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Datenverarbeitung zum Zweck der Persönlichkeitsauswertung

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Was ist beim Profiling zu beachten? Gastbeitrag von Manuel Dieplinger.

Alles beginnt mit einem einzelnen Profil, das durch einen Nutzer angelegt wird. Meistens genügt dafür bereits ein Name und eine E-Mail- Adresse. In weiterer Folge wird seitens verschiedener Unternehmen um diese Basisinformation herum eine unglaubliche Menge an unterschiedlichsten Daten gesammelt. Diesen Vorgang nennt man Anreicherung von Profilen oder auch Profiling.

Die Anreicherung alleine ist natürlich erst die Hälfte des Vorgangs, um Menschen zu bewerten. Im zweiten Schritt findet ein Abgleich mit dem Verhalten aller anderen Menschen – von denen bereits ein angereichertes Profil vorliegt – statt. Aus den statistischen Erfahrungen über alle wird ein Rückschluss auf den Einzelnen möglich. Vereinfacht dargestellt ist es zum Beispiel möglich, nur auf Grund der Wohnadresse einer Person eine Vorhersage über deren Bonität zu treffen. Ein Abgleich mit den Daten aller Personen, die vorher hier wohnten, jenen aus der Nachbarschaft oder des Bezirks ergibt einen Wahrscheinlichkeitswert über die finanzielle Situation.

Am 25. Mai tritt die DSGVO in Kraft, dies ist die Antwort der Europäischen Union auf den US-amerikanischen Datenhunger. Der Europäische Gesetzgeber möchte diesem Sammeln von Informationen, unter besonderer Rücksichtnahme auf das Profiling, einen Riegel vorschieben und wieder Transparenz in die Wohnzimmer der Menschen bringen. Natürlich gibt die DSGVO jedem von uns die Möglichkeit, nun schriftlich anzusuchen und sämtliche Daten einzusehen, die diese Unternehmen von uns gespeichert haben. Des Weiteren besteht das Recht, einen Widerspruch zu erheben, die Löschung zu beantragen, die Berichtung von Daten vorzunehmen sowie vieles Weitere. Untersagt ist auch, auf Grund von Profiling Entscheidungen zu treffen, welche gegenüber dem Betroffenen rechtliche Wirkung entfalten. Daher ist genau das obige Beispiel zur Kreditvergabe reine Fiktion. In der Theorie sieht es somit so aus, als ob der Nutzer wieder die Macht bekommen könnte, über sein datengleiches Abbild selbst zu bestimmen. Dieses Generalverbot beinhaltet indes Ausnahmen. So ist es erlaubt, in die rechtliche Sphäre des Betroffenen an Hand von Profiling einzugreifen, wenn es für die Erfüllung eines Vertrages nötig ist, und immer wenn der Betroffen in diese Art der Datenverarbeitung einwilligt.

Niemals dürfen die rassische und ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen oder die Gewerkschaftszugehörigkeit sowie genetische und biometrische Daten, Gesundheitsdaten oder Daten zum Sexualleben oder der sexuellen Orientierung für Profiling verwendet werden.

Es bleibt abzuwarten, was ab dem 25. Mai 2018 geschieht, wie dieses Gesetz in der Praxis angewendet wird und ob die meisten Unternehmen eine Einwilligung in das Profiling für die Nutzung derer Dienste und Angebote voraussetzen.


Manuel Dieplinger ist Rechtsanwaltsanwärter bei der Kanzlei Lansky, Ganzger + Partner Rechtsanwälte in Wien. Er ist im Datenschutz-Team tätig, befasst sich verstärkt mit Auftragsdatenverarbeitung und Datenschutzbedingungen im B2B- und B2C-Bereich.

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