Horizont Newsletter

“Automated Content” bei der APA: Erfolgreiche Fütterung

Bei der APA schreibt künftig auch ein Algorithmus Meldungen.
© APA (2)

Bei der Nationalratswahl spielte die APA erstmals „Automated Content“ im Echtzeitbetrieb aus. Mit den Ergebnissen zeigt man sich sehr zufrieden.

Die Erleichterung ist Katharina Schell, Mitglied der Chefredaktion bei der Austria Presse Agentur (APA), anzuhören: Nach einem Testlauf zur EU-Wahl verschickte die Nachrichtenagentur bei der Nationalratswahl erstmals „Automated Content”. Wahlergebnisse von mehr als 2.000 heimischen Gemeinden wurden in automatisiert erstellten Kurzberichten veröffentlicht. Zuvor wurden diese Daten nur in Tabellenform ausgeliefert. Mit den Ergebnissen zeigt man sich bei der APA hoch zufrieden. „Es hat sehr gut funktioniert”, sagt Schell im Gespräch mit HORIZONT am Tag danach. 

Lückentext

Hinter dem Begriff „Automated Content“ steckt ein Algorithmus, der von einem kleinen Team von  APA-Mitarbeitern „gefüttert” wurde. „Der Algorithmus ist in Wahrheit ein sehr komplexer Lückentext, der auf Daten basiert”, erklärt Schell.  Das klingt einfacher als es ist. Es mussten möglichst viele unterschiedliche Szenarien und Fälle bei der Wahl berücksichtigt werden. „Zum Beispiel, dass in einer Gemeinde gleich auf zwei Plätzen Gleichstände sind oder, dass in einer Gemeinde der Abstand von Platz eins auf Platz zwei besonders groß oder sehr klein ist.“ Der Anspruch Schells war auch, dass das ganze nicht wie ein Lückentext klingt. Daher wurden zahlreiche Textvarianten vorproduziert. „Es gibt zwar niemanden, der sich diese 2.200 Texte in einer Wurst durchlesen würde, aber selbst, wenn man mehrere hintereinander liest, hat man nicht das Gefühl, dass man immer wieder den gleichen Text liest. Da haben wir sehr viel Arbeit reingesteckt“, sagt Schell. 

Katharina Schell, Mitglied der APA-Chefredaktion, hat mit zwei weiteren Kollegen die Weiterentwicklung von "Automated Content" bei der Nachrichtenagentur vorangetrieben.

Neben Kurier, Österreich und Kleine Zeitung haben auch regionale Medien auf den “Automated Content” zurückgegriffen. “Das ist ja auch das Nette, dass man da sehr auf die Kundenwünsche zugeschnitten den Content ausspielen kann”, sagt Schell

Sport und Finanzberichterstattung

Mit den Wahlen am Sonntag ist aber noch nicht Schluss. Eine Ausweitung des „Automated Content” auf andere Bereiche ist angedacht. „Themen, die immer genannt werden  sind Bereiche, in denen schon viele strukturierte Daten vorhanden sind. Da liegt  Sport oder auch Finanzberichterstattung auf der Hand”, sagt Schell. Ein derartiges Produkt stehe und falle mit der Verfügbarkeit von validen Daten. Im Sportbereich gäbe es laut Schell bereits konkretes Interesse: “Das werden wir uns zu Jahresende eventuell näher anschauen und uns überlegen, was man da machen könnte.”

APA-Redakteure müssen derzeit nicht fürchten, dass sie durch einen Algorithmus ersetzt werden. Welche Summen investiert wurden, will Schell zwar nicht verraten, nur so viel: „Es braucht sich niemand der Phantasie hingeben, dass man sich damit irgendetwas sparen kann. Es ist Mehraufwand, aber es ist auch mehr Content. Ein zusätzliches Produkt also.”

Hoppala in Vorarlberg

Ein kleines Hoppala gab es am Sonntag dennoch: „Was wir nicht bedacht haben, ist, dass es in Vorarlberg einen Ort Namens Sonntag gibt. Da hat die Maschine geglaubt, es handelt sich nicht um einen Ort und Eigennamen, sondern um den Sonntag.“ Der Fehler wurde – rechtzeitig vor der Vorarlberger Landtagswahl am 13. Oktober, bei der ebenfalls “Automated Content zum Einsatz kommt – behoben.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 40/2019 des HORIZONT. Noch kein Abo? Hier klicken.

Das könnte Sie auch interessieren