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„Das hat die Branche in der Form noch nicht gesehen“

Peter Umundum, seit 2011 Vorstand der Division Paket und Logistik, übernimmt nun Teile der Agenden von Walter Hitziger, der mit Ende 2018 sein Vorstandsmandat zurückgelegt hat.
© Österreichische Post AG

Peter Umundum, Post-Vorstand der Division Paket und Logistik, im Interview: wie er die Position des Unternehmens am Markt weiter stärken möchte.

Dieses Interview ist zuerst in der Ausgabe 01-03/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken.

Horizont: Brief-Vorstand Hitziger hat mit Ende 2018 sein Vorstandsmandat zurückgelegt. Neben der Division Paket & Logistik sind Sie künftig auch für die Produktion beider Sparten Brief und Paket zuständig. Wie sehen Ihre Pläne aus?
Peter Umundum: Es ist unser erklärtes Ziel, in der neuen Struktur weitere Synergien des Brief- und Paketgeschäfts zu heben. Damit möchten wir unsere Position weiter stärken und unsere Rolle als Marktführer ausbauen. Die Divisionen haben bereits davor eng zusammengearbeitet, diese Zusammenarbeit wird sich in der neuen Organisation noch intensivieren.

Die Österreichische Post verzeichnete einen Umsatzanstieg um 0,8 Prozent in den ersten drei Quartalen 2018 auf 1.416,4 Millionen Euro und ein Paketwachstum von +11,5 Prozent. Getrieben wird dieser Trend vom Online-Shopping insbesondere vor und zu Weihnachten. Wie lief das Weihnachtsgeschäft 2018, im Vergleich zu den Vorjahren?
Das Weihnachtsgeschäft verlief für uns – wie bereits in den vergangenen Jahren – ausgesprochen gut. Wir verzeichneten bereits Ende Oktober einen Anstieg der Paketmengen, in der Vorweihnachtszeit waren es an manchen Tagen doppelt so viele Pakete wie im Jahresschnitt. 2017 haben wir im Dezember rund neun Millionen Pakete zugestellt, 2018 werden es etwa elf Millionen gewesen sein – hier haben wir jedoch noch keine finalen Zahlen. Zudem konnten wir mit 672.000 verteilten Paketen an nur einem Tag einen neuen Tagesrekord erzielen. Insgesamt haben wir 2018 österreichweit 108 Millionen Pakete transportiert, das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr – und das trotz stetig steigender Konkurrenz am Paketmarkt.

Die Division Paket steht besonders für Innovationen auf der letzten Meile. Eine davon sieht die Zustellung von online bestellten Artikeln rein mit der Post vor. „Alles Post“ wird im März als Pilotprojekt österreichweit zur Verfügung stehen. Was sind die Erwartungen und wie viele Kunden haben sich bereits vorangemeldet? Wie funktioniert die Logistik hinter „Alles Post“?
Die Online-Bestellungen nehmen Jahr für Jahr zu, doch Kunden können dabei meist nicht wählen, wer das Paket zustellt – das möchten wir mit unserem neuen Service ändern: Mit AllesPost bringt das Paket ausschließlich die Österreichische Post. Kunden profitieren damit auch von unseren Services auf der „letzten Meile“, wie beispielsweise Post Empfangsboxen oder Abstellgenehmigungen. Damit bieten wir bereits 1,1 Millionen Haushalten eine Empfangsmöglichkeit direkt an der Adresse – das ist ein Drittel aller Haushalte in Österreich. Um AllesPost ab März nutzen zu können, ist eine Vorab-Anmeldung unter post.at/allespost möglich. Nach Erhalt einer speziellen AllesPost-Zustelladresse, muss diese dann bei jedem Online-Einkauf als Lieferadresse angegeben werden. Erfolgt der Versand über einen beliebigen Zustelldienst, übergibt dieser das Paket an die angegebene AllesPost-Zustelladresse und die Zustellung danach erfolgt mit der Post. Wir halten bereits bei rund 20.000 Anmeldungen und die Zahl steigt stetig – das zeigt uns, das großes Interesse an unserem neuen Service besteht.  

Eine Ihrer größten Investitionen fließt in innovative Zustellformen, wie Drohnen, Kofferraumzustellung und autonome Zustellung durch E-Fahrzeuge. Wie geht es diesen Projekten? Konnten Hürden wie rechtliche Rahmenbedingungen geklärt werden? Was ist für dieses Jahr für B2C und B2B geplant?
Es ist essenziell, schnell und innovativ zu sein. Wir müssen in die Zukunft blicken und uns wettbewerbsfähig ausrichten. 2017 lag ein Schwerpunkt unter anderem in der autonomen Zustellung, die wir mit Drohnen und einem autonomen Fahrzeug erfolgreich getestet haben. Drohnen in der Paketmassenzustellung sind in absehbarer Zeit aber nicht realistisch. Den nächsten Schritt beim autonomen Fahren erwarten wir in den Bereichen der Inhouse-Logistik. Natürlich sind hier auch noch rechtliche Rahmenbedingungen zu klären. Vergangenes Jahr haben wir uns auf Effizienzsteigerung in den Logistikzentren fokussiert und zum Beispiel mit der Firma PHS den Rapid Unloader, ein automatisches Paketentladesystem, entwickelt. Diese europaweite Innovation ist eine Bereicherung für die gesamte Logistik- und Speditionsbranche. In der Zustellung werden wir heuer unsere Mitarbeiter mit einer neuen Generation an Endgeräten ausstatten, auf Kundenseite werden wir unsere Services weiter ausbauen. Heuer möchten wir unter anderem unsere SB-Kundenlösungen erweitern und diese mittelfristig mehr als verdoppeln. 

Eines der Bereiche wo noch lange nicht der Zenith erreicht ist, ist die Lebensmittelzustellung. Der Anteil von E-Commerce-Sendungen am Handelsumsatz betrug im vergangenen Jahr elf Prozent, die Lebensmittelzustellung machte noch weniger als ein Prozent aus. Wie entwickelt sich dieser Wert weiter? Was können Kunden in naher Zukunft hier erwarten?
Die Lebensmittelzustellung entwickelt sich grundsätzlich positiv, wenn hier auch sicherlich noch viel Potenzial besteht. 2018 haben wir inklusive Wein und Trockenware rund 600.000 Pakete mit Lebensmitteln zugestellt, das ist ein Plus von etwa 35 Prozent zum Vorjahr. Mit etwa 80.000 Lebensmittelboxen – mit gekühlter Ware – wurden etwa um 15 Prozent mehr transportiert als noch im Jahr davor.

Bleiben wir bei der Zustellung von Lebensmitteln. Same-Day-Delivery in den Ballungsräumen, österreichweite Zustellung innerhalb von 24 Stunden und für die Gastronomie sogar innerhalb von drei Stunden von der Post. Da bleibt wenig Luft nach oben?
Mit dem Same-Day-Delivery-Service in Ballungsräumen garantieren wir seit 2015 sichere Lebensmittelzustellung noch am selben Tag – und das CO2-neutral bis an die Wohnungstür. Neben der Zustellung noch am selben Tag werden zukünftig exakte Zeitfenster in der Zustellung noch an Bedeutung gewinnen. Das heißt, dass Kunden Pakete nicht zwingend noch heute erhalten möchten, dafür jedoch zum Beispiel morgen zwischen 15 und 16 Uhr, da sie in diesem Zeitraum zuhause sind.

Wie geht es dem Produkt „Freeze“? Für Mitte 2018 war auch eine marktreife Möglichkeit geplant, Tiefkühlprodukte rasch und sicher zuzustellen. Ist das Vorhaben gelungen? Welchen logistischen Aufwand bedeutet das?
Wir befinden uns mit unserer Tempribox, mit der wir zukünftig auch Tiefkühlware rasch und sicher transportieren, aktuell im Test. Damit ermöglichen wir neuen Branchen, wie zum Beispiel Verpflegungsbetrieben oder auch TK-Produzenten, ihren Radius an Kunden zu erweitern. Wir werden die Tempribox flächendeckend am nächsten Werktag zustellen.

Eines der aktuellen Themen auf der letzten Meile ist die Kooperation mit Hofer. Kunden können so Pakete im Rahmen ihres Einkaufs senden und empfangen. Welche branchenübergreifenden Kooperationen könnte sich die Post Paket noch vorstellen?
Wir bauen unsere Services laufend aus, die Kooperation mit Hofer ist ein Beispiel dafür. Die Post Stationen ermöglichen es den Kunden, Postangelegenheiten einfach und direkt im Zuge ihrer Einkäufe zu erledigen. Gerade im Bereich Logistik gibt es immer wieder spannende Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die wir auch zukünftig in verschiedenen Bereichen weiter forcieren werden. Start-Ups sind dabei ebenso interessant wie Beteiligungen an innovativen Unternehmen oder Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Für dieses Jahr war unter anderem auch die Kooperation mit der Deutschen FinTech Group geplant. Das 50.50 Joint Venture zur Erbringung von Finanzdienstleistungen wird nun nicht mehr realisiert. Warum nicht? Und ist eine andere Kooperation in diesem Bereich mit anderen Unternehmen geplant?
Wir sind gemeinsam mit der FinTech Group übereingekommen, von der geplanten Gründung und Kapitalisierung eines Joint Ventures Abstand zu nehmen. Details dazu möchte ich nicht preisgeben, fest steht jedoch, dass wir weiterhin das Ziel verfolgen, Finanzdienstleistungen über unser Filialnetz anzubieten.

Bleiben wir beim Thema Beteiligungen. Gut über ein Jahr nach Beteiligungen an ACL und adverserve. Mit diesen sollte das Leistungsportfolio der Post in den Bereichen IT und Logistiklösungen aufgestockt werden. Welche Services wurden mit den Kompetenzen dieser Partner umgesetzt? Und was kann man hier noch erwarten?
Die Österreichische Post hat mit dem Zukauf der Plattform Aktionsfinder oder dem Aufbau des Fachbereiches Digital Advertising Services bereits vor einiger Zeit erfolgreiche Schritte im digitalen Werben gemacht. Langfristiges Ziel ist es, sich als relevanter Player für Digitales Werben in Österreich zu etablieren. Technologie- und datengetriebenes Marketing wird den Werbealltag weiterhin massiv verändern, gemeinsam mit adverserve wollen wir diese fortschreitende Entwicklung fördern und aktiv mitgestalten. Mit ACL können wir nun ein vollständiges Leistungsportfolio im Bereich eFulfillment abdecken. Die ACL setzt für unsere Kunden unter anderem Crosschannel-Lösungen um, welche den stationären Handel optimal mit Online-Services verzahnen. Gemeinsam möchten wir als Komplettanbieter auftreten und Unternehmen dabei unterstützen, Kunden an allen Touchpoints ein reibungsloses Einkaufserlebnis zu bieten.

Um den Online Marktplatz shöpping.at ist es ruhig geworden, wie geht es der Plattform und dem weiteren Ausbau des Produktsortiments? Wie sehen die Pläne/Ziele für 2019 aus?
In den letzten Monaten hat sich viel getan. Wir haben mit shöpping.at einen Marktplatz mit unterschiedlichsten Funktionalitäten aufgebaut, den bereits viele österreichische Händler erfolgreich als Vertriebskanal nutzen. Mit neuen Themen- und Erlebniswelten wurde das Leistungsspektrum für Kunden zusätzlich attraktiviert. Wir konnten mit unserer Imagekampagne in den letzten Wochen die Aufmerksamkeit weiter erhöhen – bei potenziellen Händlern, aber natürlich auch bei den Kunden. Mittlerweile haben wir 1.000 Händler unter Vertrag, mit über 2 Millionen Produkten im Angebot. Das breite Portfolio haben wir sehr positiv in den Umsätzen zur Weihnachtszeit gespürt. In den kommenden Monaten liegt der Fokus darauf, das hohe Umsatzwachstum und die Steigerung der Kunden- und Händleranzahl der letzten Monate noch weiter zu erhöhen.

Welche Themen werden 2019, bis ins Jahr 2020 für die Division Paket eine tragende Rolle spielen und wie fließen diese Ziele in die Gesamtstrategie der Post ein?
Die Erweiterung unserer Kapazitäten wird einer der wichtigsten Punkte in den nächsten Jahren sein. Dazu kommt heuer die Ausrollung neuer Endgeräte in der Zustellung. Damit wird das System der Briefzustellung mit jenem der Paketlogistik zusammengeführt und die „Time to Market“ für zukünftige Entwicklungen auf der letzten Meile verkürzt. Gleichzeitig werden wir aber auch unsere bestehenden Services erweitern und neue Produkte auf den Markt bringen. So wird zukünftig unter anderem das Abholservice via App verfügbar sein, der Launch von AllesPost wird uns ab März beschäftigen. Damit platziert die Post wieder ein Service, dass die Branche in der Form noch nicht gesehen hat.