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Also doch 20 Millionen

Geld für Rechte der Großen, Produktion für die Kleinen: Philip Newald (tipp3), Carsten Schmidt (Sky), Georg Pangl (Bundesliga-Präsident), Moderator Hans Mahr, Hans-Peter Trost (ORF), Michael Stix (Puls4/ProsSieben SAT.1 Austria), Karl Wieseneder (LAOL

Sportrechte der Zukunft: TV, Online und Mobile. Hans Mahr entlockt Bundesliga-Präsident Georg Pangl eine Preisvorstellung für die Rechtevergabe ab 2013/14: Nach kolportierten 17 Millionen Euro sollten es schon 20 Millionen per Anno werden können.

Michael Stix, Puls4/ProSiebenSAT.1 Austria, ist überzeugt: Die vom am schnellsten wachsenden österreichischen Privatsender gekauften Übertragungsrechte (in drei Paketen, wie Stix betont: Live-Spiele plus Zusammenfassungen am Dienstag und Mittwoch) für die Champions League und die UEFA Euro League würden „ein entscheidender Treiber für einen Free-TV-Sender wie Puls4“ werden. Die CL-Rechte bis 2015 seinen „ein Hebel, bis 2015 mit Puls4 in die erste Reihe aufzusteigen“.
Moderator Hans Mahr fragt gutgelaunt nach: Verlieren Sie dabei nicht Geld? Konter Stix, selbstbewusst: „Wir haben das größte und exklusivste Rechtepaket gekauft, dass es gibt und wir haben eine sehr gute Resonanz aus dem Werbemarkt!“

So explizit um Geld wird es dann erst zum Schluss der Diskussion im großen Saal bei den Medientagen, gegen 19.00 Uhr vor, wie Mahr mit Blick ins Auditorium sagen wird, „sind ja doch noch viele da!“ gutbesetzten Zuhörerreihen kommen: Da entlockt Mahr dem Bundesliga-Präsidenten Georg Pangl eine Preisvorstellung für die Rechteausschreibung ab 2013/14: Kolportiert seien in den Medien für den jetzigen Turn (auf drei Jahre seit der Saison 2010/11 teilen sich der ORF und Sky die Rechte um – „da besteht ja Verschwiegenheitspflicht, ich weiss“, sagt Mahr – „in den Medien“ (Mahr) kolportierte 17 Millionen Euro per Anno – „no, 20 Millionen wär schon was“, fragt Mahr – und Pangl bestätigt.

ORF-Sportchef Hans Peter Trost steckt mitten in den Planungen zum Start für sport plus am 26. Oktober, einem mit täglichen Live-Übertragungen sehr ambitionierten Projekt. So ist es nicht verwunderlich, wenn der oberste Sport-Programmierer des öffentlich-rechtlichen ORF eine Lanze bricht für „drei Dinge, die in Zukunft bei Sportfechten wichtig sein werden: Live, Live und Live!“ Gerade auf sport plus würde der ORF den österreichischen Sportverbänden (und deren Sponsoren) eine neues Forum bieten können. Wobei, lässt Trost einen Blick in die Rechte-Arena zu, es bei „Randsportarten“ weniger um die Rechte geht – sondern um Produktionserstellung. Den Vorwurf von Stix, dass der ORF beispielsweise die Football-WM in Innsbruck den Privaten („Wir haben ein Angebot gelegt!“) weggekauft und dann auf TW1/sport plus „verräumt“ habe, kontert Trost trocken: American Football hatte in Österreich noch nie 40.000 Zuseher (die Durchschnittsquote auf TW1/sport plus bei den Übertragungen).

Carsten Schmidt, Vorstand Sport und New Business beim Bezahlsender Sky, moniert, dass das Verständnis der österreichischen Rechtegeber (insbesondere Fußball, von Ski ganz zu schweigen) noch nicht auf vergleichbarem internationalem Niveau angekommen sei: „Die Liga muss die Vorfahrtsregeln zwischen Pay und Free-TV definieren“. Und plädiert für die „plattformneutrale“ Ausschreibung von Senderechten: Zuerst das Abo-TV, dann Free-TV. Sky habe sich unter dem neuen Eigentümer (Rupert Murdochs News Corporation, Anm. hs) und dem Namenswechsel von „Premiere“ zu Sky völlig neu aufgestellt und setzen mehr denn je auf Sport. Daher werde auch „Sky Nachrichten“ gestartet, einem „24-7-Sportnachrichtenkanal“, in dem auch österreichische Sportjournalisten über Sport aus Österreich reportieren werden.

„Wir brauchen Free-TV als Partner“, mahnt Philip Newald, tipp3 (gibt´s seit ziemlich genau 10 Jahren als „Österreichische Sportwetten GmbH im Eigentum von Casinos Austria und Lotterien (56 Prozent ) und Mediaprint (Krone + Kurier)und den Bundesländerverlagen Kleine Zeitung (Styria), OÖN (Wimmer Druck), SN (Max Dasch), TT (Moser Holding sowie VN (Medienhaus des Eugen Russ zu 44 Prozent). „Denn wir brauchen volle Stadien!“ tipp3 – mit der Deutschen Telekom vulgo t-mobile Sponsor der Bundesliga (3 Millionen per Anno) sei aber an Kooperationen aller Art sehr interessiert – und praktiziere die auch: Wir kooperieren mit LAOLA1.tv.

Karl Wieseneder will die Plattform LAOLA1.tv nicht auf eine Abspielstation für Fußball-Bilder reduziert lassen: LAOLA mache das eigentliche Geschäft als Produzent für Sportverbände – weltweit, in mittlerweile 125 Ländern der Welt würde die Sportrechteagentur agieren. Zurück nach Österreich: Das „Gipfeltreffen“ in der spanischen Fußball-Liga zwischen Barcelona und Madrid hätte im Netz eine halbe Million User angesehen und 3,5 Millionen Impressions erzeugt. „Wir setzen auf die Konvergenz von TV, Internet und Mobil, als Produzent von Übertragungen wie als Rechteverwerter“ Allerdings kämen da die Verbände in Österreich n- noch? – nicht ganz mit, moniert Wieseneder unter Anspielung auf die „freihändigen“ Ausschreibungslosen Rechtevergaben von ÖFB (Nationalmannschaft) oder ÖSV (Schröcksnadels Skiverband), beide Male an den ORF.

ORF-Trost kann demzufolge der Überlegung von Stix, Schmidt und Wieseneder nur wenig abgewinnen, Sportrechte ohne Österreich-„Wertschöpfung“ („wie die Formel 1 vom Ecclestone“, Mahr – „naja, Mateschitz kriegt auch was“, Trost) gleich ganz ausschreibungslos den Privaten zu überlassen, abgewinnen. Der öffentlich-rechtliche sei verpflichtet, Übertragungen von breitem Interesse anzubieten – ausserdem trete der ORF sehr wohl als Kooperationspartner auf, bei der Bundesliga mit Sky, auch mit LAOLA1.tv.
Nur Michael Stix fühlt sich noch zu wenig wahrgenommen, dabei hätte „in der werberelevanten Zielgruppe haben die ORF-Sender einen Marktanteil von 27 Prozent und die ProSiebenSAT.1-Gruppe von 23 Prozent“ – Stix führt Daumen und Zeigefinger sehr knapp zueinander, um die Kleinheit des Marktanteil-Gap zu veranschaulichen.

Schlusswort BL-Pangl, der tipp3-Newald sehr genau zugehört hat: „Ja, wir brauchen vollere Stadien – der jetzige zuschauerschnitt von rund 7000 ist zu wenig, das sollten 10.000 werden“. Aber das bedürfe nicht nur Investitionen in die sportliche Attraktivität. Die Austria habe in Wien um eine Million Euro die Flutlichtanlage neu adaptiert – „die ist jetzt auch für HD-TV-Bilder gerüstet!“

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