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Das war Tag zwei der Medientage

© Markus Wache

Der zweite Tag der Österreichichen Medientage 2019 hat zwar - mit der Keynote von "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo - mit einem hochkarätigen Vertreter klassischer Medien begonnen. Danach nahm das Programm aber klar Kurs auf das Digitale, und die Frage, wo Medienklassik, Marketer und Agenturen dort ihre Erlöse finden. Den Schwenk zu grundsätzlichen medienpolitischen Fragen vollzog sich zum großen Finale mit seinem "Standoff" zwischen Politik und Medienvertretern.

Die "Stunde Null" als Medientage-Motto war Wasser auf die Mühlen von Di Lorenzo: "Gehen Sie den Wandel an, solange es ihnen noch gut geht - aus einer Position der Stärke heraus", appellierte er an die anwesenden Medienvertreter. Dabei meinte er nicht nur Vermarktung, sondern auch Inhalte: Redaktionsverantwortliche sollten unter dem „hochmotivierten und bestens ausgebildeten“ Nachwuchs „Antikonformisten und Menschen mit holprigen Biografien“ stärken, und sich darüber hinaus ihren "Hang zur Belehrung" abgewöhnen. Wie auch schon in seinem Interview mit HORIZONT fand er zudem deutliche Worte zum Umgang mit kritischem Journalismus in Österreich.

Anschließend ging es wieder um die wirtschaftliche Seite der Medien. Die anwesenden Vertreter von Medien aus dem In- und Ausland waren sich dabei einig, dass vor allem im digitalen Raum stetig mit neuen Erlösmodellen experimentiert werden müsse, um am Puls der Zeit zu bleiben. Standard-Vize-Chefredakteurin Nana Siebert kündigte für ihr Blatt ein solches Experiment schon für die nächste Zeit an. Die Debatte führte nahtlos in das nächste, ebenso mit führenden Medienmacherinnen und -machern besetzte Panel. In der Diskussion, was ein Print-Medium erlösseitig zu einem "Sorgenkind oder Wunderknaben" mache, bekannte profil-Herausgeber Christian Rainer, dass er selbst vor allem sonntags Muße für Print habe.

Erfolgsfaktor Bauchgefühl 

In Sachen Innovation auf sein Bauchgefühl zu hören, hatte kurz davor noch Andreas Gall aus dem Red Bull Media House empfohlen - und konnte diese Empfehlung durch Datenexperimente mit Extremsportlern untermauern. Deselben Schluss ließen zeitgleich drei Case Studies zu gelungenen Innovationsprojekten auf der Stage One zu, deren Präsentatoren ebenfalls einhellig Mut zum Experiment forderten. Gewissermaßen einen Blick in die Zukunft geglückter wie bedrohlicher Experimente erlaubte anschließend eine Sonderstrecke an Impulsen und Referaten zur Kommunikationslandschaft in China.

Zurück in der Grand Hall las Keynoterin Tijen Onaran Unternehmen die Leviten - zumindest jenen, die Diversität für ein "esoterisches" Anliegen halten, und sich so nicht zuletzt um eigene Erfolgsaussichten auch für diversen Content brächten. Die Frage nach der Diversität von Content tauchte überraschend auch auf dem Panel der großen Telkos zu 5G auf, wo Maria Zesch, CCO der Magenta Telekom, zum Background heute verbrauchter Datenvolumen meinte: „80 bis 85 Prozent des Verkehrs wird durch YouTube verursacht. Da verdient vor allem einer und das sind nicht die Netzbetreiber.“ Wie ein Nachsatz dazu wirkte wenig später der Appell von Sky-Geschäftsführerin Christine Scheil als Resultat einer Studie der Akademie der Wissenschaften, die eine stärkere Regulierung von Social Media geboten erscheinen lässt, wonach alle Medien eines eine: die Konkurrenz zu Social Media.

Bewegtbild zwischen zwei Polen

Wie weit die Pole beim Thema Bewegtbild auseinanderliegen, demonstrierten zwei Panels geradezu sinnbildlich: zum einen jenes zur linearen Distribution, wo IP-Österreich-Chef Walter Zinggl zum heiklen Thema der bezahlten Listenplatzierung frei heraus sprach. Gewissermaßen die Vis-a-vis-Seite von Bewegtbild wurde in der Debatte über Mediatheken und Videoportale abgebildet, wo etwa Uwe Hofer, Geschäftsführer des Digitalisierungs-Experten Exozet und an der Konzeption der ZDF-Mediathek beteiligt, eine "Netflixierung" öffentlich-rechtlicher Angebote kritisch sah. Beinahe zeitgleich in der Grand Hall sahen Vertreter der Filmwirtschaft die Ausspielwege dagegen als sekundär an, da guter Content immer seinen Weg finden werde, was ORF-Direktorin Kathrin Zechner mit den Worten formulierte: "Ein leerer Lastwagen ist unsexy".

Der Themenkreis Marketing und Agenturen wurde mit einem doppelten Schlusspunkt auf den Medientagen bedacht: Zuerst diskutierte ein "360-Grad-Panel" mit Vertretern der Kunden- und Agenturseite sowie der WKO-Fachgruppe, wie "die Agentur der Zukunft" beschaffen sein müsse. Dann schließlich ging es am Beispiel der Formel E um das Bild von Sponsoring im Wandel, diskutiert etwa von Event-Haudegen Hannes Jagerhofer, der die Aufgabenstellung im Sponsoring von heute mit den Worten umriss: "Die Inszenierung ist ein Hauptthema, wenn dir das gelingt, wird man dauerhaft Erfolg haben."

Einiges Bekenntnis zum Schluss

In der Zielgeraden der Österreichischen Medientage kehrten die Themen wieder auf ur-medialen Boden zurück: Auf der Stage One kam es zum Gipfeltreffen der Nachrichtenagenturen APA und dpa in Gestalt von deren Chefs Clemens Pig und Peter Kropsch. Beide zeigten sich zuversichtlich, dass gerade angesichts der Verfügbarkeit von Unmassen zweifelhafter Information im Web das Agenturgeschäft Zukunft habe. Zum einigen Bekenntnis zu einem starken österreichischen Medienstandort geriet schließlich das Finale der Österreichischen Medientage, in dem in einer "doppelten Medien-Elefantenrunde" Politik auf Medienvertreter traf - und sich dabei in medienpolitischen Kernpunkten überraschend einig zeigte.

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