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Der ORF und das Problem hinter dem Rad-Desaster

Auf der dritten Etappe von von Ardagger nach Sonntagberg fährt der Steirer Markus Eibegger ins gelbe Trikot
© www.derfotograf.at/Klaus Titzer

Dieses Jahr gibt es keine Live-Übertragung der Österreich Rundfahrt, auch weil der Radverband die Bilder für den ORF selbst produzieren musste. Wird das zur Regel?

Es hätte ein Sportfest vor traumhafter Sommer-Kulisse werden sollen. Schnittige Radfahrer vor Tourismuszielen. Sogar der europaweite Sportkanal Eurosport hatte neben dem ORF zugesagt, die sieben Etappen der Österreich Rundfahrt zu übertragen (HORIZONT berichtete). Doch dann gab es keine Live-Bilder. Eine kleine Katastrophe für den Veranstalter, den Radsportverband. Zugleich liegt der Panne ein Problem zugrunde, mit dem sich künftig auch andere "Randsportarten" konfrontiert sehen könnten, sofern sie auf ORF Sport plus vorkommen wollen: Wenn der ORF aus Budgetgründen Übertragungen nicht mehr selbst produziert, sondern sich der Veranstalter selbst darum kümmern muss. Eine große Herausforderung, bei der einiges schiefgehen kann.

Wie viel die Produktion gekostet hat wollen die Organisatoren nicht sagen. Fest steht nur, dass sechs Landes-Tourismusorganisationen und die Österreich Werbung, mit denen die Übertragung finanziert wurde, not amused sind. Die Produktionsfirma Seltec war dem Radsportverband vom ORF und einem weiteren Sender empfohlen worden. Doch das mobile System, die Bildsignale der drei Motorradkameras direkt an den Regieplatz am Küniglberg zu senden, funktionierte nicht wie gewünscht. Bei anderen Veranstaltungen, wie der Übertragung des Iron Man Austria aus Klagenfurt, hatte es keine Probleme gegeben. Was war passiert?

Großer Druck, zu wenig Tests

Bereits vor einem halben Jahr hatte Seltec ein Konzept mit entsprechenden Vorlaufzeiten ausgearbeitet, erzählt Geschäftsführer Peter Gridling. "Da die Beauftragung jedoch sehr spät erfolgte, konnten wir nicht mehr alle Tests durchführen und jene, die wir durchführen konnten, waren eigentlich vielversprechend." Die Alternative sei gewesen, dass es gar keine TV-Bilder von der Rundfahrt gibt. "Auf uns und den Radsportverband war der Druck natürlich entsprechend groß, dass wir das Projekt durchführen." Erst in der Produktion tauchten dann Faktoren auf, die die Live-Übertragung scheitern ließen. "Davon waren einige technischer Natur und einige außerhalb unseres Einflussbereichs. Wir übernehmen aber natürlich die Verantwortung. Es tut uns sehr leid, dass wir diesmal den Anspruch nicht erfüllen konnten", sagt Gridling.

"Insgesamt ist das bitter für uns", sagt Radrundfahrt-Pressesprecher Martin Rosenender. "Weil jetzt das Sportliche in den Hintergrund tritt. Das 26-minütige Magazin, das von Anfang an ein wichtiger Aufhänger war, wird aber wie geplant ausgestrahlt." Die tägliche Sendung läuft auf Eurosport 1 und 2, auf ORF Sport Plus ab 20:15 Uhr sowie auf ORF eins rund um Mitternacht nach der Euro-Sendefläche. Nach einer Krisensitzung am Montag stellt der ORF den Veranstaltern zudem einen zusätzlichen Motorrad-Kameramann samt Techniker zur Verfügung. "Unser Dank gilt dem ORF für die beispiellose Unterstützung", sagt Tourdirektor Gernot Schaar.

Fehlende Mittel wegen EM und Olympia

Während im öffentlichen Rundfunk sogar Trainingsmatches des Fußball-Nationalteams übertragen werden, die Formel 1 ganze Wochenenden füllt und jeder Schwung der Ski-Stars live in die Wohnzimmer flimmert, fristen Randsportarten oft ein schwieriges TV-Dasein. Eigentlich sollte ihnen, wie das ORF-Gesetz vorschreibt, auf ORF Sport plus eine Bühne geboten werden, um dem Abhilfe zu schaffen. Mit vielen Verbänden gebe es auch Verträge, sagt ORF-Sportchef Hans Peter Trost. "Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten dafür sorgen, dass wir auch weiterhin möglichst viele Live-Übertragungen anbieten können. Bei einem Senderbudget von insgesamt sechs Millionen Euro brutto ist aber irgendwann eine Grenze erreicht." Klar würde er sich auch mehr Mittel wünschen. Es könne aber keine Rede davon sein, dass Sportverbände die Bilder für ORF Sport plus künftig selbst produzieren müssten.

Dieses Jahr sei es so, dass zusätzliche Großereignisse wie die Fußball-EM und Olympia bereits viele Ressourcen beanspruchen. "Die Kosten im Fall der Radrundfahrt hätten sich auf etliche hundert Tausend Euro belaufen." Man habe daher nur der Übertragung zugestimmt, den Regisseur und gewisse Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Operativ war der ORF nicht eingebunden. Vielleicht könnte es trotzdem sein, dass der gebührenfinanzierte Sender und so mancher kleiner Sportverband künftig mehr Gesprächsbedarf haben werden.

2 Kommentare

  • Hechenberger
    Schade das solche Sachen passieren , aber für Fußball wir alles gemacht, es fehlt der Hausverstand...
  • Clavoverat
    der gebührenfinanzierte, und total politische Sender ORF, ist die wahre Schande für Österreich ! Wenn ich nur den Namen ORF höre, und damit bin ich wirklich nicht der einzige, ist mir zum kotzen.

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