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‚Das Plakat verzeiht nicht viele Fehler‘

© Rafael Aproell

Der Plakat-Workshop der Gewista will Junge ‚heiß auf das Medium‘ machen, sagt CSO Andrea Groh – und zeigte Trends der Kreation auf.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 16/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Vergangene Woche haben sich 24 Kreative – vom Junior bis zum Geschäftsführer – im 25hours Hotel in Wien getroffen, um sich unter der Leitung von Mario Pricken und Dieter Weidhofer „Big Ideas“ für eine kreative Plakatkampagne zu holen. Teil des Workshops der Gewista in Kooperation mit dem Creativ Club Austria (CCA) ist ein Wettbewerb zum Thema „Wie sieht das Plakat im Jahr 2030 aus?“ An entsprechenden Sujets arbeiten die Teilnehmer nun. Das Siegersujet gewinnt 25 Plakatstellen in Wien zur Agentur-Eigenbewerbung. HORIZONT hat mit Gewista-Chief- Sales-Officer Andrea Groh aus diesem Anlass über Außenwerbekreation gesprochen.

HORIZONT:Letzte Woche startete der erste Durchgang des Plakat- Kreativ-Workshops von Gewista und Creativ Club Austria. Was war der Beweggrund dafür?

Andrea Groh: Wir gehen seit längerer Zeit mit der Idee schwanger. Es gibt so viele Veranstaltungen für den Online-Bereich – diese Workshops sollen eine Alternative sein und das klassische Medium Plakat wieder ins Rampenlicht rücken. Es geht uns vor allem um die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung in den Kreativagenturen und bei den jungen Kreativen. Einfach gesagt: Wir wollen die Branche wieder heiß auf das Medium Plakat machen! Aber wir maßen uns nicht an, der Maßstab alles Kreativen zu sein, deswegen haben wir mit dem Creativ Club Austria einen guten Partner gefunden. Und die Kursleiter Mario Pricken und Dieter Weidhofer, haben, so denke ich, beide Namen, zu denen man nicht viel sagen muss.

Der Workshop soll vor allem junge Kreative ansprechen – gibt es hier denn Aufholbedarf?

Ja, durchaus. Nachdem wir den Workshop ausgeschrieben haben, waren die 24 Plätze ratzfatz vergeben. Offensichtlich gibt es wirklich Bedarf und Interesse vonseiten der Kreativen. Das Plakat ist mit nahezu 100 Prozent ein wahnsinnig gutes Reichweitenmedium – das kann man nicht einfach wegklicken. Aber es braucht schon eine gute Kreation, muss klar im Auftritt sein und eine emotionalisierte Geschichte erzählen. Man kann sagen, das Plakat ist die Königsdisziplin und verzeiht nicht viele Fehler. Wir sehen oft, dass auf einem Sujet viel zu viel Information platziert ist – dort noch ein Störer, dort noch eine Aktion – und plötzlich ist es eigentlich eine Printanzeige. Das kann am Bildschirm vielleicht gut aussehen – aber an einem Plakat bleibt keiner stehen und schaut es an, das passiert im Vorbeifahren.

Ist das klassische Plakat in der digitalen Zeit noch zeitgemäß?

Ja, das Plakat wird es noch lange geben. Man kann auch nicht alles digitalisieren, das würde sich finanziell nicht rentieren. Was man auch nicht vergessen darf: Man kann mit einer gut gemachten Kampagne noch immer über Nacht Talk of Town sein. Erinnern wir uns an das Lifeball- Sujet von David LaChapelle mit dem Transgender-Model Carmen Carrera aus dem Jahr 2014. Auch heute rufen bei uns oft täglich Privatpersonen an, wenn sie ein gutes Plakat gesehen haben, und wollen es bestellen. Manche tapezieren damit sogar ein gesamtes Zimmer! Zudem multipliziert sich eine gut gemachte Kampagne durch die Berichterstattung in anderen Mediengattungen. Und was auch oft übersehen wird: Da wir im öffentlichen Raum omnipräsent sind, kann man in Verbindungen mit dem Mobiltelefon – das jeder immer dabei hat – spannende neue Möglichkeiten nutzen.

Stichwort Digital: Wie sieht es mit dem Ausbau der digitalen OOH und dem programmatischen Einkauf und Ausspielung von Kampagnen aus?

Momentan sind wir mit digitalen City Lights in den wichtigsten urbanen Zentren Österreichs in Wien, Linz, Graz und Salzburg vertreten. Dieses Jahr werden wir außerdem weiter in den Westen expandieren. Das Thema Programmatic ist natürlich vorhanden – aber das ist ein Prozess, der vom JCDecaux-Konzern ausgeht und gesteuert wird.

Was tut sich bei der Gewista 2018 in der klassischen Außenwerbung?

Wir konzentrieren uns stark auf das Thema Transport-Media und haben dazu im Verkauf zwei Units mit diesem Schwerpunkt gegründet. Die eine wird sich um die Key Accounts im Zuge der Verkehrsmittelwerbung kümmern, die andere konzentriert sich auf POS-Positionierungen für Klein- und Mittelunternehmen.

Wie geht es mit der Workshop- Serie weiter?

Dabei handelt es sich um work in progress. Sicher ist, dass es auch nächstes Jahr wieder einen Workshop gibt – in welcher Form, ist noch nicht klar. Wir wollen das auch nicht zu inflationär machen.

[Veronika Höflehner]

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