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21. Journalistinnenkongress: Nix ist fix

© Jacqueline Godany

Namhafte Speakerinnnen sprachen beim mittlerweile 21. Journalistinnenkongress über die Herausforderungen, die die Medienlandschaft insbesondere für Frauen bereithält.

"Nix ist fix" - das Motto des diesjährigen Journalistinnenkongress trifft auf viele Bereiche der Medienbranche zu, besonders aber auch zu der Situation von weiblichen Medienschaffenden. In diversen Vorträgen, Podiumsdikussionen, Workshops und Gesprächsrunden gingen Medienfrauen aus dem deutschsprachigen Raum der Frage nach, welche Herausforderungen, aber auch Chancen auf angehende wie auch erfahrene Journalistinnen jetzt warten. Besonders vor einem Backlash warnten die Speakerinnen. "Es wird heute darum gehen, das zu verteidigen, was die Frauen bis heute erreicht haben, doch wir brauchen auch Fortschritte“, sagte Maria Rauch-Kallat, Initiatorin des Journalistinnenkongresses und ehemalige ÖVP-Frauenministerin in ihrer Eröffnungsrede. Und fürgte hinzu: "Wir brauchen 50 Prozent der Macht und 50 Prozent des Einflusses, um diese Welt verbessern zu können!" Frauenquoten seien zwar keine "elegante" Lösung, aber sie würden wirken und Prozesse merklich voranbringen.

In ihrer Keynote erklärte die Philosophin Lisz Hirn darüber, "warum wir uns nicht auf unseren Loorbeeren ausruhen dürfen". Sie sprach von einer neuen "Prüderie" in den Medien und stellte die Frage, ob Frauen die größten Feinde der Frauen sind, ob Frauen sich in der Emanzipation selbst im Weg stehen. Ihre Antwort lautete: "Nein! Frauen haben ganz reale Feinde in Politik, Religion, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie betonte, dass häufig noch eine "Wahrnehmungsstörung" beim Thema Feminismus vorliege: "Feministische Forderungen, wie sie gerne angegriffen werden, sind nicht Gleichmacherei. Sie fordern nur, dass Menschen in ihren Interessen gleichwertig berücksichtigt werden." Sie warnt ihre Zuhörerinnen ebenfalls vor einem Backlash: "Unsere eigenen punktuellen Privilegien, die wir erkämpft haben, haben schon andere vor uns auf die Bahn gebracht und wir können sie auch ganz einfach wieder verlieren, das zeigt die Geschichte."

'Man darf nicht mehr lieb sein wollen'

Zu dem Motto "Nix ist fix" und wie es um den Kampf von Frauenrechten in der nächsten Generation steht, haben schließlich Melisa Erkurt (ORF, Falter, taz), Angelika Hager (Profil, Kurier, Autorin) und Christiana Jankovics (ORF) unter der Moderation von Daniela Kraus (Presseclub Concordia) diskutiert. Sie waren sich einig, dass Feminismus für junge Mädchen und Frauen heute einen besonderen Stellenwert hat, besonders im Zuge der metoo-Debatte und durch die Sozialen Medien. Aber: "Wir müssen aggressiver werden, dieses Harmonisierende ablegen. Man darf nicht mehr lieb sein wollen, das ist eines der Grundübel", mahnte Hager. Erkurt betont auch den täglichen Sprachgebrauch, "gendern hilft". und Jankovics ermutigte zu mehr Selbstbewusstsein: "Man muss sich immer vor Augen halten: Das steht uns zu." 

Als "Best Practice" stellte Gabriele Hässig, Geschäftsführerin Kommunikation und Nachhaltigkeit, Procter & Gamble DACH-Gruppe, vor, wie Unternehmen mit ihrer Werbung Frauen unterstützen können: Für sie sei es eine Frage der Verantwortung, dass Marken wie P&G ihre mächtige Stimme dazu nutzen, um etwas zu verändern. Ein Werbespot von "Venus Gillette" von P&G zeige heute beispielsweise keine perfekt glattrasierten Beine, sondern unterschiedliche und individuelle Frauenkörper unter dem Slogan #MySkinMyWay. Man müsse den Stereotypen etwas entgegensetzen, zeigte sie sich überzeugt. Im zweiten Best-Practice-Case sprach die Journalistin und Autorin Anne Siegel über die Gleichstellung von Frauen in Island.

Inwieweit sich Journalismus und Aktionismus für Medienschaffende miteinander vereinbaren lassen, debattierten schließlich die Innenpolitik-Redakteurin Rosemarie Schwaiger (Profil), futurezone-Chefredakteurin Claudia Zettel, die deutsche Journalistin und Fernsehmoderatorin Nadia Kailouli und die Falter-Redakteurin Barbara Toth. Durch das Gespräch führte die stellvertretende Chefredakteurin von Der Standard, Nana Siebert. Dabei ging es auch um die Social-Media-Nutzung der Medienfrauen: "Natürlich bin ich auf Twitter auch Journalistin, mache aber nicht mit jedem Tweet Journalismus“, meinte Zettel, die auf Twitter 20.000 Follower hat. Außerdem sei es für sie kein Aktivismus, seine Meinung zu sagen. Toth entgegenete jedoch, dass Twitter für sie nicht privat sei: „Ich schreibe nur das, was ich für den Falter auch als Leitartikel oder Kommentar schreiben würde.“ Kailouli, die über ihre Zeit auf der Sea-Watch 3 berichtete, meinte: „Es ist Pflicht, Fakten, Tatsachen und eine transparente Recherche zu liefern. Dabei muss man aber die Haltung nicht zurückzustecken.“ Schwaiger zeigte sich skeptisch: „Man kann als Journalist eine Meinung haben, sollte diese aber von der Arbeit trennen.“

YoungStars und Living News

Am Nachmittag bestand für die Kongressteilnehmerinnen die Möglichkeit, an Workshops zu verschiedenen Themen teilzunehmen, die ebenfalls von bekannten Medien- und Fachfrauen abgehalten wurden: "Der Mehrwert von Regionalität", Räuberinnenleiter 2.0", "Zwischen leben und überleben" und "How to Podcast". Für die "Living News" stellten die sogenannten YoungStars - junge, engagierte Medienfrauen, die an der Organisation des Kongresses mitwirken - "Rolemodels" - führende Frauen aus der Branche - im Gespräch vor und interviewten diese in einer kleinen Rund von interessierten Teilnehmerinnen.

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