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‚Am sinnvollsten wäre die simple Abschaffung‘

Josef Gruber, Geschäftsführer der Regionalzeitung Tips, ist Präsident des Verbands der Regionalmedien Österreichs – der Interessensvertretung der Regionalzeitungen.
© Regionalmedien Österreich/Tips

Josef Gruber, Präsident des Verbands der Regionalmedien Österreichs, über die wirtschaftliche Entwicklung der Branche, Glaubwürdigkeit von Printmedien, globale Konkurrenten und seine Sicht zur Werbeabgabe.

Dieses Interview ist zuerst in Ausgabe Nr. 46 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Horizont:Im letzten Interview mit dem HORIZONT haben Sie zusammengefasst gesagt, dass es den heimischen Regionalmedien eigentlich ganz gut geht. Ist das immer noch so?

Gruber: Ich kann nicht sagen, ob es allen gut geht, da ich die Zahlen der einzelnen Verlage nicht kenne. Aber im Branchendurchschnitt sieht alles recht erfreulich aus, wir verzeichnen ein leichtes Wachstum. Die Entwicklung ist durchwegs positiv, sowohl bei den Umsätzen als auch bei den Leserzahlen, wie die letzte Media-Analyse gezeigt hat. Beim Anzeigenvolumen haben wir ein Wachstum, das die Inflationsrate übersteigt. Wir sind zufrieden damit, wie wir uns am Markt bewegen.

Das klingt ein wenig nach „alles ist rosarot“?

Nein, es gibt durchaus auch Dinge, mit denen wir weniger zufrieden sind. Zum Beispiel mit der nach wie vor offenen Frage der Presseförderung. Oder mit der fehlenden Gleichbehandlung bei der Werbeabgabe zwischen uns und großen internationalen Playern wie Google und Konsorten. Da wäre die Politik sehr gefordert, etwas zu unternehmen.

Printmedien verlieren an Bedeutung, das Internet setzt ihnen schwer zu. Bei den Regionalmedien ist dieser Trend etwas weniger dramatisch, kann man das so sagen?

Unsere Mitglieder sind alle auch sehr stark im Online- und Social Media-Bereich engagiert, diese Bereiche beackern wir intensiv. Manchen Printmedien setzt das Thema Glaubwürdigkeit immer mehr zu. Die Überprüfbarkeit spielt den Regionalmedien sehr in die Hände. Denn Regionalmedien sind sogar extrem überprüfbar, weil sie über das ­schreiben, was direkt vor den Haustüren ihrer Leser passiert. Wir können uns da überhaupt nichts erlauben, das hätte sofort Konsequenzen. Daher ist Glaubwürdigkeit für uns kein Problem. Bei uns sehen die Leute, dass das, was wir schreiben, auch stimmt. Das ist bei überregionalen Medien vielleicht ein wenig anders.

Und das Glaubwürdigkeitsproblem, dass der Journalismus insgesamt hat, gilt für Sie überhaupt nicht?

Das gilt so für die Regionalmedien überhaupt nicht.

Die Leserschaft der Printmedien wird immer älter, weil die Jungen ihre Informationen von ganz woanders beziehen. Regionalmedien haben auch bei der Jugend aber immer noch überraschend hohe Leserzahlen. Tickt das Land da anders als die Städte?

Ich glaube nicht so sehr, dass die Divergenz zwischen Land und Stadt mit dem Alter der Leser zu tun hat, sondern vielmehr mit der Anonymität der Großstadt. Am Land wollen die Leute einfach wissen, was um sie herum passiert und das erfahren sie aus den Regionalmedien, unabhängig davon, wie alt sie sind. In den Städten ist das vielleicht ein wenig anders.

Das klingt eigentlich fast nach Paradies – Sie haben offensichtlich mit all den Widrigkeiten nicht zu kämpfen, die den Printmedien überregional zusetzen …

„Paradies“ ist ganz sicher übertrieben. Aber bei den Lesern sind wir tatsächlich erfolgreich unterwegs, da wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern. Der Kampf um die Werbegelder allerdings wird auch für uns immer intensiver. Da naschen inzwischen viele mit, die es in dieser Form vor zehn Jahren noch nicht gegeben hat. Und da herrscht teilweise leider auch keine Waffengleichheit.

Das bedeutet im Klartext?

Konzerne wie Google ziehen Werbegelder vom Markt ab, sind aber gleichzeitig weder mit der Abgabenflut konfrontiert, die es in Österreich gibt, noch mit diversen Auflagen. Da ist es dringend notwendig, dass die Politik etwas unternimmt.

Das wäre also ein Wunsch an die neue Bundesregierung, die es ja noch gar nicht gibt?

Unter dem Obertitel „Faire Bedingungen für alle“ verstehen wir einerseits eben diese Sache mit den ausländischen Unternehmen, die Werbegelder absaugen, aber keine Steuern und Abgaben zahlen. Andererseits aber auch, dass die Presseförderung dringend fair geregelt gehört.

Sie meinen, dass Gratismedien, und das sind Regionalmedien ja zumeist, derzeit keinen Anspruch auf Presseförderung haben?

Genau. Wir waren in bisherigen Verhandlungen mit den verschiedenen Regierungsmitgliedern schon mehrmals in einer Art Finalphase, in der es so ausgesehen hat, als würden unsere Wünsche endlich berücksichtigt. Das war etwa damals kurz vor dem Abgang des seinerzeitigen Bundeskanzlers Faymann so. Dann kam Kern, und alles begann neu. Und jetzt gerade ist das nach der Nationalratswahl wieder einmal so.

Mühsam und frustrierend?

So ist das halt. Jetzt müssen wir einmal sehen, wie die neue Regierung sich aufstellt, wer zuständig ist, und dann gehen wir das Ganze eben noch einmal an. Sicher, wir haben auf diese Weise in den vergangenen Jahren sehr viele leere Kilometer gemacht. Aber was ist die Alternative? Wir sind es unseren Mitgliedern schuldig, hier am Ball zu bleiben.

Sie werden also, wenn die neue Regierung einmal steht, rasch um einen Termin beim dann zuständigen Minister ansuchen?

Wir werden bei allen neuen Regierungsmitgliedern selbstverständlich rasch um einen Termin anklopfen.

Wirklich bei allen? Beim Verteidigungsminister zum Beispiel auch?

Natürlich. Mit Doskozil hatten wir in den vergangenen Monaten einen sehr positiven Kontakt. Unsere Mitglieder schreiben ja auch über die verschiedensten Thematiken aus allen Ministerien, da sind Kontakte zum jeweiligen Ressortchef natürlich Bestandteil unserer Arbeit als Vertretung der Regionalmedien. Wir gehen zu Politikern ja nicht nur hin und sagen, was wir gerne hätten, sondern wir sprechen über eine Fülle von Themen in verschiedenen Zusammenhängen.

Bis wann wollen Sie Dinge wie Presseförderung oder Anzeigenabgabe neu geregelt haben?

Unser Wunsch ist, dass das möglichst zügig über die Bühne geht. Aber wir sind ja nur die, die Situationen aufzeigen, die Umsetzung liegt woanders. Also können wir von unserer Seite schwer Zeitpläne festlegen.

Bei der Werbeabgabe wollen Sie wahrscheinlich einfach die ersatzlose Streichung, oder?

Richtig. Es kann einfach nicht sein, dass wir in Österreich mit einer Regelung leben müssen, die es in allen anderen Ländern rundherum nicht gibt.

Und in Sachen Gleichbehandlung mit internationalen Konzernen?

Da gab es ja durchaus schon Vorschläge aus der Politik. Wenn die Werbeabgabe schon bleiben sollte, dann sollen ausländische Unternehmen eben auch entsprechend zur Kasse gebeten werden, wenn ihre Werbung nach Österreich ausstrahlt.

Ist das eine realistische Erwartung? Zum Beispiel von Google eine Werbeabgabe einzuheben, wäre extrem schwer handhabbar und administrierbar.

Natürlich – am einfachsten, sinnvollsten und realistischsten wäre auf jeden Fall die simple Abschaffung der Werbeabgabe.

Weitere Wünsche an die neue Regierung?

Ein wichtiger Punkt ist noch die Postzustellung. Regionalmedien sind beim Vertrieb auf die Post angewiesen, in ganz Österreich gibt es dazu kaum Alternativen. Wir wünschen uns Rahmenbedingungen auf Augenhöhe. In den vergangenen Jahren hat die Post die Zustellungsfristen immer länger gemacht. Gleichzeitig wurde das Preissystem für uns immer nachteiliger und teurer. Da müssen wir zu einer korrekten Regelung kommen.

Zum Schluss noch ein ganz anderes Thema: Wenn irgendwann digitale Assistenten wie zum Beispiel Alexa von Amazon Einkäufe erledigen und damit Kaufentscheidungen für bestimmte Marken von den Konsumenten zu Algorithmen hin verschoben werden, dann hat natürlich auch Werbung zum Konsumenten weniger Sinn. Damit könnten für Medien Werbumsätze einbrechen, wird das schon diskutiert?

Das ist ehrlich gesagt schon noch weit weg. Außerdem haben Regionalmedien nahezu null Imagewerbung, bei uns geht es eher um konkrete Angebote des Handels. Es wird auch in Zukunft immer noch notwendig sein, dass Werbung in Regionalmedien die Leute zu den Händlern bringt. Ich sehe eher sogar eine neue Chance für regionale Medien: Wenn Menschen nur mehr über Amazon einkaufen, gehen dem Staat in vielfältiger Weise Einnahmen verloren. Da ist dann eine Gegenbewegung nötig, und bei der können Regionalmedien eine wichtige Rolle spielen.

[Klaus Puchleitner]

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