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"An immer Neues gewöhnt": Das Medienland der aufgehenden Sonne

Clemens Machal (Regionalmanager für die Region Asien-Ozeanien WKO), Shousong Jiao (Korrespondent der Tageszeitung Guangming Daily) und Karl Krainer (Gründer und Chief Thinker von Gedankenfabrik), v.l.
© Markus Wache

Der Medien- und Digitalmarkt China ist speziell, schnell und in vielen Bereichen scheint er dem Rest der Welt (bald) überlegen. Was Europa und Österreich von China lernen können, welche Herausforderungen bestehen, will man im chinesischen Markt Fuß fassen, und wie rasant die Medienlandschaft Fahrt aufnehmen wird, diskutierten drei Experten bei den Österreichischen Medientagen 2019.

Die digitale Transformation ohne China scheint undenkbar, wirft man einen Blick in den Fernen Osten - meint auch Karl Krainer, Gründer und Chief Thinker der Strategie- und Transformationsberatung Gedankenfabrik. Während die USA auf Disruption und „kill the old“ pochen, schreie China nach dem Neuen – während Europa sich nicht nur geographisch irgendwo dazwischen befinde - und von China lernen sollte.

China zeichnet sich Krainer zufolge stark durch seine eigenen Tech-Riesen wie Alibaba, Tencent, Baidu und Co aus, nicht zuletzt durch die regulatorisch bedingte Nicht-Existenz von Google, Facebook und WhatsApp. 87 Prozent der Chinesen würden Baidu als Search-Quelle nutzen, was mangels Alternativen allerdings nicht weiter verwundern dürfte. Seit dem Modernisierungsstart Chinas vor 40 Jahren sei die Bevölkerung daran gewöhnt, Neues geboten zu bekommen. Heute bedeute Mobile für sie die Welt. Was bei uns noch diskutiert wird, sei dort schon üblich; etwa Supermärkte, in die man per Gesichtserkennung ein- und auscheckt (und dabei natürlich wieder überwacht wird). „Es geht immer um Daten“, skizzierte Krainer. Und diese würden verknüpft, wo es geht: Retail mit Entertainment, Online mit Offline, und so weiter.

"Investitionen sind teuer. Und Chinas Medienindustrie ist schnell"

Hoffnung auf den Hoffnungsmarkt China machte heimischen Unternehmen anschließend Clemens Machal, Regionalmanager für die Region Asien-Ozeanien bei der WKO. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern liefen gut, tausend österreichische Unternehmen hätten bereits Niederlassungen in China. Allerdings: Der Wettbewerb sei groß, die Arbeitskosten seien hoch und die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern schwer.

Der Medienmarkt indes überholt laut Machal bereits die USA. Größter digitaler Markt sei er ja schon. In den kommenden fünf Jahren solle Chinas Medienbranche um 7,5 Prozent zulegen, die der USA nur um 2,5 Prozent. Somit wachse man im Vergleich drei Mal so schnell. Auch der Magazinmarkt soll bis 2020 ansteigen.

„Die junge Bevölkerung macht über ein Drittel der Medienkonsumenten aus, sie ist sehr tech-savvy“, führte Machal aus. Und Content sei bei dieser King, derzeit insbesondere Short Video Content. Überdies sei die Bedeutung chinesischer Influencer im Verhältnis noch größer als in Europa. Jenen, die in Chinas Medienindustrie investieren wollen, riet Machal, Geld in die Hand zu nehmen, „Investitionen sind teuer. Und Chinas Medienindustrie ist schnell.“ 2020 soll der Entertainment- und Medienmarkt bei einem Volumen von 258 Milliarden US-Dollar liegen.

'Negative Berichterstattung über China'

Den wohl tiefsten eigenen Einblick in die chinesische Medienwelt brachte an diesem Tag Shousong Jiao als Österreich-Korrespondent des chinesischen Blattes Guangming Daily mit. Diese gliedere sich in traditionelle Medien einer- und neue Medien andererseits. Der wohl entscheidende Unterschied dürfte die Rolle der Zentralmedien sein, die so ziemlich allesamt von der kommunistischen Regierung gelenkt werden. Die Tageszeitung Guangming Daily etwa untersteht dem Ministerium für die Propaganda Chinas.

Auch Jiao verwies auf die Onlineaffinität Chinas. Es gebe 830 Milionen aktive Internet-User, davon hätten 817 Millionen ein Smartphone. „Da traditionelle Medien immer mehr Einfluss verlieren, disponiert die Regierung zunehmend eben auf die neuen Medien um“, schilderte Jiao.

In seiner Rolle als Korrespondent wiederum sei er bemüht, den chinesischen Lesern Österreich positiv näher zu bringen. Schließlich merkte er die „negative Berichterstattung in Österreich über China“ an, während „Positives wenig Beachtung findet“. So würden Mensa-Unterstützungen von Studenten zeigen, „dass China etwas für die Menschenrechte tut“.

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