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Kritik an Wien-Lastigkeit der ORF-Kultur

Emmerich Weissenberger begleitete die Publikumsratssitzung mit einem "Live-Painting"
© Stefan Binder

Bei der letzten Sitzung des ORF-Publikumsrats drängte Generaldirektor Alexander Wrabetz außerdem erneut auf eine rasche Umsetzung eines Digitalpakets durch die neue Regierung.

“Ich kann mir wenige Länder vorstellen, wo eine Gremiensitzung so abläuft, wie hier”, sagte Martin Traxl, Hauptabteilungsleiter Kultur Fernsehen bei der Sitzung des ORF-Publikumsrates im sechsten Stock des ORF-Zentrums. Nachsatz: “Ich finde das großartig”. Grund für die Begeisterung des ORF-Kulturchefs war, dass die letzte Sitzung des Gremiums in diesem Jahr vom Aktionskünstler Emmerich Weissenberger mit einer visuellen Performance, nämlich einem “Live-painting”, begleitet hat. 

Die Gremiumssitzung zum Thema Kultur begleitete der Künstler nicht nur mit Zeichnungen, sondern auch mit Sätzen wie “Ich bin beeindruckt von der Männerstärke” im männlich dominierten Publikumsrat. Thema der Sitzung war dann auch die Kultur im ORF, für die es von den Teilnehmern grundsätzlich Lob gab. Auch die beiden geladenen Vortragenden Yvonne Gimpel, Geschäftsführerin IG Kultur Österreich und Bernhard Rinner, Geschäftsführer der Theaterholding Graz schlossen sich dem an. Gleichzeitig wurde aber besonders von Rinner die Wien-Lastigkeit der ORF-Kulturberichterstattung kritisiert. Nationale Berichterstattung im ORF zu bekommen, sei für Kulturschaffende in den Bundesländern “wahnsinnig schwierig”, so Rinner. Darüber hinaus gebe es eine gewisse Überheblichkeit gegenüber Kulturschaffenden außerhalb Wiens. 

Verbesserungen möglich 

Die Kritik nahm Traxl eigenen Angaben zufolge sehr ernst. Es seien aber Verbesserungen möglich. Durch Möglichkeiten auf ORF 3 sei sehr viel mehr möglich geworden. Die Lastigkeit in Richtung klassischer Kunst, die ebenfalls kritisiert wurde, hingegen verteidigte Traxl bis zu einem gewissen Grad: Einerseits werde Klassik stark von den Kulturproduzenten angeboten, andererseits stoße sie auch auf großes Publikumsinteresse.

Als Chef des Kultursenders schlechthin hatte Martin Bernhofer, Channelmanager von Ö1, einen leichteren Stand im Gremium. Mit 700.000 Hörer täglich sei der Sender gemessen an der Reichweite einer der erfolgreichsten seiner Art in Europa. Verbesserungsbedarf sieht er bei der Jugend, weswegen für das Jahr 2020 ein Jugendfokus auf Ö1 geplant sei. Man werde dafür nicht nur ein eigenes Format, sondern auch bestehen Kulturformate am Sender öffnen. 

“Online first und online only”

Apropos Zukunft: Für diese wünscht sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz abermals eine rasche Umsetzung eines Digitalpakets für den ORF. Die neue Regierung solle so dem ORF den Start des geplanten und oft diskutieren ORF-Players möglich machen. Dafür müsse es dem Sender aber gesetzlich erlaubt werden “online first und online only” produzieren zu dürfen. Ein derartiges Digitalpaket brauche man im nächsten Jahr, so Wrabetz.

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