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Darknet: IFWK erörterte Gefahren und Chancen für Unternehmen und Medien

V.l.: Wilhelm Milchrahm, Stefan Mausser, Isabella Mader, Madlen Stottmayr und Rudolf Melzer

Das Internationale Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) lud Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Militär und Medien zum Diskurs in den Wiener Speakeasy Club.

Die IFWK-Veranstaltung "Business Risks from the Deep- and Darknet – wenn sich Ihr digitaler Footprint gegen Sie wendet", zu der IFWK-Präsident Rudolf J. Melzer gemeinsam mit Wilhelm Milchrahm, Partner und Anwalt bei mslegal, einlud, widmete sich dem Mysterium Darknet. Für viele der "Hort des Bösen", bergen die "dunklen Seiten" des Internets auch Chancen für Unternehmen sowie für investigative Medien. Sechs Prozent des gesamten Internet-Inhaltes finden sich in diesem sogenannten Darknet, das wiederum Teil des Deep Web ist. Dieses Deep Web besteht großteils aus themenspezifischen Datenbanken und Webseiten, welche von Suchmaschinen nicht indexiert und daher bei einer Suchanfrage nicht gefunden werden.

Wer ins Darknet gelangen will, kann dies tun, braucht aber spezifisches Wissen, erklärt Cybersecurity-Experte und Geschäftsführer von TriConPlus, Stefan Mausser. Das bekannteste Darknet ist das TOR (The Onion Router) Netzwerk. Wichtigster Zweck des TOR Netzwerkes war und ist keinesfalls, kriminelle Aktivitäten zu fördern, sondern Anonymität für den Benutzer sicher zu stellen, so Mausser. Zu den Nutzern zählen sowohl ganz normale User, welche Wert auf ihre Privatsphäre legen als auch "Menschen, die in Ländern mit starker Zensur leben und z.B. blockierte Social-Media-Seiten erreichen wollen", erläutert Mausser. Doch auch Aktivisten und Whistleblower greifen gerne auf das Tor Netzwerk zurück, um ihre Identität zu schützen.

IT-Strategie-Expertin Isabella Mader vom Excellence Institute bestätigt ebenfalls, dass es zahlreiche Darknet-User mit lauteren Absichten gibt: "Mit dem Zulassen einer immer invasiveren Überwachungsökonomie verdrängen wir Menschen zunehmend in das anonyme Web. In Diktaturen sind es die Menschenrechtsaktivisten, in Europa vielfach jene, die mit ihren legalen Interessen nicht geleakt oder getrackt werden wollen." Das Darknet stellt unter anderem sichere Sharing-Plattformen und anonymisierte, abhörsichere Messenger-Dienste bereit. Die meisten TOR-Nutzer kommen aus den USA, Russland und Deutschland. Insgesamt nutzen täglich etwa zwei Millionen Menschen TOR und finden dort auch ganz normale Informations- und Marktangebote.

"Das schlichte Surfen im Darknet ist in der Regel legal", stellt Anwalt Milchrahm klar. "Grundsätzlich gilt ohnedies das allgemeine Strafrecht. Es besteht kein Unterschied, ob Suchtmittel auf der Straße oder online gehandelt werden." Im Darknet gebe es allerdings eine gewisse "strafrechtliche Gefahrengeneigtheit" – etwa dann, wenn man mit Kinderpornografie in Berührung kommt und in Fällen, in denen der schlichte "Besitz" eine mögliche Straftat nach sich ziehen könne. Ein typisches Beispiel sei der Download einer Hacker-Software: Geschieht dies aus Neugierde oder tatsächlich mit Handlungsvorsatz?

Auch Medien- und Aufdeckerplattformen zählen zu den Profiteuren des Darknets. Sie können auf anonym hochgeladenes Whistleblower-Material zugreifen und unter Wahrung der Anonymität umfassend recherchieren. Isabella Mader sieht darin jedoch auch große Herausforderungen für die öffentliche Hand: "Für Behörden, z.B. für die Exekutive, bedeutet Digitalisierung, dass nicht nur die Wirtschaft in den digitalen Raum migriert, sondern eben auch die Kriminalität. Das Schutzinteresse und der Schutzanspruch z.B. für kritische Infrastruktur gelten dort auch." Europol holt im Kampf gegen die Internetkriminalität allerdings auch stark auf, betonten die Expertinnen und Experten am Podium. In den letzten drei Jahren konnte Europol zahlreiche illegale Märkte im Darknet übernehmen und schließen.

Moderiert wurde die Diskussion von Trending Topics-Redakteurin Madlen Stottmayr. Unter den zahlreichen Gästen im Speakeasy Club von Heidi und Lisa Schmerold: Rainer Walter, geschäftsführender Gesellschafter der auf Sicherheits- und Elektrotechnik spezialisierten Pörner GmbH, die Wirtschaftsjournalisten Engelbert Washietl und Peter Muzik, Gabriele Schallegger von Mondi, Hatto Käfer von der Vertretung der Europäischen Kommission in Wien, Peter Kraus, Senior Partner bei Hill Woltron, sowie ATOS-Direktor Herwig Schweng.

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