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Crowdfunding: Was funktioniert? Wie geht es richtig?

Crowdfunding derzeit in aller Munde. Nicht nur das Geld ist dabei ein Faktor. Grafik: tyclipso.me / startnext.de 2011 / CC BY-ND 3.0

Interview mit Crowdfunding Experten Wolfgang Gumpelmaier.

Das Thema Crowdfunding wird immer populärer. Geschichten von Highflyern wie Pebble Smartwatch mit einem Ziel von $100.000 Dollar Funding, die dann mehr als $10 Millionen bekommen haben, heizen die Stimmung an, machen aber gleichzeitig auch etwas misstrauisch. Was braucht es also wirklich, um mit Crowdfunding erfolgreich zu sein. Wofür ist dieses Finanzierungsmodell geeignet und was muss man beachten? 

Um diesen Fragen nachzugehen habe ich mir Wolfgang Gumpelmaier ans Telefon geholt. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem Thema und ist als Kommunikationsberater und Vortragender im Bereich "Neue Medien" mit Fokus auf Film und Crowdfunding tätig. 

Hier seine Antworten auf meine brennendsten Fragen:

Michael: Crowdfunding ist seit einigen Jahren in den USA, jetzt aber auch in unseren Breiten in aller Munde. Kickstarter denkt laut darüber nach, nach Europa zu expandieren. Wie siehst du die Entwicklung im deutschsprachigen Raum im internationalen Vergleich?

 

Wolfgang: Nicht nur Kickstarter denkt darüber nach, auch IndieGoGo und andere Plattformen erkennen immer mehr Potenziale in Europa. Und das obwohl es mittlerweile in vielen europäischen Ländern eigene Crowdfunding-Plattformen gibt. Die US-Plattformen sind den deutschsprachigen Plattformen nur um den Faktor "Erfahrung" voraus, aber die hiesigen Portale haben in den letzten Monaten stark zugelegt. Sowohl hinsichtlich der Entwicklung von neuen Funktionen, als auch bei der Anzahl der (abgeschlossenen) Projekte. Laut Prognosen des Instituts für Kommunikation in Sozialen Medien (kurz ikosom) wachsen die Plattformen vierteljährlich um 100%.Das Thema selbst erlebt momentan zumindest in gewissen Kreisen einen wahren Höhenflug, allerdings mangelt es leider oft an qualifizierter Auseinandersetzung mit Crowdfunding und all seinen Spielarten sowie an massenwirksamen Vorzeigeprojekten. 

 

Michael: Die Zahl der Plattformen, die man für sein Projekt nutzen kann, ist ziemlich groß. Welche Sites empfiehlst du für welche Anwendungsbereiche?

 

Wolfgang: Eine Empfehlung einer konkreten Plattform möchte ich aus Gründen der Seriosität nicht abgeben. Tatsächlich gehen fast täglich neue Plattformen online, aktuell vorrangig aus dem Bereich Start-Up-Funding. In diversen Kanälen, etwa der Crowdfunding-Gruppe auf Facebook oder im Crowdfunding-Newsletter, versuche ich mit meinen ikosom-Kollegen und anderen Beobachtern diese festzuhalten und zu diskutieren. Bevor man sich für eine Plattform entscheidet, sollte man sich die Frage stellen, welche Voraussetzungen eine Plattform erfüllen muss, um die Bedürfnisse des Projekts und der Unterstützer möglichst optimal erfüllen zu können. Das fängt bei den Zahlungsmethoden an, geht über die Plattform-Provisionen und das Unterstützer-Management, die inhaltliche Ausrichtung der Plattform (Nische vs. allgemeine Projekte) bis hin zu Features wie Mehrsprachigkeit oder Sonderfunktionen. Eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen deutschsprachigen Plattform hat etwa Marie Ebenhan im Rahmen ihrer aktuellen Studie "Crowdfunding im Film – Alternative Finanzierungsmöglichkeiten bei Deutschen Filmproduktionen"  gemacht.  

 

Michael: Einfach sein Projekt online stellen und hoffen, dass es sich von selbst finanziert, ist sicher keine Erfolg versprechende Strategie. Was sind deiner Erfahrung nach die Erfolgskriterien für ein gelungenes Funding? Welche Regeln sind zu beachten?

 

Wolfgang: Planung, Engagement, transparente Kommunikation und Social Media Kompetenz sind hier sicherlich wesentlich. Wichtig ist, dass sich die Projektinhaber vor dem Kampagnenstart Gedanken darüber machen, wie sie während des Crowdfundings möglichst viele Personen erreichen. Dazu ist es notwenig im Vorfeld zu recherchieren und zu planen, eventuell im kleinen Kreis "vorzufühlen", sich Freunde oder Kollegen ins Team zu holen und möglichst viel vorzubereiten. Manche Projektinhaber sprechen von einem 24/7 Job, mit der richtigen Planung und dem kompetenten Umgang mit Online-Kommunikationstools wie Facebook, Twitter oder Blogs lässt sich aber viel Zeit sparen bzw. wertvolle Zeit sinnvoll nutzen. Wer sich aber erst und nur wegen des Crowdfundings mit Sozialen Medien auseinander setzt, wird es schwer haben. 

 

Michael: Du beschäftigst dich schon seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema Crowdfunding. Kannst du uns einige Beispiele nennen, die du besonders gelungen findest? Was machen diese Herrschaften richtig?

 

Wolfgang: Mein Spezialgebiet ist ja Crowdfunding im Film und gerade in diesem Bereich gibt es viele gute Beispiele. Iron Sky wird in diesem Zusammenhang immer wieder genannt und das Projekt war sicher wegweisend, weil das Team erkannt hat, dass im Filmbereich ein Umdenken stattfinden muss. Im Vorwort zur oben genannten Studie habe ich es so formuliert: “Immer mehr Akteure im Filmbusiness begreifen Crowdfunding als Teil eines Paradigmenwechsels, der sich mit Hilfe neuer Medien und Kommunikationskanäle in den Bereichen Produktion, Marketing, Finanzierung und Vertrieb von Filmen vollzieht. Crowdfunding ist nicht nur reines Finanzierungsinstrument, sondern ermöglicht vor allem auch den Aufbau einer Community und dient der nachhaltigen Kommunikation mit den Fans.” Auch Hanna Sköld mit ihrem Projekt "Granny's Dancing on the Table" hat das verstanden, ebenso wie Gregor Schmidinger, dessen Kurzfilm "Homophobia" über Crowdfunding finanziert wurde und seit der Fertigstellung online zu sehen ist. 

 

Michael: Was hast du aktuell bei dir am Radar? Womit beschäftigst du dich aktuell?

 

Wolfgang: Immer häufiger kommen Anfragen in Richtung Crowdfunding-Beratung, daher entwickle ich momentan verschiedene Crowdfunding-Service-Pakete und halte auch regelmäßig Vorträge zum Thema. Abgesehen davon beobachte ich natürlich verschiedenste Projekte, unter anderem die Kampagne zu "Sierra Zulu" von monochrom oder das Projekt "foodsharing", einer Internet-Plattform zur Weiterverwendung von überschüssigen Lebensmitteln. Außerdem berate ich einen Musiker-Kollegen aus Deutschland, dessen Crowdfunding-Kampagne demnächst starten soll.

 

Waren diese Antworten hilfreich für euch? Wurde ein Thema nicht behandelt, das euch interessiert? Lasst es mich in den Kommentaren wissen. Auch Wolfgang steht euch für Anfragen zur Verfügung. Wer regelmäßige Insider Updates aus der Szene schätzt, findet sicherlich auch seinen Newsletter interessant.

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