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5G-Broadcast bald im Testbetrieb: "Gemeinsam Eco-System gestalten"

ORS-Geschäftsführer Michael Wagenhofer will die Mobilfunkbranche von einer gemeinsamen Lösung überzeugen.
© Johannes Brunnbauer

ORS-Geschäftsführer Michael Wagenhofer erklärt im HORIZONT-Interview die Vorteile einer gemeinsamen Nutzung von 5G mit den Mobilfunkbetreibern.

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe 39/2019 des HORIZONT zu den Österreichischen Medientagen. Noch kein Abo? Hier klicken.

Es ist ein Match zwischen TV-Sendern und Mobilfunkern, das gerade erst begonnen hat und noch lange nicht entschieden ist. Nationale wie internationale Fernsehsender setzen sich für eine schnelle Etablierung des neuen Standards 5G-Broadcast ein, denn der DVB-T2-Nachfolger bietet die Chance, erstmals in der TV-Geschichte einen einheitlichen digitalen Übertragungsstandard zu etablieren – mit enormen frequenzökonomischen Effekten durch die Koppelung der Broadcast- mit künftigen 5G-Netzen. 

5G-Handys können Broadcast-Signale empfangen, sofern die Mobilfunker das zulassen. Die Idee von ORS und der Privatsender: Rundfunk soll unabhängig von der jeweiligen SIM-Karte zu empfangen sein. Im Frühjahr haben sich die Netzbetreiber zum Teil noch eher skeptisch gezeigt, denn Mobilfunker verdienen am Datenvolumen. Und bereits heute machen Bewegtbilder einen hohen Anteil am Traffic aus – dieser Anteil würde dann weiter steigen. 

Mit 5G-Broadcast entsteht also ein neuer, effizienter Verbreitungsweg, um stationäre und vor allem mobile Nutzer mit hochqualitativen linearen und hybriden Programmen und Diensten zu versorgen. HORIZONT sprach mit ORS-Geschäftsführer ­Michael ­Wagenhofer über die Potenziale und Ziele rund um 5G-Broadcast und erfragte, wie er die Mobilfunker ins Boot holen will. 


HORIZONT: Welche Potenziale bietet 5G für Broadcaster? 
Michael Wagenhofer: Die zentrale Anforderung des Rundfunks – Radio und TV – ist es, auch künftig niedrigschwellig, kosteneffizient und in der gewohnten Servicequalität die Hörer und Seher zu erreichen. 5G-Broadcast ermöglicht dies und erweitert die direkte Rundfunkverbreitung an 5G-fitte Smartphones oder Tablets.  

Ein wichtiges Thema im Zuge des 5G-Rollouts ist die Koppelung der Netze von Mobilfunk und Broadcastern. Warum ist das wichtig, und was gilt es dabei zu beachten? 
Bei der Koppelung geht es darum, ein Nutzererlebnis zu ermöglichen, das eine langfristige Konkurrenzfähigkeit gegenüber globalen OTT-Anbietern bietet. Dieses Ziel verfolgen sowohl Mobilfunkbetreiber als auch Medieninhalteanbieter.  

Die Mobilfunkanbieter reagierten bisher eher skeptisch auf diese Koppelung. Wie kann dieses Dilemma gelöst werden? Wie schreiten die Planungen voran? Es war von ersten Tests im ersten Quartal 2020 die Rede. Was genau wird passieren? 
Wir laden die Mobilfunkbranche ein, ein gemeinsames Eco-System mit neuen Erlösmodellen zu gestalten und an unserem für nächstes Jahr geplanten 5G-Broadcast-Testbetrieb in Wien teilzunehmen. Schon jetzt läuft in Bayern ein 5G-Broadcast-Test (siehe Infobox; Anm.), bei dem der Bayerische Rundfunk, die Telefonica Deutschland sowie Industriepartner die künftige 5G-Rundfunkverbreitung erproben. Die ORS wird auf diesen Erkenntnissen aufbauen und das Zusammenspiel mit dem Mobilfunk weiter erforschen. 

Warum wäre ein gemeinsames Kommunikationsnetz für Sie von Vorteil? 
Ich möchte betonen, dass wir das 5G-Broadcast-Netz in Zusammenarbeit mit dem Mobilfunk gestalten möchten. Ein gemeinsames hybrides Kommunikationsnetz hat für ­Mobilfunkunternehmen den Vorteil, dass ihre Netze von teuren Spitzenlasten befreit werden. Und der Nutzer wird beim Streaming von populären Live-Ereignissen keinen Zusammenbruch des Netzes mehr erleben.

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