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Der Online-Höhenflug endet vorerst

(c)Nielsen Media Research

Das Wachstum im Online-Werbemarkt schwacht sich ab.

Auch der bisher erfolgsverwöhnten Onlinebranche macht die Wirtschaftskrise zu schaffen. Zwar wächst der Internetwerbemarkt weiter, auch sein Anteil am Werbekuchen vergrößert sich gegenüber klassischen Medien. Allerdings ist in diesem Jahr nur noch mit extrem kleinen Steigerungsraten zu rechnen. Lothar Prison, Head of Agency und Media Director der Agentur Zed Performance, rechnet in Deutschland nur noch mit einem Plus von etwa einem Prozent gegenüber 2008. Im Vergleich zu dem früheren Höhenflug von teilweise 50 Prozent Zuwachs ist dies ein heftiger Einschnitt. 



Etwas optimistischer ist der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft. Brutto geht der Vorsitzende Paul Mudter von einem 10-prozentigen Wachstum aus, netto etwa von 5 Prozent. Aber auch das wird nicht mehr reichen um die große Zahl der Dienstleister zu ernähren. "Die bereits eingetretene Konsolidierung des Online-Vermarktersegments wird durch die Wirtschaftskrise weiter beschleunigt. Der OVK rechnet daher mit einer deutlich kleineren Anzahl an Online-Vermarktern in den nächsten ein bis zwei Jahren", kommentiert Mudter die Entwicklung. Überleben werden seiner Meinung nach nur jene, die einen klaren USP haben, zum Beispiel eine qualitative Reichweite, ein besonders attraktives Portfolio oder eine Spezialisierung auf einem Themengebiet. 



Der Druck im Markt resultiert vor allem aus einem dramatischen Überangebot an Werbefläche und einem damit verbundenen ruinösen Preiskampf. Experten schätzen, dass das Preisniveau in höherwertigen Segmenten innerhalb der vergangenen zwölf Monaten um 10 bis 15 Prozent gesunken ist, bei minderwertigen Umfeldern noch weitaus stärker. Selbst große Vermarkter müssen angesichts dieser Entwicklung die Reißleine ziehen: So baut ausgerechnet Internetprimus Google weltweit mehrere hundert Arbeitsplätze ab. Das Ebita des Konzerns United Internet in Montabaur ist 2008 um ganze 70 Prozent auf 12,9 Millionen Euro eingebrochen, was die Gerüchte um eine Fusion der Töchter Adlink und United Internet Media erneut schürt.



Und Tomorrow Focus in München übergibt aufgrund der schlechten Entwicklung im Portalgeschäft die redaktionelle Verantwortung für die Websites TVspielfilm.de, Cinema.de und Fitforfun.de an die Hamburger Burda-Schwester Verlagsgruppe Milchstrasse. Infolge dessen müssen 20 Mitarbeiter gehen. Aber es gibt auch Hoffnungsträger: Die Bereiche Performance-Marketing, E-Commerce, Bewegtbild und Mobile Marketing verzeichnen deutliche Zuwächse. Der OVK-Vorsitzende Mudter blickt daher trotz der zahlreichen Hiobsbotschaften optimistisch in die Zukunft: "Für die nächsten zwei bis drei Jahre rechnen wir wieder mit einem deutlichen Anstieg."



(Quelle: horizont.net)

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