunschfolge 1-3 endet dann punktgenau bei Ankunft in Salzburg.

[Story von Danilo Höpfner]

UPDATE hat außerdem recherchiert, wie sich das Serienbusiness entwickeln wird, was wir sehen werden, wer überhaupt produziert und was eigentlich 8K ist. 

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