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Skurrile Spins

© Sabine Klimpt / Manstein Verlag

Die Kommunikationsmaschinerie der Politik läuft auf Hochtouren. Manche Versuche verwundern arg – und fordern umso mehr mediales Dagegenhalten. Leitartikel von Jürgen Hofer, Chefredakteur

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 25/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Das Buhlen um Stimmen für die Nationalsratswahl im September wirft seine Schatten nicht erst voraus, nein, es hat längst begonnen. Das Umschalten vom Regierungs- respektive Oppositionsalltag in den Kampagnenmodus erfolgte beinahe nahtlos und auf Knopfdruck, in gefühlter Sekundenschnelle waren Social-Media-Videos, Wahlkampftourneen und Co auf den Boden gebracht. Von einem kurzen, knackigen Wahlkampf – wie von vielen angekündigt – ist da keine Rede mehr.

Die kommunikative Agilität spricht in erster Linie für die Kommunikationsberater und -experten in den Parteizentralen, deren Handwerk und Schnelligkeit rein auf fachlicher Ebene in einigen Fällen durchaus als Vorzeigebeispiel herhalten darf. Trotzdem bleibt die Ungewissheit, wie die Bevölkerung auf den dreimonatigen Dauerzustand Wahlkampf reagieren wird. Irgendwann wird dann vielenorts eine Botschaft schlicht nicht mehr durchdringen, oder von anderen verdrängt. Und: Alles nur halbwegs Erdenkliche wird derzeit zum Wahlkampfthema hochstilisiert – auch wenn man diesem Vorgehen dieses Mascherl so natürlich nicht umhängt. Das Paradebeispiel dafür war die eiligst anberaumte Pressekonferenz von Altkanzler Sebastian Kurz am Montag dieser Woche. Dabei beklagte er gefälschte Mails rund um den Ibiza-Skandal, man wolle die Partei in die Affäre mit hineinziehen. Dass die ÖVP damit vorauseilend auf eine Anfrage eines Mediums öffentlich reagiert, obwohl dieses gar nichts publizierte hatte, ist erstaunlich; auch wenn die Politik immer schon Themen und Inhalte aktiv setzte, um in der Folge ihre Geschichte besser erzählen zu können. Eine Pressekonferenz dieser Art war dann doch eine neue Kategorie. Erstaunlich war aber auch, wie stark der Spin medial mitgetragen wurde. Wo is die G’schicht? Man stelle sich vor, sämtliche Medienvertreter hätten nicht (oder nicht in dem Ausmaß wie viele) berichtet. Das wäre doch eine schöne Antwort auf die kommunikative Dauererregung und das Phänomen Message Control gewesen.

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