Horizont Newsletter

Blockchain: Die Branche im Zwiespalt

© Adobe Stock/enzozo

Während manche Medienhäuser und Agenturen in der neuen Technologie viel Potenzial sehen, geben sich andere noch zurückhaltend.

Diese Coverstory ist zuerst in Ausgabe Nr. 4/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Von der Hacker- über die Finanz- bis hin zur Medien- Community: War die Blockchain zu Beginn noch das Liebkind experimentierfreudiger Technikfreunde, so dominierte in den vergangenen Monaten vor allem der Kurs der Kryptowährung Bitcoin die Schlagzeilen der Finanzberichterstattung. Und nun entdecken zunehmend Verlage und deren Geschäftspartner das Thema Blockchain für sich.

So gründete das Verlagshaus Hubert Burda Media zu Jahresanfang in Berlin das Start-up Bot Labs, welches auf Basis der Blockchain- Technologie konkrete Lösungen für Unternehmen und Wege zur Integration derselben in das Alltagsgeschäft entwickeln soll. Mit dem Aufsprung auf den neuen Zug geht es unter anderem darum, Machtverhältnisse in der digitalen Wirtschaft aufzubrechen und neu zu definieren: „Blockchain hat das Potenzial, die Nachfolge des http-Protokolls im World Wide Web anzutreten und damit das heute von wenigen Megakonzernen beherrschte Internet wieder zurückzuführen zu seinem höchst demokratischen Gründungsmythos,“ heißt es etwa von Burda-Vorstand Philipp Welte.

Allein ist der Verlag in dem Rennen um die beste Kette jedoch schon längst nicht mehr. Auch eine Gruppe aus Welt der Wunder TV, Swisscom und SwissTXT – der Technik-Tochter des Schweizer Fernsehens – hatte Mitte November eine Lösung für den Medienlizenz-Handel angekündigt. Die Plattform soll vor allem im TV-Geschäft einen einfacheren Austausch zwischen Content-Anbietern und Content-Käufern ermöglichen; über auf der Blockchain geschlossene „Smart Contracts“ soll die Abhängigkeit von Mittelmännern in diesem Markt reduziert werden. Basis dafür soll die Kryptowährung „MILC“ sein, welche die Initiatoren eigens für diesen Zweck erschaffen. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Foto-Pionier Kodak, der über die Blockchain das Lizenzieren und Bezahlen von Fotorechten abwickeln will. Die ursprünglich für den 31.1. Ausgabe der "KodakCoin" ist jedoch kurzfristig doch wieder verschoben worden.

Potenzial für Medienunternehmen sieht aber auch das Beratungsunternehmen Deloitte, welches ein entsprechendes Whitepaper veröffentlicht hat, in dem verschiedene Anwendungsszenarien skizziert werden.

Erste Berührungspunkte

Doch wie hält man es in Österreich mit dem Hype um die neue Technologie? Relativ knapp fällt die Antwort des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) aus: „Sofern man den einschlägigen Prognosen Glauben schenken darf, wird die Blockchain- Technologie Auswirkungen auf sämtliche Wirtschaftsbereiche haben“, heißt es von VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger: „Im Medienbereich könnten etwa Bezahlungsmethoden, Werbebuchung und Rechteverwaltung auf neue Beine gestellt werden.“ Der VÖZ werde sich daher in seiner nächsten Klausur eingehend mit dieser Thematik beschäftigen.

IAA-Präsident Walter Zinggl betont indes, dass er keine Marketingabteilung eines Auftraggebers oder einer Agentur kenne, die bereits mit Blockchain-Technologie arbeitet. Sein einziger Berührungspunkt damit sei, dass im Rahmen der EU-Datenschutz- Grundverordnung Modelle entstehen, die zumindest entfernt an eine Blockchain-Technologie erinnern – etwa, wenn die Zustimmung der User zu Datenspeicherung und -verwaltung abgewickelt wird. Ansonsten gebe es derzeit andere Themen, die mehr die Chance hätten, die Branche zu revolutionieren: Selbstlernende Systeme, programmatische Systeme und Agentur-Typologien nennt Zinggl hier beispielhaft. Mehr Potenzial als bei der IAA sieht man hingegen beim iab.

Klicken Sie auf "Weiterlesen", um Teil 2 des Artikels zu lesen.

Das könnte Sie auch interessieren