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'Agenturmatching' will zur Pitch-Alternative werden

© stock.adobe.com – Marco2811/Screenshot agenturmatching.at

Die neue Onlineplattform 'Agenturmatching' soll Unternehmen und passende Agenturen miteinander vernetzen, um den Vergabeprozess zu vereinfachen.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 4/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Für eine Kostenersparnis im fünfstelligen Bereich für Österreichs Agenturen und Auftraggeber. Und gegen die „Verschwendung kreativer Ressourcen“. Das sind zwei Kernelemente jener Onlineplattform, die nach erfolgreichen Jahren im deutschen Markt seit dem 22. Jänner auch in Österreich gelauncht ist. Mit „Agenturmatching“ wollen die Plattformgründer und CEOs Axel Roitzsch und Sophie Schade aus München künftig die Kommunikationsagentur- Suche für Unternehmen erleichtern und Agenturen bei der Kundenakquise unterstützen. Ziel soll sein, den altbekannten Pitch im Vergabeprozess zu reduzieren.

„In Deutschland verschlingt der Such- und Vergabeprozess pro Jahr 1,1 Milliarden Euro. Bei der Nutzung von Agenturmatching kann sich ein Unternehmen hingegen rund 80 Prozent an Recherchezeit ersparen“, erklärt Roitzsch gegenüber HORIZONT. Unternehmen und Agenturen können dabei auf agenturmatching.at ein Profil erstellen – erstere über ihr Projekt und dessen Ziele, letztere inklusive Cases und Expertise-Felder wie etwa „Programmatic“, „Design“ oder „Social Media“. Anschließend filtert die Website die relevanten Ergebnisse und schlägt dem Unternehmen bis zu fünf Agenturen vor. Tinder für Auftraggeber- und nehmer sozusagen. „Oder Auftraggeber überlassen die Suche gänzlich uns“, ergänzt Roitzsch: „Sie beantworten uns in einem Telefonat die wichtigsten Fragen zu Projekt und Zielen. Anschließend verfassen wir ein Briefing und kontaktieren aus mehreren Tausenden die für sie relevantesten Agenturen. Passen Unternehmen und Agentur fachlich und schließlich bezüglich der Chemistry zusammen, haben wir unser Ziel erreicht.“

‚Digitalagentur mit derselben Idee‘

Die Plattform richte sich sowohl an Zwei-Personen-Agenturen als auch an Agenturnetzwerke, von der PRund SEO- bis zur Kreativ- und Mediaagentur, „eben alle Disziplinen, die mit Kommunikation zu tun haben“, so Schade. Unter den deutschen Kunden finden sich Namen wie Rewe, Tom Tailor oder das Deutsche Rote Kreuz. In Österreich haben bereits Agenturen wie GGK Mullenlowe, Grayling, MMS Werbeagentur oder e-dialog ein Profil angelegt. Und hierzulande einen Fuß in die Markt-Tür zu setzen, schien, österreichisch gesagt, „aufgelegt“. Seit 2015 gibt es die Plattform in Deutschland, mit einem 14-köpfigen Team – davon ein Drittel aus Österreich – und mittlerweile 6.000 Nutzern pro Monat. Vergangenes Jahr wurden zwölf Millionen Euro an Agenturhonorar über agenturmatching.de vergeben, das Durchschnittsbudget eines an Agenturen vermittelten Projekts lag bei 45.000 Euro. Nach und nach habe man ohne Zutun auch aus Österreich den Wunsch nach einem derartigen Matching-Tool erhalten, verrät Roitzsch. „Im Zuge der Agenturen- Akquise sind wir dann mit einer Top-10-Digitalagentur aus Österreich ins Gespräch gekommen, die an derselben Idee gearbeitet hat. Die Kollegen der Agentur haben anschließend aber beschlossen, das Projekt fallen zu lassen, nachdem wir mit einem bereits fertigen Produkt in den Markt treten“, führt Roitzsch aus.

‚Schirm‘ für kleinere Agenturen

Für 2018 erhoffen sich Roitzsch und Schade im hiesigen Markt ein bis zwei Aufträge pro Tag und einen Agenturhonorar- Wert von insgesamt drei Millionen Euro, so Roitzsch: „Der Markt ist im Vergleich zu Deutschland natürlich kleiner, aber das Potenzial durchaus vorhanden.“ Abgesehen davon könne er keine Differenzen zum deutschen Markt-Nachbarn ausmachen. Hinsichtlich der Plattform sei der einzige Unterschied, dass in Österreich die Mindestgrenze der Budgets bei 5.000 Euro starte, während sie in Deutschland bei 10.000 Euro liege.

Dass Agenturmatching den Pitchprozess nicht komplett ersetzen werden könne, wissen auch Roitzsch und Schade. „Vor allem bei sehr großen Etats hat der Pitch seine Berechtigung. Aber bei einer Etathöhe von 15.000 Euro wäre es nicht notwendig“, merkt Roitzsch an. Für Schade handle es sich bei Agenturmatching um einen „zusätzlichen Suchkanal. Und kleinere Agenturen sind froh, dadurch auf den Schirm zu kommen, auf dem sie vorher von Unternehmen vielleicht nicht gefunden worden wären. Der Wettbewerb ist geringer, da eine genauere Vorauswahl stattfindet und man hat reelle Chancen, den Vergabe- Zuschlag zu erhalten“.

Auf die Frage, ob es seitens des Marktes auch Skepsis gegeben habe, meint Roitzsch: „Einen Vorbehalt gab es anfangs schon: Große Agenturen, die alleine aufgrund ihres Namens eher einen Auftrag erhalten, hatten zu Beginn Bedenken, dass sie nun durch kleinere Konkurrenten zunehmend in den Wettbewerb geraten. Dieser Vorbehalt hat sich schließlich in Luft aufgelöst. Denn bei uns landen tatsächlich nur jene Agenturen im Matching, die die für den Auftrag nötigen Kompetenzen, Erfahrungen und Ressourcen mitbringen. Und das trifft je nach Fall auf große wie kleine Agenturen zu.“ Außerdem seien große Agenturen wie thjnk aufgrund der selbst anzugebenden Budgetuntergrenze „ganz froh, wenn Kleinaufträge nicht mehr nur wegen ihres Namens an sie herangetragen werden“.

Ausdehnung auf andere Branchen

Im D-A-CH-Raum sei das Geschäftsmodell von Agenturmatching einzigartig, wie Roitzsch und Schade betonen. Innerhalb Europas gebe es noch die belgische Plattform Sortlist, die auch in Frankreich und Spanien gelauncht sei. Und aus dem Silicon Valley heraus habe sich mit Globality eine Plattform entwickelt, auf der unterschiedliche Branchen und Dienstleistungen global miteinander vernetzt werden – ein Weg, der auch die beiden Gründer von Agenturmatching nicht loslässt, wie Roitzsch verrät: „Wir kommen aus dem Agenturmarkt, das ist unser Start. Aber auch wir wollen uns im nächsten Schritt auf andere Branchen ausdehnen.“

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