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Der eigene Inhalt als Garant

© Sabine Klimpt

Warum TV-Sender ihre Bemühungen mit starken eigenen Formaten und Produktionen wieder intensivieren – und warum sich dieses Investment lohnt. Leitartikel von Jürgen Hofer, stv. Chefredakteur.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 6/2018 des HORIZNT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Es wirkte in den letzten Jahren wie die Suche nach dem heiligen Gral der TV-Landschaft; die Frage quälte Senderverantwortliche und Programmmacher: Welches Format ist das TV-Format der Zukunft? Beginnend mit dem Bröckeln der glorreichen Samstagabendshows, dem beschworenen Ende des „Lagerfeuer-Mediums“, den auf- und ab- und damit totgespielten Quizshows oder wenig substanziellen Laienformaten („Richterin Barbara Salesch“ lässt grüßen) hinterfragten Fernsehsender intensiv ihre Identität. Spätestens als manchem der Quotengarant Livesport abhanden kam und dabei teils auch zu artfremden Anbietern wanderte – und das für horrende Summen, die eben diese etablierten TV-Macher teils nicht mehr zahlen konnten und wollten –, war klar: es braucht neue Ideen.

Ein Teil der Lösung ist gefunden und spiegelt sich nun auch klar in den Programm­offensiven der Sender wieder: im Sender geborene oder (mit-)realisierte Formate; dabei oft eine der Kerneigenschaft des Fernsehens bedienend, nämlich gute Geschichten zu erzählen und ansprechend aufzubereiten. Der ORF schwört mit einem beträchtlichten Teil seiner Budgets auf Eigenproduktionen, Serien wie „Vorstadtweiber“ fahren entsprechende Erfolge ein. Das Programm von ATV wurde schon seit jeher durch Konzeptionen im eigenen Haus definiert, die Mutter ProSiebenSat1-Puls-4-Gruppe macht mit selbst produziertem Inhalt – wenn auch nicht fiktional – gute Erfahrungen. RTL-Chefin Anke Schäferkordt hat Eigenproduktionen ebenso als Marschroute ausgegeben, aber auch kleinere wie ServusTV fahren mit fiktionalen eigenen Serien wie „Trakehnerblut“ anständige Quoten ein.

Klar ist: Die Aufwände vor allem finanzieller Natur sind erheblich. Das Resultat – gute Quoten, Sehertreue, Markenschärfung und zudem die Stärkung des Produktionsstandorts – ist die Mühen aber wert. Und es macht – Stichwort Sportrechte – vor allem eines: weniger angreifbar. Denn gute Ideen, mündend in orginären Inhalt, lassen sich schwer einfach so vom Markt wegkaufen.

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