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5G wird erwachsen

5G soll nicht nur das Geschäft der Telekommunikationsunternehmen ankurbeln.
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Schritt für Schritt kommt 5G in Österreich an. Die Pläne der Telkos von Testphasen hin zu breitenwirksamen Anwendungen sind groß, die Erwartungen ebenso.

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe 39/2019 des HORIZONT zu den Österreichischen Medientagen. Noch kein Abo? Hier klicken.

Im März wurden die ersten 5G-Frequenzen vergeben, und die vergangenen Monate wurden von den großen Telekommunikationsunternehmen dazu genützt, mit Showcases die 5G-Themenvorherrschaft für sich zu reklamieren. Langsam, aber doch geht es in die breitenwirksame Umsetzung, so auch nun in Wien: Einige Monate nach der Europa-Premiere von Pre5G und weiteren 5G-Tests am Wiener Rathausplatz nahmen Digitalisierungsstadtrat Peter Hanke und Drei-CEO Jan Trionow das erste „echte 5G-Netz der Bundeshauptstadt“ in Betrieb. „Als erste Stadtgebiete Wiens versorgen wir ab heute die Seestadt Aspern sowie Teile von Floridsdorf mit dem ­Mobilfunk-Netz der fünften Generation. Lästige Staus auf dem Daten-Highway gehören damit selbst im dicht besiedelten Stadtgebiet in der Rushhour künftig der Vergangenheit an“, erklärte ­Trionow bei einer Pressekonferenz.

Da waren es schon vier

Wien ist damit bereits die vierte Region in Österreich, die das Unternehmen mit 5G ausgestattet hat. Schon im Juni hatte Drei in Linz das erste echte, zusammenhängende 5G-Netz Österreichs in Betrieb genommen, gefolgt von den 5G-Starts im August in der digitalen ­Vorzeigeregion ­Wörthersee sowie in Wörgl, dem Wirtschafts- und Handelszentrum des Tiroler Unterlandes. So rasant 5G gekommen ist, so schnell geht es auch 2020 weiter. HORIZONT hat mit A1, Magenta, Drei und spusu über die Ausbaupläne in den kommenden zwölf Monaten gesprochen. „A1 hat die Testphase bereits abgeschlossen und baut das 5G-Netz zurzeit in ganz Österreich aus. Im Jänner 2020 startet A1 mit dem kommerziellen Betrieb des 5G-Netzes“, erläutert Marcus Grausam, CEO A1 Österreich. Zudem gibt es die ersten 5G-ready-Produkte. „5G ready bedeutet, dass der Kunde automatisch ohne Tarifwechsel umgestellt wird und die Vorteile von 5G nutzen kann. Ab Verfügbarkeit des A1-5G-Netzes und 5G-Net-Cubes werden diese von A1 kostenfrei und proaktiv ausgetauscht.“

Magenta Telekom hat in den letzten Monaten die ersten 5G-Mobilfunkstationen an 25 Standorten in 17 Gemeinden, vorwiegend in ländlichen Regionen, in Betrieb genommen. Derzeit wird das 5G-Netz an diesen Standorten im Echtbetrieb von „friendly customers“ genutzt, denen Magenta spezielle 5G-Router zur Verfügung gestellt hat. Die Erfahrung aus den 5G-Gemeinden fließt in die Ausbaustrategie für eine Vielfalt der Netze.

T-Mobile investiert rund eine Milliarde

„Mit 5G hält mobile Breitbandversorgung künftig mit der Leistung des Glasfaserkabelnetzes Schritt und wird Regionen versorgen, bei denen das Verlegen von Leitungen aufwändig, langsam und teuer wäre. Anstatt einen Haushalt per Leitung ans Internet anzuschließen, wird 5G dafür sorgen, dass Breitbandinternet per Funk ins Eigenheim kommt. Von 2018 bis 2021 investiert T-Mobile insgesamt rund eine Milliarde Euro, um leistungsfähige mobile wie fixe Breitbandinfrastruktur für Österreich zu gewährleisten“, sagt Andreas ­Bierwirth, CEO Magenta Telekom. Der weitere 5G-Ausbau erfolgt laufend, mit einer österreichweiten Verfügbarkeit von 5G ist aber erst bis zum Jahr 2022 zu rechnen.

Auch spusu war eines der Unternehmen, das Frequenzen im März 2019 ersteigert hat. Gegenüber HORIZONT beschreibt Geschäftsführer Franz Pichler die kommenden Ausbaupläne: „Spusu hat sich dazu entschlossen, vor allem schlecht versorgte Gemeinden in Niederösterreich und dem Burgenland mit 5G zu versorgen. Dazu zählen vor allem Gebiete, in denen derzeit teilweise selbst 3G-Empfang nicht verfügbar ist.“ Aufgrund dessen komme es sowohl für B2B- als auch für B2C-Kunden zu einer wesentlichen Verbesserung des Lebensstandards und zu einer digitalen Aufwertung der Gemeinden. „Wir liegen gut im Zeitplan und gehen davon aus, dass wir in den nächsten zwölf Monaten die Tests abgeschlossen und die ersten 5G-Sender in den Gemeinden angebracht haben – sprich in vereinzelten Regionen 5G anbieten können.“

5G als Umsatztreiber

Dass 5G nicht nur das Geschäft der Telekommunikationsunternehmen ankurbeln soll, ist kein Geheimnis. Branchen, die von 5G stark profitieren werden, sind Transport, Telemedizin, Produktionslogistik, Gaming, vor allem in der Cloud, aber zum Beispiel auch Landwirtschaft als Smart Farming. 5G ist somit ein wichtiger Enabler für die Wirtschaft.

Das sehen auch die Vertreter der Telkos so. „Mit den Vorteilen von höheren Geschwindigkeiten und Bandbreiten, zuverlässiger Echtzeitkommunikation sowie einer großflächigen Maschinenkommunikation ergeben sich neue Möglichkeiten mit neuen Services, zum Beispiel in den Bereichen Gaming, Smart Home, Smart Cities oder Automatisierungen. Auch im Entertainment-Bereich werden wir durch Augmented oder Virtual Reality viel interaktiver“, so Grausam. 

5G ermöglicht durch das verbesserte Internet of Things zudem das Sammeln und Auswerten von Daten in allen Belangen. „Die Auswertung dieser Daten führt zu erhöhter Produktivität, treibt aber natürlich initial die Umsätze von Hardware-Herstellern, zum Beispiel Sensoren, und Software- sowie Big-Data-Entwicklern. Die Gewinner der Digitalisierung sind damit genau diese Unternehmen, die durch ihre Leistungen überhaupt erst die Produktivitätsgewinne ermöglichen“, beschreibt Trionow die ökonomischen Mechanismen hinter dem Mobilfunk-Quantensprung.

Keine gesonderten 5G-Tarife

Den eigenen Umsatz soll 5G natürlich auch erhöhen, wenn auch nicht durch erhöhte Tarife. „Spusu vertritt die Unternehmensphilosophie ‚einfach. menschlich. fair.‘ Deshalb werden wir – wie schon bei 4G – ab Verfügbarkeit allen unseren Kunden die neue Technologie ohne Aufpreis zur Verfügung stellen. Es wird daher weder gesonderte Tarife mit oder ohne 5G noch Preiserhöhungen bei den Tarifen geben. Wir gehen aber davon aus, dass das Interesse an 5G groß ist und die Kundenanzahl aus diesem Grund entsprechend ansteigen wird,“ so ­Pichler.

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