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Arrow Films: Filme für das Bauchgefühl

Von der Volksschule zur Filmfirma: Gernot Böhm und Anna Zemann.
© Bengt Stiller

Mit ihrer Filmproduktionsfirma Arrow Films erfüllten sich Gernot Böhm und Anna Zemann ihren Traum. Im Gespräch mit HORIZONT verraten sie, worauf es im Business ankommt und was bei Markenfilmen zählt.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 24/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Es gibt Kinder, die finden in der Volksschule Freunde fürs Leben. Und es gibt solche, die sich zwar aus den Augen verlieren, aber rund zwei Jahrzehnte später eine Filmproduktionsfirma gründen. Anna Zemann und Gernot Böhm wagten vor drei Jahren mit Arrow Films in Wien den Sprung in die Selbständigkeit und zählen Kunden wie Spar, Austrian Airlines, Ströck, Momo Kinderhospiz, Red Bull TV und Die Neue Volkspartei zu ihren Kunden. Für letzteren, konkret für den „Es ist Zeit“-Wahlkampfspot von Bundeskanzler Sebastian Kurz, heimsten die 32-Jährigen vor einigen Monaten in den USA den „Kampagnen-Oscar“ Reed Award für den besten europäischen TV-Werbespot ein.

Agenturerfahrung im Gepäck
Zueinandergefunden haben die ehemaligen Klassenkameraden über Facebook, schildert Böhm im Gespräch mit HORIZONT: „Wir haben immer mitverfolgt, was der andere gerade beruflich macht. Schließlich haben wir beschlossen, unsere Kräfte zu bündeln.“ Der erste gemeinsame Produktionstest war jedoch kein kleines Social-Media-Video, sondern gleich einmal ein Kinospot. „Wir haben einfach alles auf eine Karte gesetzt, weil Filme unsere Leidenschaft sind“, blickt Zemann zurück. Dazu rät Böhm auch allen anderen, „die Filme wirklich machen wollen. Man sollte allerdings nicht blauäugig an die Sache herangehen. Es ist ein langer Weg, bis man ein gewisses Standing in der Branche erlangt.“ Ausbildungsmöglichkeiten für Interessierte gebe es unter anderem mit der Universität für angewandte Kunst Wien oder den FHs in St. Pölten, Salzburg oder Hagenberg genug. „Ob man eine Ausbildung an der Filmhochschule oder eine Lehre als Mediengestalter absolviert, ist unerheblich. Man braucht jemandem, dem man über die Schulter schauen kann.“

Böhm brachte einiges an Agenturerfahrung in die eigene Firma mit, so war er unter anderem bei Jung von Matt in Deutschland und seso tätig, „diese Agentur- und Kundenerfahrung war wichtig für mich als Unternehmer“. Zemann arbeitete davor circa sechs Jahre im Marketing für die ÖVP und war die erste Mitarbeiterin in Philipp Maderthaners Campaigning Bureau, welches unter anderem die Kampagne von Sebastian Kurz verantwortete.

Es geht auch ohne Helikopter
Böhm und Zemann bestehen darauf, von Drehbuch über Aufnahme bis Schnitt alles selbst zu machen. Zwar arbeiten sie mit einem freien Mitarbeiter zusammen, „aber wir machen jeden Dreh selbst und mit vollem Einsatz“, so Böhm. Man wolle sich nun nicht mit Mitarbeitern „aufblähen. Die persönliche Zusammenarbeit beim Filmdreh zeichnet uns auch aus. Wir wollen die Menschen, mit denen wir einen Film machen, kennenlernen. Bestenfalls vergessen sie, dass überhaupt eine Kamera dabei ist“, schildert Böhm. „Für einen guten Imagefilm braucht man nicht unbedingt einen Helikopter für die Kamera“, ergänzt Zemann: „Es geht um Emotion und Ästhetik.“ Diese Emotion wollen sie für die unterschiedlichsten Kunden vor allem in Imagefilmen zum Ausdruck bringen, welche laut Zemann hierzulande im Gegensatz zu kurzlebigen Verkaufsspots vernachlässigt werden.

Die Geschichte hinter dem Produkt
Arrow Films gehe es darum, die Geschichte hinter einer Marke oder einem Produkt zu erzählen und das Warum zu begründen: „Dass man beispielsweise ein vegetarisches Produkt verkauft, ist toll. Aber damit ein Film funktioniert, geht es nicht nur um das Was, sondern viel mehr ums Warum.“ Man müsse sich nur selbst als Konsument beobachten, was einen an einem Unternehmen interessiert. Zemann und Böhm raten daher dazu, längerfristig in Filmcontent zu investieren, zum Beispiel durch eine Serie aus mehreren kleinen Dokus. Klar, die Budgetfrage gibt es, und es brauche Mut und Disziplin, das durchzuziehen. „Es könnten sich zum Beispiel drei Bäcker zusammenschließen und erzählen, warum Kohlenhydrate nicht immer unbedingt schlecht sind, oder Kooperationen mit TV-Partnern schließen. Doch das macht noch keiner“, skizziert Zemann. Das Bauchgefühl gegenüber einer Marke sei für den Konsumenten schließlich entscheidend. Die Branche rede meist von Content, „produziert letzten Endes aber oft nur Entertainment in billigen Formaten“. Dem wollen die beiden in Zukunft gegensteuern. Zwar nicht unbedingt mit Helikopter, aber mit Zwischenmenschlichkeit. •

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