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Kooperation als Mittel gegen US-Streamingkonkurrenz

Mehr Kooperation wünschen sich (v.l.n.r.) Katharina Behrends (NBC), Christine Scheil (Sky Österreich), Markus Breitenecker (Pro7Sat1Puls4), Reinhard Scolik (BR), Julia Reuter (RTL) und Alexander Wrabetz(ORF).
© Johannes Brunnbauer

Nur mit Kooperation könne man gegen die immer zahlreicheren US-Streaming-Angebote bestehen, waren sich die Teilnehmer des TV-Gipfels bei den Österreichischen Medientagen 2019 einig. Zwischen ORF-Generaldirektor Wrabetz und ProSiebenSat1Puls4-Chef Breitenecker kam es dennoch zum Funkenflug.

Netflix, Disney und zuletzt auch Apple - immer mehr US-Anbieter drängen auch hierzulande auf die Streamingmärkte. Der hochkarätig besetzte Gipfel deutschsprachiger TV-Manager auf den österreichischen Medientagen 2019 war sich ungewöhnlich einig: Die Antwort auf die immer zahlreicheren Angebote von US-Giganten müsse mehr Kooperation sein. 

Christine Scheil, Geschäftsführerin von Sky Österreich, verwies auf die erfolgreiche Kooperation bei der Produktion von „Babylon Berlin“, bei der auch öffentlich-rechtliche Sender beteiligt waren. Sky selbst will weiter mit lokalen Partnern Geld in die Hand nehmen: „Wir investieren in Summe acht Milliarden Euro in Content, einen großen Anteil davon auch in Deutschland und Österreich.“ 

Kooperation "mit allen" möglich

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz will die Kooperation vor allem auf Online-Plattformen verstärken. Der ORF-General forciert derzeit nicht nur den Launch des hauseigenen ORF-Players sondern auch die Schaffung eines Austria-Players, bei der private Sender, Zeitungen und der ORF zusammenarbeiten können: “Wir müssen es schaffen, dass wir unsere Plattformen so konzipieren, dass sie sich gegenseitig nicht Konkurrenz machen“.

Berührungsangst mit Öffentlich-Rechtlichen hat auch Julia Reuter nicht: „Mit wem können wir uns vorstellen Kooperationen machen? Mit allen.“, sagte die Geschäftsführerin für Strategie, Personal und Kultur bei der Sendergruppe RTL. 

Schlagabtausch

Mahnende Worte von Pro7Sat1Pul4-Geschäftsführer Markus Breitenecker waren die Einleitung zu einem kleinen Schlagabtausch zwischen dem Medienmanger und dem ORF-Generaldirektor. Breitnecker: "Was Kooperation nicht heißen soll: Öffentliche Gebühren, damit uns der ORF im kommerziellen Bereich Konkurrenz macht.“ Das sei Gebührenverschwendung so Breitenecker. Nachsatz: "Das ist nicht die Forderung nach Abschaffung oder Verkleinerung des ORF.“

Wrabetz hingegen sah in den Forderungen der Privatsender, den Versuch, den ORF zuerst zu zerstören und dann abzuschaffen. Breitenecker entgegnete scharf: „Das ist schlicht unrichtig!“ Die Forderung der Privatsender sei schlicht, dass der ORF auf jedem Sender seinen öffentlich-restlichen Auftrag verrichten solle. Das sei keine Forderung nach Abschaffung nach GIS-Gebürhen oder Abschaffung nach ORF-Sendern. 

Kampf um Talente

Reinhard Scolik, Fernsehdirektor des Bayrischen Rundfunks, fühlte sich angesichts solcher Schlagabtäusche an alte Zeiten erinnert: "Ich vermisse diese emotionalen Wogen ein wenig. Drei Jahre war ich auf Entzug, jetzt bin ich wieder voll da. Ich glaube aber, dass das die internationalen Player nicht beeindrucken wird.“  
Wichtiger sei es hingegen, sinnvoll zusammenarbeiten, wo es möglich ist. Die große Anzahl an Angeboten habe aber auch dazu geführt, dass es schwieriger geworden ist, genug Talente zu finden: „Teilweise werden die Kreativen inzwischen weggekauft“, so Skolik.

Für Katharina Behrends, Direktorin von NBC für Zentral- und Osteuropa, ist es dennoch eine der spannendsten Zeiten für TV-Unternehmen: „Wir bekommen fast jeden Tag Drehbücher von jungen Talenten.“

Einzigartige Angebote

Eine weitere Antwort auf die vielen Streaming-Angebote - da waren sich die Teilnehmer einig - seien auch einzigartige Angebote. Breitenecker: "Wir setzen auf News, Sport und tagesaktuelle Berichterstattung“. Das sei auch die Strategie hinter der Gründung des neuen Nachrichtenkanals Puls24 gewesen und diese Strategie werde auch ausgebaut.

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