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Gegen die Meister der Kontrolle

© Sabine Klimpt / Manstein Verlag

Wie die Politik ihr munteres Message-Control-Spiel spielen darf und auch der innermediale Hickhack die Verhinderung dessen erschwert. Leitartikel von Jürgen Hofer, Chefredakteur

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 37/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Meister der kommunikativen Kontrolle treiben ihr Spiel munter und nicht minder erfolgreich weiter: Botschaft gesetzt, Botschaft verbreitet, Botschaft wirkt. Nächste. Dieses Mal war es eben ein Hackerangriff, bei dem die ÖVP gekonnt als Dirigent im medialen Orchester auftrat. Bis den anfänglichen Zitat-Schlagzeilen viel zu spät tatsächliche journalistische Überprüfungen folgten, war die vom Absender intendierte Botschaft längst gesetzt und gesickert. Ein Moment des Innehaltens und Überprüfens zu Ungunsten der schnellen Schlagzeile wäre – wie auch in zig anderen Fällen – schlichtweg gut, wenn nicht sogar unabdingbar gewesen.

Message Control funktioniert zu einem Gutteil nur mit dem Zutun des Gegenübers; übrigens auch das demokratiepolitsch zutiefst verwerfliche Aussperren einzelner Medien: Die Solidarität war hie und da gegeben, Bekundungen im Social Web waren aber eher nett gemeint als ausreichend. Ein Novum der Ära Sebastian Kurz ist das noch weniger, die Kontrolle über willkürliche „Einladungs“-Politik haben Medien schon viel länger abgegeben. Den Takt gibt viel zu oft die Politik vor. Während die ihr Spiel des Agenda Settings spielt, ergeben sich derweil viele Medien der Selbstzerfleischung: Alle gegen die Chefredakteurin, weil unbedarfte, missglückte Aussage; alle gegen die Wochenzeitung, weil Veröffentlichung an sich. Statt einer der zentralen Aufgaben nachzukommen, die Politik zu kontrollieren, haben sich Medien untereinander ins Kontrollvisier genommen. Das kratzt am Image, das kostet unnötig Energie und das macht es den Meistern der Kontrolle immer wieder schlichtweg viel zu einfach. Nächste.