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comms.breakfast: Warum Ängste und Negativemotionen die Medienwelt regieren

Thomas Seifert (stellvertretender Chefredakteur Wiener Zeitung), Doris Passler (Director Public Sector Grayling, Moderation comms.breakfast), Günther Ogris (Managing Partner und Scientific Director SORA), Sigrid Krupica (CEO Grayling) und Johannes Kopf (Vorstand AMS Österreich).
© Grayling/Frank Helmrich

Beim comms.breakfast der Kommunikationsagentur Grayling wurde zum Thema "'Gefühlte Wahrheiten' - Kommunikation zwischen Furcht und Optimismus" debattiert.

Ängste und Negativemotionen regieren die Medienwelt. Daraus entstehen "Gefühlte Wahrheiten", die den Blick auf faktenbasierte Argumente und ein hoffungsvolles Weltbild versperren. Wie verändert das den öffentlichen Diskurs? Welche Rolle spielt die Sprache dabei? Und wie können Medien und Kommunikatoren in Zeiten des Populismus Zuversicht, Optimismus und Mut zu positiven Veränderungen erzeugen? Diese Fragen diskutierten Günther Ogris (SORA), Johannes Kopf (AMS Österreich) und Thomas Seifert (Wiener Zeitung) beim comms.breakfast der Kommunikationsagentur Grayling.

Einfluss von Sprache

Komplexe Themen wie Arbeitsmarkt, Migration, Klimaschutz oder Sicherheit werden heute im öffentlichen Diskurs stark vereinfacht dargestellt und emotional aufgeladen. Eine Erklärung, warum das so ist, liefert die Gehirnforschung: "Wenn wir kommunizieren, sind immer Sprache und Emotion im Spiel. Vernunft und Argumente alleine sind zum Scheitern verurteilt. Durch Sprache öffnen wir in unserem Gehirn unbewusst Schubladen. Sind diese allerdings mit Angst verknüpft, verengt das unseren Fokus und wir reagieren mit Erstarrung, Kampf oder Flucht. Angst ist ein sehr starker Frame beziehungsweise gedanklicher Deutungsrahmen, der unbewusst unser Denken und Handeln wesentlich stärker beeinflusst, als die jeweilige Faktenlage", erklärt Günther Ogris, Managing Partner und Scientific Director SORA.

Transparenz am Arbeitsmarkt

Laut AMS-Vorstand Johannes Kopf sei das AMS häufig damit konfrontiert, dass Fakten in Medien verdreht oder verkürzt dargestellt werden. Trotzdem gelte das AMS als eine der glaubwürdigsten öffentlichen Organisationen. Vor allem auch deshalb, weil Zahlen und Fakten aktiv zur Verfügung gestellt würden. "Wir haben hier vor Jahren eine Richtungsentscheidung getroffen und setzen voll und ganz auf Transparenz", so Kopf. "Wir geben jede Zahl an jeden Journalisten, der fragt. Jede Studie wird veröffentlicht, jedes Ergebnis bekanntgegeben - auch wenn es uns manchmal unangenehm ist. Als Vorstand des AMS nutze ich dafür auch aktiv Facebook oder Twitter. Denn die Arbeitsmarktzahlen sind kein Geheimnis. Das hat eindeutig einen positiven Effekt und die Zeit, die es braucht, ist gut investiert", sagt Kopf.

Medien und Social Media

Eine Erklärung für die Negativspirale in Medien hat auch Thomas Seifert, stellvertretender Chefredakteur der Wiener Zeitung: "Reflektierte Meinungen und ausgewogene Artikel lösen im Vergleich zu Negativschlagzeilen kaum einen Lese- oder Kaufreflex aus. Es wäre aber höchst an der Zeit, dass Journalisten bei ihren Lesern mehr Empathie erzeugen, statt Hass und Angst zu schüren. Denn die Menschen sind 'wired for story'. Und wenn jemand eine Lüge gut erzählt und die Wahrheit schlecht, dann braucht die Wahrheit einfach eine bessere Geschichte. Journalisten müssen darum neue Erzählmethoden entwickeln. Lernen könnten sie von der Dramaturgie aus dem Filmbusiness."

Zu lange unterschätzt wurde laut Seifert auch die Dynamik von Social Media, wo Hemmschwellen gefallen sind und Angst sowie Hass mittlerweile enorme Reichweiten erzielen. "Social Media sollten dem Mediengesetz unterliegen, weil sie wie Medien funktionieren. In der aktuellen Situation ist es sehr schwierig, gegen Übergriffe in diesen Kanälen gerichtlich vorzugehen", so Seifert. Dazu käme das Problem von sogenannten Echoräumen, die andere Meinungen und Pluralität nicht mehr sichtbar machen würden. "Echoräume existieren aber auch im Alltag. Wir wissen aus der Sozialforschung, dass beispielsweise junge Akademiker kaum mit gleichaltrigen Nicht-Akademikern in Berührung kommen. Das wäre aber notwendig", erklärt Ogris.

Mit dem comms.breakfast bietet die Kommunikationsagentur Grayling in regelmäßigen Abständen ein Forum für aktuelle Themen aus dem Medien- und Kommunikationsalltag.

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