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Studie nimmt Medien bei Darstellung von Frauen in Veranwortung

Studienautorin Maria Pernegger, AK-Präsidentin Renate Anderl, IV-Präsident Georg Kapsch und RHI Magnesita Executive Vice President Simone Oremovic bei der gemeinsamen Präsentation der Studie
© RHI Magnesita

Die jährliche Studie "Frauen – Politik – Medien" hat sich heuer vor allem der medialen Darstellung von Frauen in der Wirtschaft gewidmet und weist Medien eine entscheidende Rolle dabei zu, dass die Berichterstattung weit hinter der bereits viel "weiblicheren" Wirtschaftsrealität zurückbleibt, und zwar durch die Themensetzung.

Seit schon sechs Jahren untersucht die Agentur MediaAffairs im Jahresrhythmus die mediale Sichtbarkeit und Präsenz von Frauen sowie den Stellenwert der Frauen(-politik) in der aktuellen politischen Debatte. In „Frauen – Politik – Medien 2018“ legt Studienleiterin Maria Pernegger dieses Mal einen Schwerpunkt auf Frauen in der Wirtschaft – insbesondere als Unternehmerinnen und in Managementfunktionen. Unterstützung für die aktuelle Studie kommt von RHI Magnesita und beiden Seiten der Sozialpartnerschaft - Arbeiterkammer (AK) ebenso wie Industriellenvereinigung (IV). Sie teilen das Anliegen, die Zahl der Frauen in Führungsfunktionen zu erhöhen und ihre Chancen weiter zu verbessern.

Die am 7. Juni präsentierte Studie bestätigte einmal mehr, dass Frauen medial in fast allen Bereichen – vom Sport, über Politik bis hin zur Justiz – im Vergleich zu Männern stark unterrepräsentiert sind. Vor allem die Massenmedien sind demnach zu zwei Drittel von Männern dominiert. Gerade in der Wirtschaft ist das Verhältnis laut der Studie noch unausgewogener. Demnach nehmen Frauen in dieser Sparte der Berichterstattung nur zwölf Prozent ein. Gerade im wirtschaftlichen Bereich sei das kaum gerechtfertigt, legt die Studie nahe. Immerhin werde ein Drittel aller heimischen Unternehmen von Frauen geführt.

Sichtbarkeit als Bedingung für Gestaltungsmacht

Laut der Untersuchung resultiert das mediale Ungleichgewicht vor allem aus einem Gefälle in der Wirtschaftsberichterstattung nach Unternehmensgröße, wo die Berichterstattung über sehr große Unternehmen dominiert und den kleineren wie KMU oder Start-ups nur wenig Raum für Profilierung bleibt. Letztere seien es laut Pernegger aber, wo Frauen medial vergleichsweise stark sichtbar sind (37 Prozent als Chefinnen in Kleinstunternehmen; 41 Prozent als Leiterinnen von Start-ups). Auch der zuletzt gestiegene Frauenanteil in den Aufsichtsräten wirke sich auf die Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft nur marginal aus, da Aufsichtsratspositionen im Vergleich zum Management und den CEOs in der Berichterstattung kaum eine Rolle spielen würden.

Pernegger unterstreicht die Bedeutung der medialen Darstellung für die Gleichstellung von Frauen in der Realität: „Nur, wenn Frauen auch öffentlich sichtbarer werden, können sie gleich wirksam Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gestalten." Auch AK-Präsidentin Anderl fordert Medien auf, "die aktuellen Lebensrealitäten von Frauen stärker sichtbar zu machen". Nur einmal im Jahr, zum Frauentag, gehe es etwa um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, obwohl es in Österreich mehr als eine halbe Million Erwerbstätige - Mütter wie Väter - gebe, die sich um noch nicht schulpflichtige Kinder kümmern müssten.

Kapsch vertrat seinerseits die Meinung, man könne es sich "als Wirtschaftsstandort nicht leisten, auf weibliches Potenzial zu verzichten". Dafür sei zwar auch Bewusstseinsarbeit in Unternehmen selbst nötig, allerdings auch Medien als "wichtige Meinungsbildner". Diese müssten „Rollenklischees aufbrechen" und "Ungleichgewichte in der Sichtbarkeit von Frauen und Männern beheben". Auch Oremovic sah die Förderung von Frauen in der Industrie als "Aufgabe, an der wir alle gemeinsam arbeiten müssen". Während Arbeitgeber Frauen ein gutes Arbeitsumfeld bieten müssten, seien Medien gefordert, "Frauen aus der Industrie vor den Vorhang zu holen".

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