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Wrabetz kritisiert "Kehrtwende" der Privatsender

Der ORF-General versteht das Vorgehen gegen seinen Sender nicht.
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Der ORF hat mit Unmut auf die am Mittwoch erhobenen Forderungen des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP) reagiert. Generaldirektor Alexander Wrabetz kritisierte die Aussagen als "bemerkenswerte Kehrtwende". Der VÖP fordert unter anderem, dass "zusätzliche Freiheiten für den ORF im digitalen Raum" von der Zusammenarbeit mit privaten Medien abhängig gemacht werden.

Es sei eine "bemerkenswerte Kehrtwende", dass nun, nachdem in den vergangenen Jahren der "gemeinsame Gegner aus Übersee" im Vordergrund gestanden sei, "wieder ausschließlich gegen den ORF" vorgegangen werde, sagte Wrabetz im Anschluss an die Sitzung des Stiftungsrats vor Journalisten. Er habe gedacht, dass "dieser Diskurs aus der Steinzeit" überwunden sei.

Der VÖP hatte sich unter anderem dafür ausgesprochen, dass dem ORF Programmstrukturvorgaben gemacht und der Einkauf von Hollywood-Ware und Sportrechten beschränkt werden. Im digitalen Bereich schwebt dem Privatsenderverband eine "Kooperationsverpflichtung" für den ORF mit nationalen Partnern vor, dafür soll ihm verboten werden, auf "Non-EU-Social-Media" aktiv zu sein.

Zum Stand des geplanten ORF-Players, gegen den sich die Privatsender stemmen, meinte Wrabetz: "Es geht anscheinend so schnell weiter, dass es die ProSiebenSat.1-Gruppe zum wichtigsten Unternehmensziel erkoren hat, uns zu stoppen." Im vierten Quartal dieses Jahres soll wie angekündigt die Radiothek starten.

Gegen "Alarmismus"

Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen "Freundeskreises", wandte sich in Bezug auf die Forderungen des Privatsenderverbands gegen "Alarmismus" eineinhalb Wochen vor der Nationalratswahl. "Lösen wir die Dinge in Konstruktivität", forderte er. "Es steht außer Frage, dass es einen funktionierenden Medienstandort braucht. Es steht wohl auch außer Zweifel, dass der ORF für die Erfüllung seines öffentlich-rechtlichen Auftrags auch die entsprechenden Rahmenbedingungen im Digitalen braucht", sagte Zach. "Wir haben jedenfalls innerhalb des ORF im Bereich der Digitalisierung genügend Hausaufgaben, die noch mit höherer Dynamik angegangen werden müssen."

Auch Franz Maurer, Chef des FPÖ-"Freundeskreises", übte scharfe Kritik an der Forderung der Privatsender. Er verstehe es, wenn der Chef von ProSiebenSat.1 Puls 4, Markus Breitenecker, "für mehr Prämie kämpft". Das sei aber weder im Interesse des Steuers- noch des Gebührenzahlers.

Der Leiter des SPÖ-"Freundeskreises", Heinz Lederer, kritisierte die "falsche Töne" und die "Abschottung" des VÖP. "Ich kann sie nur einladen, dass sie wieder auf den Weg des Gemeinsamen zurückkommen", sagte Lederer. "Wir sind im digitalen Bereich keine Gegner."

ORF 1 am Prüfstand

Thema der Sitzung des Stiftungsrats war laut Lederer auch das "Quotentief" von ORF 1. Der Sender müsse sich "noch mehr anstrengen", forderte er. Lederer sprach außerdem davon, dass Absichten erkennbar seien, ein neues Sparpaket zu beginnen, und warnte davor. "Die Zahlen sind nicht dramatisch", betonte er.

In Summe werde es sich bei den Werbeeinnahmen heuer voraussichtlich um einen Rückgang zwischen 8 und 9 Mio. Euro netto handeln, sagte Wrabetz. Es sei Vorsorge getroffen worden, dass das beim Ergebnis keine Auswirkungen hat, sagte. Der ORF befinde sich "wirtschaftlich auf Kurs". In Bezug auf die sinkenden Quoten von ORF 1 seien Maßnahmen gesetzt worden, damit es besser laufe. Manche wirkten, manche nicht. Es werde daran gearbeitet, dass es besser werde.

Beschlossen wurde in der Sitzung unter anderem der Verkauf des Standorts Argentinierstraße. Der Ertrag werde zur Stärkung des Eigenkapitals verwendet, sagte Wrabetz.

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