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Accenture: Die Pläne nach der Einkaufstour

Matthias Schrader, Lead von Accenture Interactive D-A-CH (r.), kennt sich aus mit Agenturverkäufen: Er selbst ging mit seiner SinnerSchrader vor zwei Jahren zur Accenture-Tochter. Nach einer zweijährigen "Verlobungszeit" mit PXP/X und deren Gründer und Geschäftsführer Markus Höfinger (l.) ist man jetzt "übereingekommen, die Ringe anzustecken".
© Georg Krewenka/Accenture

Mit der Digitalschmiede PXP/X übernimmt Accenture Interactive erstmals in Österreich eine Agentur. Im Exklusivinterview sprechen die Verantwortlichen Matthias Schrader und Markus Höfinger über die gemeinsame Probezeit, weiteren Expansionsdrang und Kritik von außen.

Das Interview ist bereits am 21. Juni in der HORIZONT-Ausgabe 25/2019 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken.

Es war nur eine Frage der Zeit, könnte man meinen, bis Accenture Interactive auch in Österreich zuschnappt. Laut aktuellem Ad-Age-Report ist sie die weltweit größte Digitalagentur – und setzt kontinuierlich auf Wachstum. Von Mutter Accenture vor zehn Jahre aus der Taufe gehoben, befindet sich das Digital-Spin-off auf globalem Übernahmefeldzug. Das aber nicht mit aggressivem Einkaufskorb, sondern zielgerichtet, wie Matthias Schrader, Leiter von Accenture Interactive für Deutschland, Österreich und die Schweiz, im HORIZONT-Interview erklärt.

2017 übergab er selbst die von ihm gegründete Hamburger Agentur SinnerSchrader an Accenture Interactive, bis heute ist er auch ihr CEO. Vergangene Woche eröffnete das Unternehmen, dass man auch in Österreich fündig geworden sei: Die in den Neunzigerjahren gegründete Digitalagentur PXP/X (ehemals Wunderman PXP) ist gekauft und geht zu hundert Prozent in Accenture Interactive Österreich auf. Der ehemalige PXP/X-Gründer und -Geschäftsführer Markus Höfinger wird als Managing Director der österreichischen Accenture-Interactive-Dependance die Agenden mit Schrader leiten.


HORIZONT: Accenture Interactive kauft mit PXP/X ihre erste Agentur in Österreich. Wie sieht die neue Agentur aus? 
Matthias Schrader:
Sie unterscheidet sich nicht wirklich von Accenture Interactive im Rest der Welt. Wir bieten ein neues Agenturmodell an, eine „Experience-Agency“, die Consulting-, Agentur- sowie Technologiedienstleistungen verbindet. In den vergangenen Jahren ist Accenture Interactive über Consulting in Österreich schon organisch gut gewachsen. Mit der Übernahme von PXP/X und Markus Höfinger als Managing Director von Accenture Interactive Österreich kommen jetzt noch das Kreative sowie technologische Digitalkompetenzen hinzu.


Das sind zwar viele Kompetenzen, die Sie anbieten – die aber auch einige Mitbewerber für sich beanspruchen. Eine kleine Herausforderung für Ihre nächste Antwort: Ohne das Wort „Experience“ darin zu verwenden; wie wollen Sie sich von der Konkurrenz abheben?
Schrader: Oh, da könnten wir jetzt einen Buzzword-Buzzer hinstellen (lacht). Ich versuche es mal ohne das Wort „Experience“. Es ist eine einzigartige Mischung einerseits aus Beratungsleistungen – etwa der Analyse, wo dem Unternehmen der Schuh drückt, und wie es wieder Wachstum erzielen kann. Andererseits wollen wir das, was wir auf Business-Seite versprechen, auch kreativ und technologisch umsetzen. Und das so prozess-sicher, wie man es von Accenture gewohnt ist. Ich glaube, diese Kombination ist auch im österreichischen Markt unvergleichlich.  
Markus Höfinger: Ich sehe ja, welchen Digitalisierungs-Reifegrad wir in Österreich haben. Noch befinden wir uns in der Phase, in der wir analoge Prozesse digitalisieren. Gut so, wir wissen, das gehört gemacht. Der nächste Schritt ist aber der noch wichtigere, und hier sehen wir uns gut positioniert – den Kunden bei der Hand zu nehmen und digitale Produkte zu kreieren. Wie Mattes (Anmerkung: Matthias Schrader) gerne sagt: Jedes Produkt muss ein digitales Service werden. Und damit ist nicht gemeint, dass ich ein bestehendes Produkt später im Onlineshop kaufen kann oder den Bankkredit online abschließe. Sondern es geht darum, neue Geschäftsmodelle für die Old-Economy-Stars zu finden und umzusetzen. Das, glaube ich, können die Wenigsten.

Wurden hundert Prozent der Anteile von PXP/X übernommen? 
Höfinger:
Es wurden alle Mitarbeiter und beide Studios in Wien und im Waldviertel zu hundert Prozent übernommen. 

Wie viel Geld geflossen ist, wollen Sie dann wohl auch nicht sagen? 
Höfinger:
Leider nein. 

Akquisitionen sind immer ein Thema. Der Markt wird überall gescreent.

In Deutschland hat sich Accenture Interactive mit Kolle Rebbe und SinnerSchrader durchaus prominente Agenturen angeeignet, während PXP/X in Österreich, auch als ehemalige Wunderman PXP, zwar zu den digitalen Pionieren gehört, in den letzten Jahren aber zumindest medial nicht so präsent war. Warum fiel die Entscheidung von Accenture Interactive auf PXP/X – und wie hat sie sich angebahnt? 
Schrader: Markus und ich haben uns vor knapp zwei Jahren auf der „Next“-Konferenz in Hamburg kennengelernt, die wir seit 13 Jahren veranstalten. Wir haben viel über die Herausforderungen im österreichischen Markt gesprochen, darüber, was die Kunden hier brauchen. Gemeinsam hatten wir das Gefühl: Hier müsste was gehen. Diese Zusammenarbeit haben wir in diesen letzten beiden Jahren schon erprobt und gemerkt, dass es extrem gut funktioniert. Am Ende dieser Verlobungsphase sind wir übereingekommen, uns noch die Ringe anzustecken und den Weg jetzt gemeinsam zu gehen.  
Höfinger: Wir kennen das ja aus Österreich. Man schaut immer über die Grenze und sieht sich an, wer in Deutschland vielleicht etwas Ähnliches anbietet. Schon in den Neunzigerjahren und vor allem in den letzten zehn Jahren war SinnerSchrader für uns immer ein Vorbild. Sowohl was die inhaltliche Umsetzung als auch die Agenturkultur betrifft. Hier konnte man sich viel abschauen – und es ergab einen schnellen Match. 


Was kann man sich unter der von Ihnen angesprochenen „Probezeit“ vorstellen?
Höfinger:
Wir haben bereits gemeinsam gepitcht und auch gemeinsam Projekte umgesetzt, um herauszufinden, ob hier ein Fit vorhanden ist. Ohne schon allzu viel darüber zu sprechen, was man ­eigentlich vorhat. 

Sie sind also gegenüber potenziellen Auftraggebern schon gemeinsam aufgetreten?
Höfinger:
Ja, es gab schon Kunden, für die wir als Accenture und PXP/X aufgetreten sind. 

Können Sie Namen nennen?
Höfinger:
Leider nein. 


Wie wird die künftige Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden beziehungsweise Österreich und dem D-A-CH-Raum aussehen?
Schrader:
Partnerschaftlich, mit viel Austausch. Der österreichische und deutsche Markt schauen schon ein bisschen aufeinander. Man sollte nicht strikt trennen, sondern wir sehen beide Länder als einen gemeinsamen Markt. 

Höfinger: Trotz Globalisierung haben Kunden, auch in Österreich, ihre Agenturpartner gerne vor Ort. Klar wollen sie auch internationales Know-how, aber am wichtigsten ist ihnen, dass die Core-Ansprechpartner hier sind. Durch den Zusammenschluss haben wir es geschafft, für Accenture Interactive mit einer schlagkräftigen Digitaltruppe in Österreich vertreten zu sein. Natürlich auch mit den Kompetenzen von SinnerSchrader, aber mit der Manpower vor Ort. Man muss also nicht mehr Kollegen aus Hamburg einfliegen lassen. 

Wie sieht es mit den Umsatzzielen aus? 
Schrader:
Als börsennotiertes Unternehmen können wir dazu leider keine Auskunft geben.

Und wie steht es dann um die aktuelle Mitarbeiter-Anzahl? Bislang war Accenture Interactive mit 40 Mitarbeitern in Österreich vertreten, PXP/X mit 60. 
Schrader:
Das ist nicht ganz unrichtig, aber wir brechen die Mitarbeiteranzahl nach außen grundsätzlich nicht regional herunter.  
Höfinger: Unser Country Manager in Österreich, Michael Zettel, blickt immer positiv in die Zukunft. Wir werden in den nächsten Monaten sicher rund hundert Mitarbeiter werden, aber wir möchten uns nicht auf eine Zahl festnageln lassen. 

Sie planen eine weitere Ausdehnung – das kann man sagen? 
Höfinger:
Absolut. 
Schrader: So wie wir laut dem aktuellen Ad-Age-Agenturranking global die Nummer eins im Segment der Digitalagenturen sind, streben wir das natürlich auch in den einzelnen Märkten an. 
Höfinger: Unser Anspruch ist, die Nummer-eins-Digitalagentur auch in Österreich zu sein. 

PXP/X verfügt mit Wien und Waidhofen an der Thaya über zwei Standorte. Sitzen Sie künftig alle im Büro von Accenture Interactive? 
Höfinger:
Vorerst bleiben wir an unseren Standorten, alles Weitere wird man die nächsten Monate sehen. 
Was ändert sich bei einer Übernahme dieses Kalibers bei den Prozessen sowie operativ für die Mitarbeiter?
Schrader: Der Name PXP/X wird schrittweise durch Accenture Interactive ersetzt. Außerdem waren es Agenturmitarbeiter eher gewohnt, in ihren Studios zu arbeiten, während die Berater bei ihren Kunden waren. Das wird sicherlich mehr verschwimmen, aber im Großen und Ganzen bleibt operativ alles wie bisher. 
Höfinger: Die Berater sind weiterhin beim Kunden tätig, die Agenturmitarbeiter werken in ihrer Werkstätte, die wir Studio nennen. Und am Ende erhält der Kunde ein fertiges Produkt. 

Ist bei der Beratungsleistung seitens Accenture ein Empfehlen von Digital jetzt nicht „aufgelegt“, wenn man dafür eine eigene Agentur hat? 
Schrader:
Der Druck für die Kunden, erfolgreich digital zu transformieren und einen Wachstumseffekt zu bewirken, fordert genau diesen Zusammenschluss aus integrierter Beratung, Kreation und technologischer Dienstleistung. 
Höfinger: Der Kundenanspruch nach End-to-End wird immer größer und war in der Vergangenheit nicht so ausgeprägt. Denn da wollte der Kunde eine Agentur, eine App, einen Shop – und der eine hat dies gemacht, der andere jenes. 
 

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