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Case Studies zur Bedeutung der Innovation

v.l.n.r.: Antonia Frisberg (Pioneers Discover), Birgit Unger (Mediaprint) und Franziskos Kyriakopoulos (7Lytix).
© Markus Wache

Dass es sich bei allem Facettenreichtum an Innovationen so verhält, wie es weiland der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl ausdrückte, wurde anhand dreier Case Studies zum Thema „Schwerpunkt Innovation“ am zweiten Tag der Österreichischen Medientage 2019 deutlich: Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

„Innovationen muss man Raum und Zeit geben und sollte man nicht allein an EBIT und KPIs festmachen“, lautete die Quintessenz von Daniel Horak vom Crowdfunding Unternehmen Conda am Ende einer „Lehrstunde“ in Sachen Innovation. Auch für Birgit Unger von der Mediaprint besagt der Begriff „Innovation“ allein noch nichts. Vielmehr sei positive Definition und positive Umsetzung durch das Management für ein Unternehmen bedeutsam: „Eine Innovation ist erst dann gut, wenn sie wirklich etwas Neues bewegt und nicht etwas Bestehendes fortsetzt.“

Big Data und Bad Data

Am Anfang der Trilogie stand das Thema „Medien: Auf in die intelligente Zukunft“, bei dem Antonia Frizberg (Pioneers Discover) Birgit Unger (Mediaprint) und Franziskos Kyriakopoulos auf dem Podiumstanden, bei dem neuronale Netzwerke im Vordergrund standen. Frizberg wagte zunächst einen Blick in die Vergangenheit, um zu demonstrieren, wie sich die Halbwertszeit des Wissens in Unternehmen verändert hat. Während sie 1960 noch 59 Jahre betrug, wird sie im Jahre 2026 auf 14 Jahre schmelzen. Im folgenden skizzierte Frizberg die Kollaboration mit Start-ups. Hierbei machte sie drei Punkte geltend: die Status-quo-Analyse, eine Use-Case-Definition und drittens die Prozessvereinfachung. Am Beispiel Mediaprint verdeutlichte sie die Kollaboration mit dem Start-up 7Lytix. Dieses Start-up war aus insgesamt 82 Bewerbern als Sieger hervorgegangen, um bei Mediaprint aus Big Data Smart Data zu machen. Mit Hilfe von KI strukturierte das junge Unternehmen die bei Mediaprint vorgefundenen Daten (Kyriakopoulos: „Bad Data, keine Big Data“) zur einer Absatzprognose, einer Abwanderungsprognose und personalisierten Handlungen.

Mathias Fanschek (isobar Werbeagentur)

In der nächsten Case Study widmete sich Mathias Fanschek von der Werbeagentur isobar den neuen "Marketing-Superkräften". Sein Credo in einer lautmalerischen Welt lautet, den Menschen so nahe zu kommen, um ihnen etwas ins Ohr flüstern zu können. Dazu sei wirkliches Omnichannel-Marketing wichtig. Marketing müsse immer „Audience first“ denken. Hierbei müsse im Rahmen einer Attributionsmodullierung eine Verbindung zwischen Marketing, Sales und Service hergestellt werden, um die Customer Journey holistisch und im Detail zu beleichten. Die heute vielfach zitierten Superkräfte des Marketings seien so neu gar nicht. Ohne Branding gehe gar nichts mehr, so Fanschek. Kreativität sei enorm wichtig und neue Technologien unterstützten und ermöglichten erst eine andere Form von Kreativität.

Österreich hinkt hinterher

Die Macht der Crowd stand im Fokus von Daniel Horaks Case Study. Horak, einer der Gründer des vor sieben Jahren gegründeten Crowdfunding-Unternehmens Conda, machte Crowd Funding anhand von Beispielen anschaulich. So verwies er auf die Freiheitsstatue in New York als erstem Crowdfunding-Objekt. Dort habe man für den Sockel der Statue erstmals das Crowdfunding praktiziert, wahlweise um einen oder fünf Dollar. Durch das Internet ergäben sich heute ganz andere Dimensionen.

Daniel Horak (Conda)

So habe der SK Rapid für die Finanzierung seiner neuen Arena drei Millionen Euro unter anderem auch über Crowdfunding generiert, erinnerte Horak. Als letztes Beispiel nannte er die Online-Zeitung "Die Republik", die in der Schweiz aus einer Kombination von Crowdfunding und Investing realisiert wurde. Auch in Österreich herrsche im Crowdfunding große Dynamik, so Horak. Während 2013 noch 0,7 Millionen Euro eingenommen wurden, waren es 2017 bereits stolze 33 Millionen Euro. Im internationalen Vergleich hinke Österreich allerdings hinterher. Über 80 Prozent des Crowdfunding-Volumens würden heute in England generiert. Und der gesamte europäische Markt betrage etwa nur ein Zehntel des Marktes in Asien und Nordamerika.